Ein­kunfts­er­zie­lungs­ab­sicht – und die Beschäf­ti­gung der Ehe­frau

In der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs stellt doe Beschäf­ti­gung des Ehe­part­ners an sich grund­sätz­lich noch kei­ne per­sön­li­chen, fami­liä­ren Grün­de für die Hin­nah­me von Ver­lus­ten, da der ehe­li­chen Erwerbs- und Wirt­schafts­ge­mein­schaft durch die steu­erneu­tra­le Behand­lung des Arbeits­lohns kei­ne Vor­tei­le ent­ste­hen. Aller­dings kann der Umstand von Bedeu­tung sein, ob der Betriebs­in­ha­ber-Ehe­gat­te dem Arbeit­neh­mer-Ehe­gat­ten einen ver­hält­nis­mä­ßig preis­güns­ti­gen Ver­si­che­rungs­schutz in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ermög­li­chen und die Arbeit­ge­ber­bei­trä­ge zu den Sozi­al­ver­si­che­run­gen als Betriebs­aus­ga­ben abzie­hen wol­le 1.

Ein­kunfts­er­zie­lungs­ab­sicht – und die Beschäf­ti­gung der Ehe­frau

In Fäl­len, in denen der Betriebs­in­ha­ber sei­ne Ehe­frau mit einem Gehalt im unte­ren Bereich der sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Gleit­zo­ne beschäf­tigt, erlangt der Arbeit­neh­mer-Ehe­gat­te den vol­len Schutz der gesetz­li­chen Sozi­al­ver­si­che­rung; es sind aber nur ver­hält­nis­mä­ßig gering­fü­gi­ge Bei­trä­ge zu zah­len (vgl. § 20 Abs. 2 SGB IV, § 163 Abs. 10 SGB VI, auch i.V.m. § 344 Abs. 4 SGB III und § 226 Abs. 4 SGB V), die im Übri­gen noch über­wie­gend vom Arbeit­ge­ber zu tra­gen sind (vgl. § 168 Abs. 1 Nr. 1d SGB VI und die Par­al­lel­vor­schrif­ten in den ande­ren Büchern des SGB), so dass die­sem der Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug zusteht, wäh­rend der Arbeit­neh­mer die­sen über­wie­gen­den Bei­trags­teil nicht zu ver­steu­ern hat (§ 3 Nr. 62 EStG). Dem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs in BFHE 208, 522, BSt­Bl II 2005, 336 ist zu ent­neh­men, dass eine sol­che Gestal­tung als per­sön­li­ches Motiv für die Hin­nah­me der Ver­lus­te gewer­tet wer­den darf.

Auch im Zusam­men­hang mit der Ein­kom­men­steu­er­erspar­nis durch die steu­er­li­che Aus­gleichs­fä­hig­keit der erziel­ten Ver­lus­te mit ander­wei­ti­gen posi­ti­ven Ein­künf­ten geht der Bun­des­fi­nanz­hof von fol­gen­den Rechts­sät­zen aus 2:

  • Die Steu­er­erspar­nis ist in der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung nur dann tra­gend als per­sön­li­ches Motiv für die Hin­nah­me der Ver­lus­te her­an­ge­zo­gen wor­den, wenn es sich um Ver­lust­zu­wei­sungs­ge­sell­schaf­ten han­del­te, deren Geschäfts­kon­zept dar­auf beruh­te, zunächst buch­mä­ßi­ge Ver­lus­te … auf­zu­wei­sen und zu einem spä­te­ren Zeit­punkt steu­er­freie oder ‑begüns­tig­te Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne zu erzie­len.
  • Steu­er­li­che Gesichts­punk­te sind auch dann ent­schei­dend für die Hin­nah­me der Ver­lus­te, wenn die Tätig­keit die Mög­lich­keit eröff­net, Kos­ten der pri­va­ten Lebens­füh­rung (z.B. antei­li­ge Fix­kos­ten ohne­hin vor­han­de­ner Gegen­stän­de wie PKW, Woh­nung, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel oder Com­pu­ter) in den ein­kom­men­steu­er­lich rele­van­ten Bereich zu ver­la­gern.
  • Die Recht­spre­chung hat bis­her in kei­nem Fall die Mög­lich­keit der Ver­rech­nung "ech­ter" ‑den Steu­er­pflich­ti­gen wirt­schaft­lich belas­ten­der- Ver­lus­te mit ander­wei­ti­gen posi­ti­ven Ein­künf­ten schon für sich genom­men als pri­va­tes Motiv ange­se­hen, das zur Annah­me feh­len­der Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht führt. Im Gegen­teil hat der Bun­des­fi­nanz­hof mehr­fach klar­ge­stellt, dass allein die­ser Umstand zur Ver­nei­nung der Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht nicht aus­reicht.

Dar­aus ergibt sich, dass die Mög­lich­keit der Ver­rech­nung der Ver­lus­te mit ander­wei­ti­gen posi­ti­ven Ein­künf­ten ‑von den dar­ge­stell­ten Aus­nah­me­fäl­len (Ver­lust­zu­wei­sungs­ge­sell­schaf­ten, Abzug antei­li­ger Fix­kos­ten von Gegen­stän­den der pri­va­ten Lebens­füh­rung) abge­se­hen- recht­lich nicht geeig­net ist, um als ein­zi­ges per­sön­li­ches Motiv für die Hin­nah­me der Ver­lus­te her­an­ge­zo­gen zu wer­den.

Im hier ent­schie­de­nen Streit­fall sahen die Finanz­rich­ter die­sen Umstand jedoch nicht als ein­zi­ges per­sön­li­ches Motiv, son­dern nur neben einem wei­te­ren per­sön­li­chen Motiv, näm­lich der Beschäf­ti­gung des Ehe­gat­ten zur Ver­schaf­fung eines güns­ti­gen Kran­ken­ver­si­che­rungs­schut­zes 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 4. März 2016 – X B 188/​15

  1. BFH, Urteil vom 17.11.2004 – X R 62/​01, BFHE 208, 522, BSt­Bl II 2005, 336[]
  2. BFH, Urteil in BFHE 207, 183, BSt­Bl II 2004, 1063, unter II. 3.c[]
  3. vgl. hier­zu auch BFH, Ent­schei­dun­gen vom 14.07.2003 – IV B 81/​01, BFHE 202, 553, BSt­Bl II 2003, 804, unter 1.b bb; und vom 26.02.2004 – IV R 43/​02, BFHE 205, 243, BSt­Bl II 2004, 455, unter 3.b[]