Ent­nah­me­ge­winn für Antei­le im Son­der­be­triebs­ver­mö­gen

Zu den Ein­künf­ten aus Gewer­be­be­trieb gehö­ren u.a. Gewin­ne, die bei der Ver­äu­ße­rung des gesam­ten Anteils eines Gesell­schaf­ters erzielt wer­den, der als Mit­un­ter­neh­mer des Betrie­bes i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG anzu­se­hen ist (§ 16 Abs. 1 Nr. 2 EStG). Ver­äu­ße­rungs­ge­winn ist in die­sen Fäl­len gemäß § 16 Abs. 2 Satz 1 EStG der Betrag, um den der Ver­äu­ße­rungs­preis nach Abzug der Ver­äu­ße­rungs­kos­ten den Wert des Anteils am Betriebs­ver­mö­gen über­steigt.

Ent­nah­me­ge­winn für Antei­le im Son­der­be­triebs­ver­mö­gen

Maß­geb­lich ist dabei die Dif­fe­renz zwi­schen den dem Aus­schei­den­den aus die­sem Anlass zuge­wand­ten Leis­tun­gen und sei­nem Kapi­tal­kon­to. Der Wert des Anteils am Betriebs­ver­mö­gen (Kapi­tal­kon­to) ist für den Zeit­punkt des Aus­schei­dens nach § 4 Abs. 1 oder § 5 EStG zu ermit­teln (§ 16 Abs. 2 Satz 2 EStG)1.

Zum not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen einer gewerb­lich täti­gen Per­so­nen­ge­sell­schaft gehö­ren nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 i.V.m. § 4 Abs. 1 EStG zusätz­lich zu den im Gesamt­hand­s­ei­gen­tum der Mit­un­ter­neh­mer ste­hen­den Wirt­schafts­gü­tern auch sol­che Wirt­schafts­gü­ter, die einem Mit­un­ter­neh­mer gehö­ren, wenn sie geeig­net und bestimmt sind, dem Betrieb der Per­so­nen­ge­sell­schaft (Son­der­be­triebs­ver­mö­gen I) oder der Betei­li­gung des Gesell­schaf­ters an der Per­so­nen­ge­sell­schaft (Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II) zu die­nen2.

Die Betei­li­gung des (ehe­ma­li­gen) Gesell­schaf­ters an der GmbH gehört nicht bis zu des­sen Aus­schei­den aus der KG, son­dern nur bis zu dem Tag des Abschlus­ses und der Durch­füh­rung des Schen­kungs- und Abtre­tungs­ver­tra­ges, zu sei­nem Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II.

er Bun­des­fi­nanz­hof kann es dabei offen las­sen, ob er der Auf­fas­sung fol­gen könn­te, dass im Streit­fall die ein­mal zwi­schen der KG und der GmbH begrün­de­te Betriebs­auf­spal­tung trotz des vor­ge­nann­ten Schen­kungs- und Abtre­tungs­ver­tra­ges auf­grund fak­ti­scher Beherr­schung3 fort­be­stand.

Auf die vor­ge­nann­te Fra­ge kommt es des­halb nicht an, weil die Antei­le des ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ters an der GmbH vor­lie­gend mit dem Voll­zug des Abtre­tungs- und Schen­kungs­ver­tra­ges aus sei­nem Son­der­be­triebs­ver­mö­gen aus­ge­schie­den sind. Durch den Schen­kungs- und Abtre­tungs­ver­trag hat der ehe­ma­li­ge Gesell­schaf­ter sei­ne GmbH-Antei­le schenk­wei­se durch Abtre­tung auf sei­nen Sohn über­tra­gen. Seit­her waren sie die­sem nach § 39 Abs. 1 AO als Eigen­tü­mer zuzu­rech­nen.

Zwar hat er aus­weis­lich des Ver­trags­in­halts ab dem Tage der Abtre­tung die Antei­le treu­hän­de­risch für sei­nen Sohn gehal­ten, so dass er damit im Außen­ver­hält­nis Gesell­schaf­ter der GmbH blieb. Im Innen­ver­hält­nis war aller­dings der Beschenk­te Gesell­schaf­ter. Ihm soll­ten die Antei­le aus­drück­lich auch steu­er­recht­lich zuge­rech­net wer­den. Dies ent­spricht der von § 39 Abs. 2 Nr. 1 Satz 2 AO vor­ge­se­he­nen Zurech­nung des Treu­guts auf den Treu­ge­ber. Im Streit­fall sind weder Anhalts­punk­te dafür vor­ge­tra­gen noch erkenn­bar, die dafür spre­chen könn­ten, dass die Treu­hand­ab­re­de tat­säch­lich nicht durch­ge­führt wor­den wäre. Ange­sichts der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung hält es der Bun­des­fi­nanz­hof auch für aus­ge­schlos­sen, dass der Bei­gela­de­ne sei­nen Sohn i.S. des § 39 Abs. 2 Nr. 1 Satz 1 AO im Regel­fall für die gewöhn­li­che Nut­zungs­dau­er von der Ein­wir­kung auf die Betei­li­gung hät­te aus­schlie­ßen kön­nen, denn der BFH hat die Anwen­dung von § 39 Abs. 2 Nr. 1 Satz 1 AO sogar in Fäl­len abge­lehnt, in denen sich der Schen­ker von GmbH-Antei­len das Ver­wal­tungs- und Ver­fü­gungs­recht vor­be­hal­ten und die Beschenk­ten durch wei­te­re Ver­ein­ba­rung und ein Rück­erwerbs­recht gebun­den hat­te4 bzw. die Ver­fü­gungs­voll­macht unwi­der­ruf­lich war5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 24. April 2014 – IV R 20/​11

  1. vgl. BFH, Urteil vom 12.07.2012 – IV R 39/​09, BFHE 238, 353, BSt­Bl II 2012, 728, Rz 16
  2. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 24.02.2005 – IV R 12/​03, BFHE 209, 262, BSt­Bl II 2006, 361, unter I. 1.; vom 23.02.2012 – IV R 13/​08, BFH/​NV 2012, 1112, Rz 53
  3. dazu BFH, Urtei­le vom 21.01.1999 – IV R 96/​96, BFHE 187, 570, BSt­Bl II 2002, 771; vom 15.03.2000 – VIII R 82/​98, BFHE 191, 390, BSt­Bl II 2002, 774; BFH, Beschlüs­se vom 29.08.2001 – VIII B 15/​01, BFH/​NV 2002, 185; vom 23.01.2002 – IX B 117/​01, BFH/​NV 2002, 777; für Treu­hand­ver­hält­nis­se vgl. BFH, Beschluss vom 02.03.2004 – III B 114/​03, BFH/​NV 2004, 1109
  4. BFH, Urteil vom 27.09.1988 – VIII R 193/​83, BFHE 154, 525, BSt­Bl II 1989, 414
  5. BFH, Urteil vom 18.05.1995 – IV R 126/​92, BFH/​NV 1996, 35
  6. vgl. BFH, Urteil vom 31.10.2000 – VIII R 19/​94, BFH/​NV 2001, 447, m.w.N.