Ent­schä­di­gungs­zah­lung für ent­ge­hen­de För­der­gel­der – und ihre Besteue­rung

Ver­zich­tet der Betrei­ber einer mobi­len Alten­pfle­ge zur Bei­le­gung eines jah­re­lan­gen Rechts­streits auf die ihm zuste­hen­de För­de­rung nach dem LPflgeHG Rhein­land-Pfalz und erhält er hier­für vom Land und Land­kreis eine Ent­schä­di­gung, han­delt es sich um eine steu­er­be­güns­tig­te Ent­schä­di­gung nach § 24 Nr. 1 Buchst. a i.V.m. § 34 Abs. 2 Nr. 2 EStG.

Ent­schä­di­gungs­zah­lung für ent­ge­hen­de För­der­gel­der – und ihre Besteue­rung

Der ein­ma­li­ge Ertrag aus der Aus­zah­lung der Ver­gleichs­sum­me ist als außer­or­dent­li­che Ein­künf­te i.S. des § 24 Nr. 1 Buchst. a i.V.m. § 34 Abs. 2 Nr. 2 EStG gemäß § 34 Abs. 1 EStG ermä­ßigt zu besteu­ern.

§ 24 Nr. 1 Buchst. a EStG ergänzt die Ein­künf­t­e­tat­be­stän­de der §§ 13 bis 23 EStG, schafft aber kei­nen neu­en Besteue­rungs­tat­be­stand. Es muss dem­ge­mäß eine kau­sa­le Ver­knüp­fung zwi­schen der Ent­schä­di­gung und den ent­gan­ge­nen Ein­nah­men bestehen [1]. Die ent­gan­ge­nen Ein­nah­men müs­sen, falls sie erzielt wor­den wären, steu­er­pflich­tig sein [2]. Dies ist vor­lie­gend der Fall, da die Zuschüs­se aus der Inves­ti­ti­ons­för­de­rung gemäß § 12 Abs. 2 LPflgeHG als Betriebs­ein­nah­men zu ver­steu­ern gewe­sen wären, wenn der Unter­neh­mer von sei­nem Wahl­recht nach Abschn.06.5 der Ein­kom­men­steu­er-Richt­li­nie 2005, die Zuschüs­se erfolgs­neu­tral zu behan­deln, kei­nen Gebrauch gemacht hät­te [3].

Eine Ent­schä­di­gung setzt begriff­lich vor­aus, dass es sich um eine Ersatz­leis­tung han­delt. Sie darf nicht die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Erfül­lungs­leis­tung sein, son­dern muss auf­grund einer neu­en Rechts- oder Bil­lig­keits­grund­la­ge geleis­tet wer­den [4]. Dies ist vor­lie­gend der Fall. Nach dem ein­deu­ti­gen Wort­laut der zwi­schen dem Unter­neh­mer und dem Land und Land­kreis abge­schlos­se­nen Ver­gleichs­ver­ein­ba­run­gen wur­de nicht der ursprüng­li­che nach dem LPflgeHG bestehen­de Anspruch des Unter­neh­mers auf För­de­rung in sei­ner Zah­lungs­mo­da­li­tät ver­än­dert, son­dern eine neue Rechts­grund­la­ge geschaf­fen, da die Zah­lung die Rück­nah­me der För­der­an­trä­ge durch den Unter­neh­mer vor­aus­setz­te und der Höhe nach von den gesetz­lich vor­ge­ge­be­nen För­der­gel­dern abwich. Der Ver­gleich begrün­de­te danach einen Ent­schä­di­gungs­an­spruch des Unter­neh­mers, der auf die ihm zuste­hen­de För­de­rung nach dem LPflgeHG unter einem nicht uner­heb­li­chen tat­säch­li­chen, recht­li­chen und wirt­schaft­li­chen Druck ver­zich­tet hat. Denn wäre der Unter­neh­mer nicht auf das Ver­gleichs­an­ge­bot ein­ge­gan­gen, hät­te er sei­ne Ansprü­che nach dem LPflgeHG wei­ter auf dem Rechts­weg ver­fol­gen müs­sen und sei­nem Geschäfts­be­trieb wäre zunächst zumin­dest teil­wei­se die Ertrags­grund­la­ge ent­zo­gen wor­den [5]. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­amt ist der BFH nicht auf­grund der Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt an die­ser recht­li­chen Wür­di­gung gehin­dert. Denn das Finanz­ge­richt hat in den Urteils­grün­den zu der Fra­ge, ob der Unter­neh­mer bei dem Abschluss des Ver­gleichs unter erheb­li­chem tat­säch­li­chen, recht­li­chen oder wirt­schaft­li­chen Druck gestan­den hat, kei­ne Fest­stel­lun­gen getrof­fen, so dass kei­ne Bin­dungs­wir­kung nach § 118 Abs. 2 FGO besteht.

Es han­delt sich auch um einen unge­wöhn­li­chen Geschäfts­vor­fall und nicht um einen Geschäfts­vor­fall, den der Unter­neh­mer im Rah­men sei­ner selb­stän­di­gen Tätig­keit übli­cher­wei­se abge­schlos­sen hat [6]. Inso­weit war der Unter­neh­mer auch nicht ver­pflich­tet, die von ihm gel­tend gemach­ten Ansprü­che auf För­de­rung ambu­lan­ter Hil­fen nach § 12 Abs. 2 LPflgeHG bereits in einem frü­he­ren Ver­an­la­gungs­zeit­raum zu akti­vie­ren, da die­se vom Land und Land­kreis bis zum Abschluss des Ver­gleichs im Streit­jahr bestrit­ten wor­den waren [7].

Ob die Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen zugleich als Ver­gü­tung für mehr­jäh­ri­ge Tätig­kei­ten nach der neue­ren Recht­spre­chung des BFH [8] zu § 34 Abs. 2 Nr. 4 EStG hät­ten ein­ge­stuft wer­den kön­nen, konn­te im hier ent­schie­de­nen Streit­fall offen­blei­ben.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 25. August 2015 – VIII R 2/​13

  1. BFH, Urteil vom 19.10.1978 – VIII R 9/​77, BFHE 126, 405, BStBl II 1979, 133[]
  2. BFH, Urteil vom 16.08.1978 – I R 73/​76, BFHE 126, 199, BStBl II 1979, 120[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 19.07.1995 – I R 56/​94, BFHE 179, 19, BStBl II 1996, 28[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 14.07.1993 – I R 84/​92, BFH/​NV 1994, 23, m.w.N.[]
  5. vgl. BFH, Urteil vom 11.02.2015 – VIII R 4/​12, BFHE 249, 154, BStBl II 2015, 647; BFH, Urteil vom 29.02.2012 – IX R 28/​11, BFHE 237, 56, BStBl II 2012, 569[]
  6. vgl. BFH, Urteil vom 10.07.2012 – VIII R 48/​09, BFHE 238, 337, BStBl II 2013, 155[]
  7. BFH, Urteil vom 15.03.2000 – II R 15/​98, BFHE 191, 403, BStBl II 2000, 588, unter II. 2.b aa, und BFH, Urteil vom 14.03.2006 – VIII R 60/​03, BFHE 212, 535, BStBl II 2006, 650, unter II. 2., jeweils m.w.N.[]
  8. Urteil vom 25.02.2014 – X R 10/​12, BFHE 245, 1, BStBl II 2014, 668[]