Erhöh­te Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge im Druck­ge­wer­be

Die Her­stel­lung von Trä­ger­fil­men und Druck­plat­ten ist eine Erst­in­ves­ti­ti­on, die der Erwei­te­rung einer bestehen­den Betriebs­stät­te des Druck­ge­wer­bes dient. Sie ist nach § 2 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1, Abs. 7 Nr. 2, Abs. 8 Nr. 2 InvZu­lG 1999 durch erhöh­te Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge begüns­tigt.

Erhöh­te Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge im Druck­ge­wer­be

Nach § 2 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 i.V.m. Abs. 7 Nr. 2 InvZu­lG 1999 wird –bei Vor­lie­gen wei­te­rer Vor­aus­set­zun­gen– Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge von 25% unter ande­rem für neue abnutz­ba­re beweg­li­che Wirt­schafts­gü­ter des Anla­ge­ver­mö­gens in Betrie­ben des ver­ar­bei­ten­den Gewer­bes gewährt, sofern es sich um Erst­in­ves­ti­tio­nen han­delt, die der Anspruchs­be­rech­tig­te nach dem 31. Dezem­ber 1999 begon­nen hat. Die genann­ten Vor­aus­set­zun­gen lie­gen im Druck­ge­wer­be nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs bei der Anschaf­fung von Trä­ger­fil­men und Druck­plat­ten vor.

Die Fil­me und Druck­plat­ten sind neue abnutz­ba­re beweg­li­che Wirt­schafts­gü­ter des Anla­ge­ver­mö­gens, auch han­delt es sich nicht um gering­wer­ti­ge Wirt­schafts­gü­ter. Sowohl die Fil­me als auch die Druck­plat­ten sind mate­ri­el­le und damit beweg­li­che Wirt­schafts­gü­ter. Es sind Gegen­stän­de, deren mate­ri­el­ler Wert gegen­über dem geis­ti­gen Gehalt bedeu­tungs­mä­ßig nicht zurück­tritt [1].

Die Druck­vor­la­gen sind Wirt­schafts­gü­ter des Anla­ge­ver­mö­gens. Nach einem frü­he­ren Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs [2] gehö­ren Wirt­schafts­gü­ter, die in ers­ter Linie für die Durch­füh­rung eines bestimm­ten Auf­trags her­ge­stellt wor­den sind und deren künf­ti­ge Ver­wer­tungs­mög­lich­keit unge­wiss ist, zum Umlauf­ver­mö­gen. Sie gehö­ren zum Anla­ge­ver­mö­gen, wenn sie nach Durch­füh­rung die­ses Auf­trags einen wirt­schaft­li­chen Wert für den Betrieb behal­ten, weil sie dem Kun­den des durch­ge­führ­ten Auf­trags einen Anreiz geben, spä­ter gleich­ar­ti­ge Auf­trä­ge zu ertei­len. Ob die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind, hängt von den Umstän­den des Ein­zel­falls ab. Dabei kommt es auf die Abma­chun­gen zwi­schen dem Auf­trag­ge­ber und dem Betrieb an, auch die betrieb­li­chen Erfah­run­gen mit Anschluss­auf­trä­gen in der Ver­gan­gen­heit sind von Bedeu­tung [3].

In dem jetzt vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall gin­gen die Betei­lig­ten dem­ge­mäß über­ein­stim­mend davon aus, dass die Druck­vor­la­gen als Wirt­schafts­gü­ter des Anla­ge­ver­mö­gens anzu­se­hen sind.

Schließ­lich sind die Druck­vor­la­gen auch nicht als gering­wer­ti­ge Wirt­schafts­gü­ter i.S. von § 2 Abs. 1 Satz 2 InvZu­lG 1999 i.V.m. § 6 Abs. 2 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes anzu­se­hen, da sie nicht selb­stän­dig nutz­bar sind [4].

Ent­ge­gen der Rechts­an­sicht des Finanz­am­tes ist die Gewäh­rung von Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge nicht des­halb aus­ge­schlos­sen, weil der Klä­ger die Druck­vor­la­gen ertrag­steu­er­lich als gering­wer­ti­ge Wirt­schafts­gü­ter behan­delt und nicht akti­viert hat [5].

Die Her­stel­lung der Druck­vor­la­gen ist als Erst­in­ves­ti­ti­on i.S. von § 2 Abs. 7 Nr. 2 i.V.m. Abs. 8 InvZu­lG 1999 zu beur­tei­len. Nach der im Streit­fall allein in Betracht kom­men­den Tat­be­stand­s­al­ter­na­ti­ve des § 2 Abs. 8 Nr. 2 InvZu­lG 1999 sind Erst­in­ves­ti­tio­nen die Anschaf­fung oder Her­stel­lung von Wirt­schafts­gü­tern, die der Erwei­te­rung einer bestehen­den Betriebs­stät­te die­nen. Eine Betriebs­stät­ten­er­wei­te­rung setzt nach Tz. 107 des BMF-Schrei­bens in BStBl I 2001, 379 eine Aus­wei­tung der wirt­schaft­li­chen Tätig­keit vor­aus, die sich nach außen doku­men­tiert und durch die die Mög­lich­keit geschaf­fen wird, die Pro­duk­ti­on von Waren, Dienst­leis­tun­gen oder den Han­del (Aus­brin­gungs­men­ge/-ergeb­nis = Out­put) qua­li­ta­tiv oder quan­ti­ta­tiv zu stei­gern. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind nach Ansicht der Finanz­ver­wal­tung bei Trä­ger­fil­men zu beja­hen [6]. Der Bun­des­fi­nanz­hof schließt sich die­ser Rechts­auf­fas­sung an. Auch die Her­stel­lung von Druck­plat­ten ist eine Erst­in­ves­ti­ti­on, sofern die Plat­ten, wie im Streit­fall, für künf­ti­ge Auf­trä­ge auf­be­wahrt wer­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 22. Okto­ber 2009 – III R 14/​07

  1. eben­so BMF-Schrei­ben in BStBl I 2007, 458 Tz. 11[]
  2. BFH, Urteil vom 28.02.1961 – I 195/​60 U, BFHE 73, 322, BStBl III 1961, 384[]
  3. BFH, Urteil vom 28.10.1977 – III R 72/​75, BFHE 123, 538, BStBl II 1978, 115[]
  4. BFH, Urteil vom 15.03.1991 – III R 57/​86, BFHE 164, 324, BStBl II 1991, 682, zu Litho­gra­phien im Druck­ge­wer­be[]
  5. s. BFH, Urteil in BFHE 123, 538, BStBl II 1978, 115[]
  6. s. Tz. 20 des zum InvZu­lG 2005 ergan­ge­nen BMF-Schrei­bens in BStBl I 2007, 458[]