Ermitt­lung des Teil­werts eines aus dem Betriebs­ver­mö­gen ent­nom­me­nen Grund­stücks

Der Teil­wert eines aus dem Betriebs­ver­mö­gen ent­nom­me­nen Grund­stücks kann nicht im Rah­men eines Band­brei­ten­ver­fah­rens ermit­telt wer­den.

Ermitt­lung des Teil­werts eines aus dem Betriebs­ver­mö­gen ent­nom­me­nen Grund­stücks

Die Recht­fra­ge, ob der nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG im Fall der Ent­nah­me eines Grund­stücks aus dem Betriebs­ver­mö­gen anzu­set­zen­de Teil­wert nach einem Band­brei­ten­ver­fah­ren zu bestim­men ist und sich die Schät­zung des anzu­set­zen­den Werts nach den Regeln der Beweis­last an dem für den Steu­er­pflich­ti­gen güns­tigs­ten Wert inner­halb der Band­brei­te hal­ten muss, ist durch die Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs geklärt. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat in gefes­tig­ter Recht­spre­chung ent­schie­den, dass der Teil­wert eine fes­te Grö­ße ist. Die­se ist nicht nach einer Band­brei­te zu bestim­men1.

Gegen die­se Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs wird vor­ge­bracht, die Rechts­auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs berück­sich­ti­ge nicht die Markt­ge­ge­ben­hei­ten, wonach ein Grund­stück nicht mit einem genau bestimm­ba­ren Wert, son­dern ledig­lich in einer Band­brei­te von­ein­an­der in ver­tret­ba­rer Wei­se abwei­chen­der Grund­stücks­wer­te bewer­tet wer­den kön­ne. Unter Berück­sich­ti­gung der Regeln über die Beweis­last­ver­tei­lung sei daher ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs der güns­tigs­te Band­brei­ten­wert anzu­set­zen.

Die­se Kri­tik berück­sich­tigt nicht, dass der Bun­des­fi­nanz­hof in sei­nem Urteil vom 17.10.20012, auf das sich die­se Kri­tik bezieht, nicht ein­schlä­gig ist. Es betrifft die Fra­ge, ob ein Wirt­schafts­gut zu einem unüb­lich nied­ri­gen Preis an eine nahe­ste­hen­de Gesell­schaft ver­kauft wur­de und daher eine ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung (§ 8 Abs. 3 KStG) gege­ben war, wobei der nied­rigs­te inner­halb der Band­brei­te mög­li­cher fremd­üb­li­cher Prei­se lie­gen­de Wert anzu­set­zen war. Ein sol­cher Fremd­ver­gleich ist zur Bestim­mung des Teil­werts jedoch nicht anzu­stel­len3.

Ein Band­brei­ten­ver­fah­ren ist bei der Ermitt­lung des Teil­werts eines Grund­stücks auch nicht des­halb gebo­ten, weil es sich hier­bei um eine Schät­zung (§ 162 AO) han­delt und daher jeden­falls in einem gewis­sen Rah­men unter­schied­li­che Wer­te denk­bar sind. Es ist Auf­ga­be des Finanz­ge­richts, im Rah­men sei­ner Ver­pflich­tung zur Tat­sa­chen­fest­stel­lung ihm vor­lie­gen­de Erkennt­nis­se zur Ermitt­lung des zu beur­tei­len­den Grund­stücks­werts zu über­prü­fen und nach­voll­zieh­bar dar­zu­le­gen, aus wel­chen Grün­den es den von ihm für zutref­fend erach­te­ten Wert für plau­si­bel und gegen­über einem ande­ren Wert­an­satz für vor­zugs­wür­dig hält. Ver­mag sich das Gericht eine sol­che Über­zeu­gung zu ver­schaf­fen, schei­det eine Ent­schei­dung nach den Grund­sät­zen der objek­ti­ven Fest­stel­lungs­last aus, weil eine sol­che Ent­schei­dung nur zu tref­fen ist, wenn sich das Gericht hin­sicht­lich der zu beur­tei­len­den Tat­sa­che (hier der Höhe des Grund­stücks­teil­werts) den im kon­kre­ten Ein­zel­fall erfor­der­li­chen Grad der Gewiss­heit nicht ver­schaf­fen kann4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 30. Janu­ar 2014 – X B 63/​13

  1. BFH, Urteil vom 19.08.2009 – III R 79/​07, BFH/​NV 2010, 610, und BFH, Beschlüs­se vom 20.12 2012 – IV B 12/​12, BFH/​NV 2013, 547; und vom 09.01.2013 – IV B 8/​12, BFH/​NV 2013, 551 []
  2. BFH, Urteil vom 17.10.2001 – I R 103/​00, BFHE 197, 68, BSt­Bl II 2004, 171 []
  3. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2013, 547 []
  4. Gräber/​Stapperfend, a.a.O., § 96 Rz 50 []