Fahrt­auf­wen­dun­gen eines selb­stän­di­gen Dozen­ten

Fahrt­auf­wen­dun­gen eines selb­stän­di­gen Dozen­ten für die Fahr­ten zwi­schen sei­ner Woh­nung und den jewei­li­gen Bil­dungs­ein­rich­tun­gen sind nicht nur im Umfang der Ent­fer­nungs­pau­scha­le nach Maß­ga­be des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 2 i.V.m. § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG, son­dern nach Geschäfts­rei­se­grund­sät­zen nach § 4 Abs. 4 EStG gewinn­min­dernd als Betriebs­aus­ga­be anzu­set­zen.

Fahrt­auf­wen­dun­gen eines selb­stän­di­gen Dozen­ten

Steu­er­pflich­ti­ge, die ihren Gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG ermit­teln, kön­nen als Gewinn den Über­schuss der Betriebs­ein­nah­men über die Betriebs­aus­ga­ben abset­zen (§ 4 Abs. 3 Satz 1 EStG). Dabei dür­fen ihre Auf­wen­dun­gen für die Wege zwi­schen Woh­nung und Betriebs­stät­te den Gewinn nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 1 EStG nicht min­dern, soweit nicht in den fol­gen­den Sät­zen der Vor­schrift etwas ande­res bestimmt ist. So bestimmt Satz 2 der Vor­schrift, dass zur Abgel­tung die­ser Auf­wen­dun­gen § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG ent­spre­chend anzu­wen­den ist; die­se Rege­lung sieht in Bezug auf Auf­wen­dun­gen für die Wege zwi­schen Woh­nung und regel­mä­ßi­ger Arbeits­stät­te vor, dass für jeden Arbeits­tag, an dem der Steu­er­pflich­ti­ge die regel­mä­ßi­ge Arbeits­stät­te auf­sucht, eine Ent­fer­nungs­pau­scha­le für jeden vol­len Kilo­me­ter der Ent­fer­nung zwi­schen Woh­nung und regel­mä­ßi­ger Arbeits­stät­te anzu­set­zen ist.

Die Begren­zung des Betriebs­aus­ga­ben­ab­zugs für Auf­wen­dun­gen im Zusam­men­hang mit Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Betriebs­stät­te i.S. des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 1 EStG gilt auch für Steu­er­pflich­ti­ge, die als Unter­neh­mer Gewinn­ein­künf­te erzie­len und Auf­wen­dun­gen für Fahr­ten zwi­schen ihrer Woh­nung und der Betriebs­stät­te ihres Auf­trag­ge­bers haben.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist als Betriebs­stät­te bei einem im Wege eines Dienst­ver­trags täti­gen Unter­neh­mer, der nicht über eine eige­ne Betriebs­stät­te ver­fügt, der Ort anzu­se­hen, an dem oder von dem aus er die geschul­de­te Leis­tung zu erbrin­gen hat, in der Regel also der Betrieb des Auf­trag­ge­bers 1. Der Betriebs­stät­ten­be­griff des § 12 der Abga­ben­ord­nung ist hin­ge­gen nicht maß­geb­lich 2.

Auf die­ser Grund­la­ge ist nach dem BFH, Urteil in BFH/​NV 1994, 701 die Begren­zung des Betriebs­aus­ga­ben­ab­zugs nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 2 EStG auf Auf­wen­dun­gen eines frei­be­ruf­li­chen EDV-Dozen­ten für Fahr­ten anzu­wen­den, die er vom Ort sei­nes häus­li­chen Arbeits­zim­mers zu den für die Lehr­tä­tig­keit ‑von dem Trä­ger der Lehr­ver­an­stal­tung- zur Ver­fü­gung gestell­ten Gebäu­den unter­nom­men hat. Dies gilt nach die­ser Ent­schei­dung unab­hän­gig von der grund­sätz­li­chen Anwend­bar­keit der Recht­spre­chung zu stän­dig wech­seln­den Ein­satz­stel­len auch auf die Fäl­le des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 EStG 3 selbst bei meh­re­ren Tätig­kei­ten eines Unter­neh­mers, wenn sie alle in einem eng umgrenz­ten Gebiet wie einer ein­zi­gen (Groß-)Stadt aus­ge­übt wer­den 4.

m Übri­gen gel­ten aber für sol­che Fahrt­auf­wen­dun­gen zu meh­re­ren Tätig­keits­stät­ten im Zusam­men­hang mit der Erzie­lung von Gewinn­ein­künf­ten ‑wie im Streit­fall bei der Erzie­lung von Ein­künf­ten aus selb­stän­di­ger Arbeit- die für die Ein­satz­wech­sel­tä­tig­keit von Arbeit­neh­mern ent­wi­ckel­ten Aus­nah­men von der Abzugs­be­schrän­kung des § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG, sofern die Tätig­keit des Unter­neh­mers der Tätig­keit von Arbeit­neh­mern ‑ent­spre­chend der frü­he­ren Ter­mi­no­lo­gie- als sol­che an stän­dig wech­seln­den Ein­satz­stel­len ent­spricht 5.

Nach die­sen Grund­sät­zen bejaht der Bun­des­fi­nanz­hof im hier ent­schie­de­nen Fall ange­sichts der in unter­schied­li­chen Orten bele­ge­nen Unter­richts­stät­ten die Abzieh­bar­keit der Fahrt­auf­wen­dun­gen des frei­be­ruf­li­chen Dozen­ten nach Geschäfts­rei­se­grund­sät­zen.

Die Fahr­ten im Rah­men sei­ner Dozen­ten­tä­tig­keit sind zwar sol­che zwi­schen sei­ner Woh­nung und der jewei­li­gen Bil­dungs­ein­rich­tung als Betriebs­stät­te. Denn das hier in sei­nem (aus­schließ­lich mit sei­ner Fami­lie bewohn­ten) Wohn­haus unter­hal­te­ne Büro kann mit Blick auf die außer­halb des Büros aus­zu­üben­de Dozen­ten­tä­tig­keit kei­ne Betriebs­stät­te sein 6.

Des Wei­te­ren erfül­len die jeweils zur Aus­übung der Lehr­tä­tig­keit auf­ge­such­ten Bil­dungs­ein­rich­tun­gen nach den oben dar­ge­stell­ten Maß­stä­ben die Vor­aus­set­zun­gen für die Annah­me einer Betriebs­stät­te.

Auf die Fahr­ten zwi­schen der Woh­nung des Klä­gers und den jewei­li­gen Bil­dungs­ein­rich­tun­gen sind aber die Grund­sät­ze der BFH-Recht­spre­chung zur ein­kom­men­steu­er­recht­li­chen Behand­lung von Kos­ten für Fahr­ten von Arbeit­neh­mern zu stän­dig wech­seln­den Ein­satz­stel­len ent­spre­chend anzu­wen­den 7, weil die ver­schie­de­nen Ein­satz­stel­len nicht inner­halb eines in sich geschlos­se­nen, nicht weit aus­ein­an­der­ge­zo­ge­nen und über­schau­ba­ren Gebiets, son­dern sehr weit aus­ein­an­der in unter­schied­li­chen Städ­ten lie­gen 8.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 11. Novem­ber 2014 – VIII R 47/​11

  1. BFH, Urtei­le vom 13.07.1989 – IV R 55/​88, BFHE 157, 562, BSt­Bl II 1990, 23; vom 27.10.1993 – I R 99/​92, BFH/​NV 1994, 701; vom 19.08.1998 – XI R 90/​96, BFH/​NV 1999, 41; vom 19.09.1990 – X R 110/​88, BFHE 162, 82, BSt­Bl II 1991, 208; – X R 44/​89, BFHE 162, 77, BSt­Bl II 1991, 97; vom 31.07.1996 – XI R 5/​95, BFH/​NV 1997, 279; vom 29.04.2014 – VIII R 33/​10, BFHE 246, 53, BSt­Bl II 2014, 777[]
  2. BFH, Urtei­le in BFHE 162, 77, BSt­Bl II 1991, 97; vom 18.09.1991 – XI R 34/​90, BFHE 165, 411, BSt­Bl II 1992, 90[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 05.11.1987 – IV R 180/​85, BFHE 151, 413, BSt­Bl II 1988, 334; bestä­tigt mit BFH, Urteil vom 15.04.1993 – IV R 5/​92, BFH/​NV 1993, 719[]
  4. vgl. BFH, Urtei­le vom 02.11.1984 – VI R 38/​83, BFHE 142, 389, BSt­Bl II 1985, 139, m.w.N.; – VI R 143/​83, BFHE 143, 20, BSt­Bl II 1985, 266[]
  5. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 151, 413, BSt­Bl II 1988, 334; in BFHE 162, 77, BSt­Bl II 1991, 97; in BFH/​NV 1994, 701; in BFHE 246, 53, BSt­Bl II 2014, 777; in BFH/​NV 1997, 279[]
  6. vgl. BFH, Urtei­le in BFH/​NV 1994, 701; in BFHE 246, 53, BSt­Bl II 2014, 777[]
  7. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 151, 413, BSt­Bl II 1988, 334; in BFH/​NV 1994, 701, m.w.N.[]
  8. vgl. dazu BFH, Urtei­le in BFHE 142, 389, BSt­Bl II 1985, 139; vom 10.05.1985 – VI R 157/​81, BFHE 144, 46, BSt­Bl II 1985, 595; zu Fäl­len feh­len­der hin­rei­chen­den Ent­fer­nung BFH, Urteil in BFHE 162, 77, BSt­Bl II 1991, 97; in BFHE 151, 413, BSt­Bl II 1988, 334 – Ent­fer­nung von nur 25 km; eben­so BFH, Urteil vom 23.10.2014 – III R 19/​13, BFH/​NV 2015, 555[]