Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Betriebs­stät­te – mit dem Geschäfts­fahr­zeug

Für die Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Betriebs­stät­te hat eine Gewinn­zu­rech­nung nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 3 Halb­satz 1 EStG in Höhe des dort genann­ten Unter­schieds­be­trags zu erfol­gen, die neben die mit der 1%-Regelung nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG besteu­er­te Pri­vat­nut­zung des Kfz tritt.

Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Betriebs­stät­te – mit dem Geschäfts­fahr­zeug

Der Gesetz­ge­ber hat bei Steu­er­pflich­ti­gen, die Gewinn­ein­künf­te erzie­len, die Auf­wen­dun­gen für Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Betriebs­stät­te dem betrieb­li­chen Bereich zuge­ord­net1, den Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug hier­für aller­dings nach Maß­ga­be des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 EStG begrenzt. Wer­den die genann­ten Fahr­ten ‑wie im Streit­fall- mit einem zu mehr als 50 % betrieb­lich genutz­ten Kfz zurück­ge­legt, das pau­schal mit der sog. 1 %-Rege­lung nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG besteu­ert wird, greift § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 3 Halb­satz 1 EStG ein. Danach dür­fen der­ar­ti­ge Auf­wen­dun­gen den Gewinn in Höhe des posi­ti­ven Unter­schieds­be­trags zwi­schen 0, 03 % des inlän­di­schen Lis­ten­prei­ses i.S. des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG des Kfz im Zeit­punkt der Erst­zu­las­sung je Kalen­der­mo­nat für jeden Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter und dem sich nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG erge­ben­den Betrag nicht min­dern; die Betriebs­aus­ga­ben­kür­zung wird daher durch eine ent­spre­chen­de Gewinn­zu­rech­nung erreicht. Der Zweck die­ser Rege­lung besteht dar­in, dass für Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Betriebs­stät­te jeden­falls nicht mehr als die nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG pro Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter zu berück­sich­ti­gen­den Beträ­ge abge­zo­gen wer­den kön­nen2. Die­se Gewinn­zu­rech­nung tritt geson­dert neben die mit der 1 %-Rege­lung nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG besteu­er­te Pri­vat­nut­zung des Kfz.

Damit wer­den im Ergeb­nis Steu­er­pflich­ti­ge, die Gewinn­ein­künf­te erzie­len, eben­so behan­delt wie Steu­er­pflich­ti­ge, die Über­schus­s­ein­künf­te bezie­hen3. Dem § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 3 Halb­satz 1 EStG ent­spricht bei Arbeit­neh­mern, die einen Dienst­wa­gen auch für Wege zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te nut­zen und als Wer­bungs­kos­ten die Ent­fer­nungs­pau­scha­le nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG abzie­hen, die Rege­lung in § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG, wonach sich der nach der 1 %-Rege­lung ermit­tel­te Wert (vgl. § 8 Abs. 2 Satz 2 EStG) im Grund­satz für jeden Kalen­der­mo­nat um 0, 03 % des Lis­ten­prei­ses i.S. des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG für jeden Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te erhöht.

Ein erneu­ter Klä­rungs­be­darf die­ser Fra­ge ist auch durch das Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs in BFHE 246, 250, BSt­Bl II 2015, 43 nicht ent­stan­den. In die­sem Urteil hat der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­den, dass die Ver­wen­dung eines dem Unter­neh­men zuge­ord­ne­ten Kfz für Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Betriebs­stät­te nicht für Zwe­cke erfolgt, die außer­halb des Unter­neh­mens lie­gen, und mit­hin nicht als unent­gelt­li­che Wert­ab­ga­be der Umsatz­be­steue­rung zu unter­wer­fen ist. Er führ­te ‑ver­kürzt dar­ge­stellt- aus, dass sich die Fra­ge, ob ein Unter­neh­mer einen dem Unter­neh­men zuge­ord­ne­ten Gegen­stand i.S. des § 3 Abs. 9a Nr. 1 UStG für außer­halb des Unter­neh­mens lie­gen­de Zwe­cke ver­wen­det, aus der Sicht des Unter­neh­mens bzw. des Unter­neh­mers beur­teilt4. Die­se spe­zi­fi­sche umsatz­steu­er­recht­li­che Betrach­tung lässt sich nicht auf das Ein­kom­men­steu­er­recht über­tra­gen, zumal das Ein­kom­men­steu­er­recht die auf­ge­wor­fe­ne Rechts­fra­ge aus­drück­lich in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 EStG regelt. Hin­zu kommt, dass nach dem Ein­kom­men­steu­er­recht Selb­stän­di­ge und Arbeit­neh­mer beim Abzug der Auf­wen­dun­gen für Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Betriebs-/Ar­beits­stät­te gleich behan­delt wer­den sol­len5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 20. August 2015 – III B 108/​14

  1. vgl. Scho­ber in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 4 EStG Rz 1402; Blümich/​Ehmcke, § 6 Rz 1013k; Nacke in Littmann/​Bitz/​Pust, Das Ein­kom­men­steu­er­recht, Kom­men­tar, § 4 Rz 1721; Sei­fert in Korn, § 4 EStG Rz 1036 []
  2. BFH, Urtei­le vom 12.06.2002 – XI R 55/​01, BFHE 199, 342, BSt­Bl II 2002, 751; vom 22.09.2010 – VI R 57/​09, BFHE 231, 139, BSt­Bl II 2011, 359, Rz 15 []
  3. vgl. dazu auch Schmidt/​Heinicke, EStG, 34. Aufl., § 4 Rz 581; Sei­fert in Korn, § 4 EStG Rz 1036.7 []
  4. BFH, Urteil in BFHE 246, 250, BSt­Bl II 2015, 43, Rz 27 []
  5. vgl. BFH, Urteil in BFHE 231, 139, BSt­Bl II 2011, 359, Rz 18; BFH, Urteil vom 23.10.2014 – III R 19/​13, BFHE 248, 1, BSt­Bl II 2015, 323, Rz 15 []