Forst­wirt­schaft ist kei­ne Lieb­ha­be­rei

Bei einem Forst­be­trieb, ins­be­son­de­re einem sog. aus­set­zen­den Betrieb, ist die Total­ge­winn­pro­gno­se objekt­be­zo­gen, d.h. genera­tio­nen­über­grei­fend über den Zeit­raum der durch­schnitt­li­chen oder bei Erwerb bereits her­ge­stell­ter Baum­be­stän­de ver­blei­ben­den Umtriebs­zeit des dar­in vor­herr­schen­den Baum­be­stands zu ermit­teln.

Forst­wirt­schaft ist kei­ne Lieb­ha­be­rei

Ein Steu­er­pflich­ti­ger, der durch den Erwerb eines Wald­grund­stücks von knapp 5 ha einen Forst­be­trieb begrün­det und die­sen durch Hin­zu­er­wer­be auf ca. 7, 5 ha erwei­tert, kann sich regel­mä­ßig auch dann nicht auf Lieb­ha­be­rei beru­fen, wenn er ansons­ten kei­ne Land- und Forst­wirt­schaft betreibt, er in der Zeit zwi­schen Erwerb und Ver­äu­ße­rung weder Bewirt­schaf­tungs­maß­nah­men durch­ge­führt noch Holz­ein­schlä­ge vor­nimmt und die auf die ver­blei­ben­de Umtriebs­zeit ver­teil­ten jähr­li­chen Gewin­ne 500 € nicht über­stei­gen.

Ein­künf­te, die einem Steu­er­pflich­ti­gen aus einer Betä­ti­gung erwach­sen, sind nur dann bei der Bemes­sung sei­ner Ein­kom­men­steu­er zu berück­sich­ti­gen, wenn sie sich einer der in § 2 Abs. 1 EStG genann­ten Ein­kunfts­ar­ten zurech­nen las­sen. Des­halb setzt die Berück­sich­ti­gung des von dem Forst­wirt aus dem Ver­kauf der Wald­grund­stü­cke erziel­ten Gewinns vor­aus, dass die­ser aus der Unter­hal­tung eines forst­wirt­schaft­li­chen Betriebs i.S. von § 13 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 Alter­na­ti­ve 2 EStG ent­stan­den ist, d.h. aus der plan­mä­ßi­gen Nut­zung der natür­li­chen Kräf­te des Wald­bo­dens zur Gewin­nung von Nutz­höl­zern und ihrer Ver­wer­tung im Wege der Holz­ern­te 1.

Ein forst­wirt­schaft­li­cher Betrieb erfor­dert eine selb­stän­di­ge nach­hal­ti­ge Betä­ti­gung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzie­len, unter­nom­men wird. Das Merk­mal der Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht als Vor­aus­set­zung für eine ein­kom­men­steu­er­rele­van­te betrieb­li­che Tätig­keit ergibt sich aus § 15 Abs. 2 EStG, der auch auf die Ein­künf­te aus Land- und Forst­wirt­schaft i.S. des § 13 EStG anzu­wen­den ist 2.

Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht erfor­dert eine Betä­ti­gung, die über eine grö­ße­re Zahl von Jah­ren gese­hen auf die Erzie­lung posi­ti­ver Ergeb­nis­se hin ange­legt ist 3. An der Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht fehlt es, wenn die Gewinn­pro­gno­se nega­tiv ist und der Steu­er­pflich­ti­ge die ver­lust­brin­gen­de Tätig­keit nur aus im Bereich sei­ner Lebens­füh­rung lie­gen­den per­sön­li­chen Grün­den und Nei­gun­gen aus­übt 4.

Der für die Prü­fung der Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht maß­geb­li­che Total­ge­winn setzt sich aus den in der Ver­gan­gen­heit erziel­ten und künf­tig zu erwar­ten­den lau­fen­den Gewinnen/​Verlusten und dem sich bei Betriebs­be­en­di­gung vor­aus­sicht­lich erge­ben­den Ver­äu­ße­rungs- bzw. Auf­ga­be­ge­winn/-ver­lust zusam­men. Die Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht bestimmt sich dabei nach den Beson­der­hei­ten der jewei­li­gen Ein­kunfts­art 5. Für den land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betrieb ist regel­mä­ßig davon aus­zu­ge­hen, dass die Total­ge­winn­pe­ri­ode objekt­be­zo­gen ist und des­halb mehr als eine Genera­ti­on umfas­sen muss 6. Davon aus­ge­hend ist bei einem Forst­be­trieb eine genera­tio­nen­über­grei­fen­de Total­ge­winn­pro­gno­se grund­sätz­lich über den Zeit­raum der durch­schnitt­li­chen Umtriebs­zeit des dar­in vor­herr­schen­den Baum­be­stands zu erstre­cken 7. Wer­den im Rah­men einer Betriebs­grün­dung bzw. eines Betriebs­er­werbs bereits her­ge­stell­te Baum­be­stän­de erwor­ben, ist der Pro­gno­se­zeit­raum regel­mä­ßig nach dem Zeit­punkt des Erwerbs bis zur Hiebs­rei­fe der Baum­be­stän­de zu bemes­sen 8.

Maß­ge­bend ist allein der steu­er­li­che Gewinn. Auf die nach betriebs­wirt­schaft­li­chen Gesichts­punk­ten ermit­tel­ten Peri­od­en­er­geb­nis­se kommt es nicht an 9. Fehlt es an einer Gewinn­ermitt­lung und damit an dem Nach­weis von Ver­lus­ten, kann nicht von einer feh­len­den Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht aus­ge­gan­gen wer­den 10.

Die Fest­stel­lung, ob ein Forst­be­trieb mit Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht geführt wird, liegt im Wesent­li­chen auf dem Gebiet der Tat­sa­chen­wür­di­gung 11.

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te der Forst­wirt hat im Jahr 1994 zunächst ein 4, 92 ha gro­ßes Wald­grund­stück erwor­ben und in den Jah­ren 1997 sowie 2004 zwei wei­te­re Wald­grund­stü­cke zu 1, 308 ha sowie 1, 2403 ha hin­zu­er­wor­ben. Bei Her­an­zie­hung der vor­ste­hend dar­ge­stell­ten Grund­sät­ze han­delt es sich bei die­sem Besitz mit einer Gesamt­flä­che von ca. 7, 5 ha um einen forst­wirt­schaft­li­chen Betrieb.

Unschäd­lich ist zunächst, dass der Forst­wirt selbst kei­ne Bewirt­schaf­tungs­maß­nah­men durch­ge­führt hat 12. Denn auch der­je­ni­ge, der eine grö­ße­re Forst­flä­che mit einem mit Nutz­höl­zern auf­ge­fors­te­ten und schon her­an­ge­wach­se­nen, aber noch nicht schlag­rei­fen Wald­be­stand erwirbt, den Baum­be­stand dann ohne Arbeits­auf­wand sich selbst über­lässt, ohne Bestands­pfle­ge zu trei­ben, und nach eini­gen Jah­ren das Forst­grund­stück ver­äu­ßert, wird allein dadurch zum Forst­wirt, dass er einen Wald erwor­ben hat, der sei­ner Beschaf­fen­heit nach einen aus­set­zen­den forst­wirt­schaft­li­chen Betrieb dar­stellt und des­sen Wert­stei­ge­rung durch den natür­li­chen Auf­wuchs ihm als zunächst nicht rea­li­sier­ter Gewinn zufällt 13. Bei die­ser Betrach­tung spielt auch die Ent­fer­nung des Grund­stücks vom Wohn­ort des Steu­er­pflich­ti­gen kei­ne ent­schei­den­de Rol­le 14.

Dabei ist von einem ein­heit­li­chen Forst­be­trieb des Forst­wirts aus­zu­ge­hen.

Ob meh­re­re räum­lich von­ein­an­der getrenn­te Wäl­der einen ein­heit­li­chen forst­wirt­schaft­li­chen Betrieb bil­den, ist auf­grund einer Gesamt­be­trach­tung der betrieb­li­chen Ver­hält­nis­se zu ent­schei­den. Nach der Ver­kehrs­an­schau­ung und auch im Hin­blick auf orga­ni­sa­to­ri­sche Erschwer­nis­se ist ins­be­son­de­re die räum­li­che Ent­fer­nung ein Umstand, der in die Gesamt­wür­di­gung ein­zu­be­zie­hen ist. Ihm kommt umso weni­ger Gewicht zu, je inten­si­ver der Leis­tungs­aus­tausch zwi­schen den Betriebs­tei­len und deren orga­ni­sa­to­ri­sche und sach­li­che Ver­zah­nung sind. Umge­kehrt stei­gen mit zuneh­men­der Ent­fer­nung die Anfor­de­run­gen an die Inten­si­tät der Ver­knüp­fung der Betriebs­tei­le. Des­halb ist auch die Ent­fer­nung zu und zwi­schen den Grund­stü­cken zu berück­sich­ti­gen. Eine fes­te Gren­ze für die höchst­zu­läs­si­ge Ent­fer­nung gibt es indes nicht 15. Im Ein­zel­fall ist es daher durch­aus denk­bar, dass auch grö­ße­re Ent­fer­nun­gen das Gesamt­bild eines ein­heit­li­chen Betriebs nicht hin­dern 16. Ent­spre­chend hat der Bun­des­fi­nanz­hof in sei­nem Urteil in BFH/​NV 1997, 749 eine Höchst­gren­ze von 40 km unter Rück­griff auf die Rege­lung in § 51a Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 des Bewer­tungs­ge­set­zes abge­lehnt. Aller­dings hat der Bun­des­fi­nanz­hof auch betont, dass ein land­wirt­schaft­li­ches Grund­stück, das mehr als 100 km von der Hof­stel­le des Betriebs ent­fernt liegt, die­sem Betrieb grund­sätz­lich nicht als Betriebs­ver­mö­gen zuge­ord­net wer­den kann 17. Dem schließt sich der Bun­des­fi­nanz­hof an.

Die Ent­fer­nung zwi­schen den bei­den Forstarea­len in A und D von 55 km steht der Annah­me eines ein­heit­li­chen Forst­be­triebs des­halb im Streit­fall nicht ent­ge­gen. Da sich bei­de Area­le aus­weis­lich der Aus­füh­run­gen des Forst­sach­ver­stän­di­gen in ihrer Beschaf­fen­heit zudem weit­ge­hend ent­spra­chen (mäßig stark bis stark geneig­te Steil­la­gen, die über­wie­gend mit Buchen­al­t­holz und wech­seln­dem Fich­ten- und Kie­fer­n­an­teil bestockt sind und auf denen in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit kei­ne geziel­ten forst­wirt­schaft­li­chen Maß­nah­men statt­ge­fun­den haben), war eine ein­heit­li­che Bewirt­schaf­tung der Area­le ohne wei­te­res mög­lich.

Dar­über hin­aus bejaht der Bun­des­fi­nanz­hof die Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht des Forst­wirts:

Dies folgt schon dar­aus, dass der Forst­wirt aus der Ver­äu­ße­rung der Forst­grund­stü­cke einen beacht­li­chen Gewinn erzielt hat. Über einen Zeit­raum von nur 13 Jah­ren, gemes­sen vom Zeit­punkt des Erwerbs der ers­ten Forst­flä­che, hat er rund das Dop­pel­te sei­ner ursprüng­li­chen Anschaf­fungs­kos­ten erwirt­schaf­tet. Anhalts­punk­te dafür, dass der Ver­kaufs­er­lös nicht unter markt­ge­rech­ten Bedin­gun­gen fest­ge­legt wur­de, sind nicht ersicht­lich. Schon aus die­sem Grund ist davon aus­zu­ge­hen, dass der forst­wirt­schaft­li­che Betrieb des Forst­wirts objek­tiv geeig­net war, einen Gewinn zu erzie­len.

Bestä­tigt wird dies durch die vom Finanz­ge­richt ein­ge­hol­te forst­fach­li­che Stel­lung­nah­me, nach der in der ver­blei­ben­den Umtriebs­zeit mit posi­ti­ven jähr­li­chen Ergeb­nis­sen gerech­net wer­den konn­te. Soweit das Finanz­ge­richt Mün­chen in der Vor­in­stanz gleich­wohl eine Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht ver­neint hat 18, ist dem unab­hän­gig davon nicht zu fol­gen, ob die nach der forst­wirt­schaft­li­chen Stel­lung­nah­me zu erwar­ten­den jähr­li­chen Über­schüs­se ent­spre­chend den Ein­wen­dun­gen des Finanz­amt zu erhö­hen sind. Zum einen schließt ent­ge­gen der Ansicht des Finanz­ge­richts Mün­chen ein Unter­schrei­ten des mut­maß­li­chen Jah­res­ge­winns von frü­her 1.000 DM die Annah­me eines Forst­be­triebs nicht aus. Denn wel­cher Gewinn rech­ne­risch auf die ein­zel­nen Jah­re der gesam­ten Umtriebs­zeit ent­fällt, ist nicht ent­schei­dend 19. Maß­geb­lich ist viel­mehr allein, ob nach Ablauf der Umtriebs­zeit ins­ge­samt ein Gewinn erzielt wer­den kann, was hier sowohl nach der gut­ach­ter­li­chen Stel­lung­nah­me, erst recht aber nach den tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten der Fall ist. Zum ande­ren kann eine Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht nicht mit dem Hin­weis auf die Gewinn­pro­gno­sen eines Gut-ach­tens ver­neint wer­den, wenn der Betrieb tat­säch­lich (erheb­li­che) Gewin­ne abwirft. Mut­ma­ßun­gen über die künf­tig zu erzie­len­den Gewin­ne sind zur Beur­tei­lung der Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht viel­mehr nur her­an­zu­zie­hen, wenn Ver­lus­te gel­tend gemacht wer­den. Denn nur dann kön­nen über­haupt Zwei­fel an der Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht auf­kom­men.

Der Forst­wirt kann sich auch nicht dar­auf beru­fen, er habe nur auf eine Wert­stei­ge­rung des Grund und Bodens spe­ku­liert, ohne an den Hol­zer­trä­gen inter­es­siert gewe­sen zu sein. Abge­se­hen davon, dass der Wert land- und forst­wirt­schaft­li­cher Flä­chen auch durch die Ertrags­er­war­tun­gen bestimmt wird und daher Erträ­ge und Boden­wer­te ein­an­der bedin­gen, gehör­te der Grund und Boden eben­falls zum forst­wirt­schaft­li­chen Betriebs­ver­mö­gen des Forst­wirts. Ein Ver­äu­ße­rungs­ge­winn ist daher bei der Prü­fung, ob eine Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht vor­liegt, ein­zu­be­zie­hen. Durch die Ver­äu­ße­rung des Grund­be­sit­zes hat der Forst­wirt den Wert sei­nes Betriebs­ver­mö­gens bewusst und gewollt durch einen Umsatz­akt rea­li­siert. Die­se Betriebs­ver­mö­gens­meh­rung ist steu­er­bar und man­gels Steu­er­be­frei­ung auch steu­er­pflich­tig.

Die vom Finanz­ge­richt Mün­chen 20 geäu­ßer­ten Ein­wän­de 21 gegen die auf die Umtriebs­zeit gerich­te­te Total­ge­winn­pro­gno­se grei­fen nicht durch.

Der Ver­weis auf den sog. Ple­n­ter- oder Dau­er­wald, bei dem die jewei­li­gen Baum­ar­ten und Alters­klas­sen dau­er­haft in einem sta­bi­len Mischungs­ver­hält­nis gehal­ten wer­den 22, trägt schon des­halb nicht, weil die­ser in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nur äußerst sel­ten und wenn über­haupt regel­mä­ßig nur bei Staats­forst­be­trie­ben anzu­tref­fen ist 23. Auch der Forst­wirt war Eigen­tü­mer eines klas­si­schen Alters­klas­sen­wal­des mit Bestän­den an Buchen­al­t­holz sowie wech­seln­dem Fich­ten­an­teil und teil­wei­se noch einer Kie­fern­be­sto­ckung mit weni­gen Alters­klas­sen.

Das Finanz­ge­richt Mün­chen legt zudem nicht nach­voll­zieh­bar dar, dass bei dem nach wie vor vor­herr­schen­den Alters­klas­sen­wald eine Abkehr vom Kahl­schlag durch suk­zes­si­ven Holz­ein­schlag 24 in Form von Schirm­schlag (Auf­lich­tung des gesam­ten Alt­be­stands), Femel­schlag (insel­ar­ti­ge Her­aus­nah­me ein­zel­ner Baum­grup­pen aus den Bestän­den) oder Saum­schlag (Ein­schlag in schma­len Strei­fen aus­ge­hend vom Rand des Bestands) ein Fest­hal­ten an der auf die Umtriebs­zeit gerich­te­ten Total­ge­winn­pro­gno­se aus­schließt. Denn auch bei einer natur­na­hen Wald­be­wirt­schaf­tung über­schnei­den sich die Ern­te des wäh­rend der Umtriebs­zeit ange­wach­se­nen Holz­vor­rats und der Auf­bau des nach­fol­gen­den jun­gen Bestands regel­mä­ßig nur für eine Pha­se von fünf bis zehn Jah­ren 25. Die Umtriebs­zeit ist damit auch hier maß­ge­bend für die Bewirt­schaf­tung 26. Die End­nut­zung eines Holz­be­stands wahl­wei­se durch Kahl­schlag oder durch Holz­ern­te mit gleich­zei­ti­ger Bestands­ver­jün­gung hat des­halb zwar Aus­wir­kung auf die Beur­tei­lung des Wirt­schafts­guts "Bestand" 27, nicht aber auf die grund­sätz­li­che Schät­zung eines auf die Umtriebs­zeit erziel­ba­ren Total­ge­winns. Ange­sichts von Umtriebs­zei­ten bei Fich­te, Kie­fer und Buche zwi­schen 100 und 150 Jah­ren 28 erscheint eine auf meh­re­re Jah­re erstreck­te End­nut­zung nicht rele­vant. Ent­spre­chend der lang­fris­tig bemes­se­nen Aus­nut­zung der natür­li­chen Kräf­te des Wald­bo­dens ist das noch nicht geschla­ge­ne Holz zur Erzie­lung von Ein­künf­ten bestimmt, gleich­gül­tig, wer gegen­wär­ti­ger Eigen­tü­mer ist und wer wann den sich erge­ben­den Total­ge­winn letz­ten Endes tat­säch­lich rea­li­sie­ren kann 29.

Soweit das Finanz­ge­richt Mün­chen der Ansicht ist, ein "fach­frem­der Pri­vat­mann", der einen Wald erwer­be, ohne die­sen selbst zu bewirt­schaf­ten oder bewirt­schaf­ten zu las­sen, kön­ne allein auf­grund die­ser Nicht­be­wirt­schaf­tung kein Forst­wirt i.S. des § 13 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 Alter­na­ti­ve 2 EStG sein, steht dies im Wider­spruch zu der vom Bun­des­fi­nanz­hof begrün­de­ten und gefes­tig­ten Recht­spre­chung, der der Bun­des­fi­nanz­hof aus den dar­ge­stell­ten Grün­den folgt.

Nach allem stell­te die Ver­äu­ße­rung der drei Wald­area­le eine Betriebs­ver­äu­ße­rung im Gan­zen i.S. der §§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1, 14 EStG dar. Der dabei erziel­te Gewinn ist ent­ge­gen der Ansicht des Finanz­amt nicht erst im Jahr der Kauf­preis­zah­lung (Streit­jahr), son­dern bereits im Jahr der Rea­li­sa­ti­on 2007 zu erfas­sen.

Ein Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung eines land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betriebs ist nicht wie der lau­fen­de Gewinn auf die Kalen­der­jah­re zu ver­tei­len, in denen das Wirt­schafts­jahr liegt, son­dern ein­heit­lich in dem Kalen­der­jahr zu erfas­sen, in dem er ent­stan­den ist (§ 4a Abs. 2 Nr. 1 Satz 2 EStG), wobei der Gewinn nach § 4 Abs. 1 EStG zu ermit­teln ist (§ 16 Abs. 2 Satz 2 EStG).

Der Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung eines zum Betriebs­ver­mö­gen gehö­ren­den Wirt­schafts­guts wird durch einen Umsatz rea­li­siert, bei dem das Ent­gelt an die Stel­le der ver­kauf­ten Sache tritt. Dies geschieht, wenn der Kauf­ver­trag wirt­schaft­lich erfüllt ist, d.h. der Ver­käu­fer sei­ne Leis­tung im Wesent­li­chen erbracht hat und des­halb sein Anspruch auf die Zah­lung nicht mehr mit unge­wöhn­li­chen Risi­ken belas­tet erscheint; von die­sem Zeit­punkt an ist das ver­äu­ßer­te Wirt­schafts­gut nach den steu­er­recht­li­chen Vor­schrif­ten nicht mehr dem Ver­äu­ße­rer, son­dern dem Erwer­ber zuzu­rech­nen 30. Bei der Ver­äu­ße­rung von Grund­stü­cken ist dies regel­mä­ßig der Fall, wenn Besitz, Nut­zun­gen, Las­ten und Gefahr, d.h. das wirt­schaft­li­che Eigen­tum (§ 39 Abs. 2 Nr. 1 Satz 2 AO), auf den Erwer­ber über­ge­gan­gen sind 31.

Gemäß des nota­ri­el­len Kauf­ver­trags vom Dezem­ber 2007 hat­te der Forst­wirt dem Käu­fer den Besitz sofort zu über­ge­ben. Aus­weis­lich der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung gin­gen damit Nut­zen und Las­ten, die Gefahr der unver­schul­de­ten Zer­stö­rung und Ver­schlech­te­rung und das Haf­tungs­ri­si­ko auf den Käu­fer über, der den Forst­wirt ab die­sem Zeit­punkt zudem von der Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht frei­zu­stel­len hat­te.

Damit hat­te der Forst­wirt zwar noch nicht sein zivil­recht­li­ches, wohl aber sein wirt­schaft­li­ches Eigen­tum an den Grund­stü­cken ver­lo­ren, mit der Fol­ge, dass der Ver­äu­ße­rungs­ge­winn bereits mit Ver­trags­ab­schluss im Dezem­ber 2007 rea­li­siert war; die Zah­lung des Kauf­prei­ses erst im Janu­ar 2008 ist uner­heb­lich.

Unschäd­lich ist, dass der Käu­fer vor Kauf­preis­zah­lung nicht zum Holz­ein­schlag ‑Pfle­ge­maß­nah­men aus­ge­nom­men- berech­tigt war. Denn ent­schei­dend für die Fra­ge, ob das wirt­schaft­li­che Eigen­tum auf einen ande­ren als den zivil­recht­li­chen Eigen­tü­mer über­ge­gan­gen ist, ist das Gesamt­bild. Wirt­schaft­li­ches Eigen­tum kann des­halb auch dann anzu­neh­men sein, wenn Besitz, Nut­zun­gen, Las­ten und Gefahr nicht in vol­lem Umfang gege­ben sind 32. In die­sem Zusam­men­hang hat der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­den, dass es maß­geb­lich dar­auf ankommt, wann nach dem Ver­trag oder man­gels ver­trag­li­cher Rege­lung nach den zivil­recht­li­chen Rege­lun­gen die Gefahr des zufäl­li­gen Unter­gangs und der zufäl­li­gen Ver­schlech­te­rung, d.h. die Sub­stanz des Wirt­schafts­guts, auf den Erwer­ber über­geht. Die Nut­zun­gen (Frucht­zie­hung) tre­ten dage­gen dahin­ter zurück 33.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 9. März 2017 – VI R 86/​14

  1. BFH, Urteil vom 13.04.1989 – IV R 30/​87, BFHE 157, 98, BSt­Bl II 1989, 718[]
  2. BFH, Urteil vom 07.04.2016 – IV R 38/​13, BFHE 253, 390, BSt­Bl II 2016, 765, m.w.N.[]
  3. BFH, Beschluss vom 25.06.1984 – GrS 4/​82, BFHE 141, 405, BSt­Bl II 1984, 751, unter C.IV.3.c aa (2) der Grün­de[]
  4. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Urtei­le vom 11.10.2007 – IV R 15/​05, BFHE 219, 508, BSt­Bl II 2008, 465; und vom 05.05.2011 – IV R 48/​08, BFHE 234, 11, BSt­Bl II 2011, 792[]
  5. BFH, Urteil vom 29.03.2001 – IV R 88/​99, BFHE 195, 267, BSt­Bl II 2002, 791[]
  6. BFH, Urtei­le vom 24.08.2000 – IV R 46/​99, BFHE 192, 542, BSt­Bl II 2000, 674, und in BFHE 253, 390, BSt­Bl II 2016, 765[]
  7. zustim­mend z.B. Schind­ler, StBp 1986, 224[]
  8. BFH, Urteil in BFHE 253, 390, BSt­Bl II 2016, 765[]
  9. BFH, Urteil vom 17.03.2010 – IV R 60/​07, BFH/​NV 2010, 1446, unter II. 2.b der Grün­de, m.w.N.[]
  10. BFH, Urtei­le vom 18.05.2000 – IV R 27/​98, BFHE 192, 287, BSt­Bl II 2000, 524, unter 1.e der Grün­de, und – IV R 28/​98, BFH/​NV 2000, 1455; in BFHE 234, 11, BSt­Bl II 2011, 792[]
  11. BFH, Urteil vom 20.01.2005 – IV R 6/​03, BFH/​NV 2005, 1511[]
  12. s. Blümich/​Nacke, § 13 EStG Rz 68; eben­so und ent­ge­gen der Vor­in­stanz Fels­mann, Ein­kom­mens­be­steue­rung der Land- und Forst­wir­te, A Rz 12a und 13b; Mit­ter­plei­nin­ger in Littmann/​Bitz/​Pust, Das Ein­kom­men­steu­er­recht, Kom­men­tar, § 13 Rz 9a; Schmidt/​Kulosa, EStG, 36. Aufl., § 13 Rz 13; a.A. Leingärtner/​Krumm, Besteue­rung der Land­wir­te, Kap. 4, Rz 31a; Schnit­ter in Frot­scher, EStG, Frei­burg 2011, § 13 Rz 50; Forch­ham­mer, Deut­sches Steu­er­recht ‑DStR- 2015, 977[]
  13. aus­führ­lich BFH, Urteil vom 18.03.1976 – IV R 52/​72, BFHE 118, 441, BSt­Bl II 1976, 482; eben­so BFH, Urteil vom 18.11.2009 – II R 30/​08, BFH/​NV 2010, 466[]
  14. BFH, Urteil in BFHE 118, 441, BSt­Bl II 1976, 482[]
  15. BFH, Urteil vom 10.04.1997 – IV R 48/​96, BFH/​NV 1997, 749[]
  16. BFH, Urteil in BFH/​NV 1997, 749[]
  17. BFH, Urteil vom 19.07.2011 – IV R 10/​09, BFHE 234, 212, BSt­Bl II 2012, 93[]
  18. FG Mün­chen, Urteil vom 01.12.2014 – 7 K 2162/​12[]
  19. BFH, Urteil in BFHE 157, 98, BSt­Bl II 1989, 718; Kube in Kirch­hof, EStG, 16. Aufl., § 13 Rz 9 und 12[]
  20. FG Mün­chen, a.a.O.[]
  21. hier­zu auch Forch­ham­mer, DStR 2015, 977[]
  22. von Twi­ckel, FR 2008, 612[]
  23. Witt­wer, FR 2008, 617, 622[]
  24. hier­zu Witt­wer, FR 2008, 617, Fn. 31; Ortenburg/​Ortenburg, DStZ 2005, 782, 788[]
  25. von Twi­ckel, FR 2008, 612, 613[]
  26. von Twi­ckel, FR 2008, 612, 614[]
  27. hier­zu von Twi­ckel, FR 2008, 612, 614 f.; Witt­wer, FR 2008, 617, 622 ff.[]
  28. vgl. von Twi­ckel, FR 2008, 612, Fn. 1; Ortenburg/​Ortenburg, DStZ 2005, 782, 788[]
  29. Schind­ler, StBp 1986, 224, 227[]
  30. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Urteil vom 18.05.2006 – III R 25/​05, BFHE 213, 499, m.w.N.[]
  31. BFH, Urteil in BFHE 213, 499[]
  32. BFH, Urteil vom 12.09.1991 – III R 233/​90, BFHE 166, 49, BSt­Bl II 1992, 182[]
  33. vgl. BFH, Urteil vom 22.09.2016 – IV R 1/​14, BFHE 255, 244, BSt­Bl II 2017, 171, Rz 20 f.[]