Freiberufliche Nebentätigkeit – und das häusliche Arbeitszimmer

Der gemäß § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 EStG i.d.F. des JStG 2010 geltende Höchstbetrag abziehbarer Aufwendungen in Höhe von 1.250 € ist bei der Nutzung eines häuslichen Arbeitszimmers im Rahmen mehrerer Einkunftsarten nicht nach den zeitlichen Nutzungsanteilen in Teilhöchstbeträge aufzuteilen. Er kann durch die dem Grunde nach abzugsfähigen Aufwendungen in voller Höhe ausgeschöpft werden1.

Freiberufliche Nebentätigkeit – und das häusliche Arbeitszimmer

Gemäß § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 1 EStG i.d.F. des JStG 2010 kann ein Steuerpflichtiger Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer2 nicht als Betriebsausgaben abziehen. Dies gilt nicht, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG i.d.F. des JStG 2010). In diesem Fall wird die Höhe der abziehbaren Aufwendungen auf 1.250 € begrenzt; die Beschränkung der Höhe nach gilt nicht, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 EStG i.d.F. des JStG 2010). Diese Regelung gilt gemäß § 52 Abs. 12 Satz 9 EStG i.d.F. des JStG 2010 für alle offenen Fälle ab dem Veranlagungszeitraum 2007.

Hat der Steuerpflichtige mehrere betriebliche oder berufliche Tätigkeiten ausgeübt, ist in Bezug auf jede dieser Tätigkeiten gesondert zu prüfen, ob ein „anderer Arbeitsplatz“ im Sinne der Regelung für diese zur Verfügung steht3.

Im hier entschiedenen Fall stand dem Steuerpflichtigen für die Erzielung der Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit ein anderer Arbeitsplatz i.S. des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG i.d.F. des JStG 2010 in den Kanzleiräumen seines Arbeitgebers zur Verfügung stand. Ein anderer Arbeitsplatz i.S. des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG i.d.F. des JStG 2010 stand ihm dagegen für die Erzielung der Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit nicht zur Verfügung. Nur insoweit kann er daher Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer abziehen.

Die für das häusliche Arbeitszimmer getragenen Aufwendungen sind im zweiten Schritt entsprechend den tatsächlichen Nutzungsanteilen auf die verschiedenen Einnahmequellen und Einkünfte aufzuteilen, unabhängig davon, ob die Aufwendungen im Rahmen dieser Einkunftsart dem Grunde nach abzugsfähig sind4.

Hieran hat sich auch nach dem Beschluss des Großen Senats des Bundesfinanzhofs in BFHE 251, 408, BStBl II 2016, 265 nichts geändert, der nur die -im hier entschiedenen Streitfall nicht gegebene- Nichtaufteilbarkeit von Aufwendungen für ein gemischt genutztes Arbeitszimmer betrifft, das sowohl für private Wohnzwecke als auch beruflich zur Einkunftserzielung genutzt wird5. Das für den Großen Senat des Bundesfinanzhofs im Beschluss in BFHE 251, 408, BStBl II 2016, 265, Rz 71 u.a. tragende Argument, dass sich der Umfang der beruflichen Nutzung in einem gemischt privat und beruflich eingerichteten Raum nicht objektiv überprüfen lässt, greift nicht durch, wenn der Steuerpflichtige -wie hier- ein Arbeitszimmer ausschließlich beruflich nutzt und über die zeitlichen Nutzungsanteile der vom Steuerpflichtigen darzulegenden Angaben im Rahmen der einzelnen Einkunftsarten zu befinden ist. Die Angaben des Steuerpflichtigen zur zeitlichen Nutzung im Rahmen der Einkunftsarten sind jedenfalls bei der im Streitfall vorliegenden Konstellation einer beruflichen Vollzeittätigkeit und einer freiberuflichen Nebentätigkeit auf Grundlage eines Abgleichs mit anderen Informationen auf ihre Plausibilität hin überprüfbar.

Allerdings ist es rechtsfehlerhaft, auf Grundlage geschätzter (hier: hälftiger) zeitlicher Nutzung des Raumes im Rahmen beider Einkunftsarten einen Abzug der den Einkünften aus selbständiger Arbeit zuzurechnenden Aufwendungen für das Arbeitszimmer nur in Höhe des anteiligen (hier: hälftigen) gesetzlichen Höchstbetrags gemäß § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 EStG i.d.F. des JStG 2010 (hier: 625 €) zuzulassen.

Nach der bereits wiedergegebenen Rechtsprechung sind die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer zwar zeitanteilig aufzuteilen und den verschiedenen Einkunftsarten des Steuerpflichtigen zuzuordnen. Eine Aufteilung des Höchstbetrags in Höhe von 1.250 € unter Bildung von Teilhöchstbeträgen für die verschiedenen Einkunftsarten ist hingegen nicht vorzunehmen. Nach der Entscheidung des Bundesfinanzhofs vom 16.07.20146 gibt es keinen gesetzlichen Anhaltspunkt und keinen Grund, den Höchstbetrag einkünftebezogen zu verstehen. Somit ist der Höchstbetrag von 1.250 € einem Steuerpflichtigen einerseits nicht mehrfach zu gewähren, wenn ein Arbeitszimmer im Rahmen mehrerer Einkunftsarten genutzt wird, für die jeweils kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht7. Er ist aber andererseits für die im Streitfall zu entscheidende Konstellation auch nicht aufzuteilen und den jeweiligen Nutzungen im Rahmen der verwirklichten Einkunftsarten in Teilhöchstbeträgen zuzuordnen. Der Steuerpflichtige kann die dem Grunde nach abzugsfähigen und auf verschiedene Einkunftsarten entfallenden Aufwendungen insgesamt bis zum Höchstbetrag von 1.250 € abziehen8.

Bundesfinanzhof, Urteil vom 25. April 2017 – VIII R 52/13

  1. Anschluss an BFH, Urteil vom 16.07.2014 – X R 49/11, BFH/NV 2015, 177[]
  2. zum Begriff s. BFH, Beschluss vom 27.07.2015 – GrS 1/14, BFHE 251, 408, BStBl II 2016, 265[]
  3. BFH, Urteil vom 14.12 2004 – XI R 13/04, BFHE 208, 239, BStBl II 2005, 344, Rz 17[]
  4. BFH, Urteile vom 03.08.2005 – XI R 42/02, BFH/NV 2006, 504; vom 18.08.2005 – VI R 39/04, BFHE 211, 447, BStBl II 2006, 428; FG Münster, Urteil vom 15.03.2016 11 K 2425/13 E, G, EFG 2016, 1000, Rz 49; übereinstimmend mit der Rechtsprechung s. BMF, Schreiben vom 02.03.2011 – IV C 6-S 2145/07/10002, BStBl I 2011, 195, Rz 20 mit Beispiel[]
  5. s. auch BFH, Urteile vom 17.02.2016 – X R 1/13, BFH/NV 2016, 913; vom 16.02.2016 – IX R 20/13, BFH/NV 2016, 1146, und – IX R 21/13, BFH/NV 2016, 1147[]
  6. BFH, Urteil vom 16.07.2014 – X R 49/11, BFH/NV 2015, 177, Rz 57[]
  7. BFH, Urteil in BFH/NV 2015, 177; BMF, Schreiben in BStBl I 2011, 195, Rz 20[]
  8. so auch BMF, Schreiben vom 07.01.2004 – IV A 6-S 2145-71/03, BStBl I 2004, 143, Rz 16 im ersten Beispiel, und in BStBl I 2011, 195, Rz 20 mit Beispiel[]

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