Gemein­schafts­pra­xis vs. Pra­xis­ge­mein­schaft

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat zu der immer wie­der ein­mal aktu­ell wer­den­den Fra­ge, wann noch eine blo­ße Büro­ge­mein­schaft oder schon eine Mit­un­ter­neh­mer­schaft vor­liegt am Bei­spiel zwei­er Ärz­te Stel­lung genom­men.

Gemein­schafts­pra­xis vs. Pra­xis­ge­mein­schaft

Im Unter­schied zu einer Gemein­schafts­pra­xis (Mit­un­ter­neh­mer­schaft) hat dabei nach Ansicht des BFH eine Büro- und Pra­xis­ge­mein­schaft ledig­lich den Zweck, den Beruf in gemein­sa­men Pra­xis­räu­men aus­zu­üben und bestimm­te Kos­ten von der Pra­xis­ge­mein­schaft tra­gen zu las­sen und umzu­le­gen. Ein ein­heit­li­ches Auf­tre­ten nach außen genügt aber nicht, um aus einer Büro­ge­mein­schaft eine Mit­un­ter­neh­mer­schaft wer­den zu las­sen.

Vor­aus­set­zung einer (frei­be­ruf­li­chen) Mit­un­ter­neh­mer­schaft gemäß § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, § 18 Abs. 4 EStG ist, dass der Mit­un­ter­neh­mer Mit­un­ter­neh­mer­ri­si­ko trägt und Mit­un­ter­neh­mer­initia­ti­ve ent­fal­ten kann. Bei­de Merk­ma­le müs­sen vor­lie­gen; dabei kann die gerin­ge­re Aus­prä­gung eines Merk­mals im Rah­men der gebo­te­nen Gesamt­be­ur­tei­lung der Umstän­de des Ein­zel­fal­les durch eine stär­ke­re Aus­prä­gung des ande­ren Merk­mals aus­ge­gli­chen wer­den.

Mit­un­ter­neh­mer­initia­ti­ve bedeu­tet vor allem Teil­nah­me an unter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dun­gen, wie sie z.B. Gesell­schaf­tern oder die­sen ver­gleich­ba­ren Per­so­nen als Geschäfts­füh­rern, Pro­ku­ris­ten oder ande­ren lei­ten­den Ange­stell­ten oblie­gen. Mit­un­ter­neh­mer­ri­si­ko bedeu­tet gesell­schafts­recht­li­che oder eine die­ser wirt­schaft­lich ver­gleich­ba­re Teil­nah­me am Erfolg oder Miss­erfolg eines Unter­neh­mens. Die­ses Risi­ko wird regel­mä­ßig durch Betei­li­gung am Gewinn und Ver­lust sowie an den stil­len Reser­ven des Anla­ge­ver­mö­gens ein­schließ­lich eines Geschäfts­werts ver­mit­telt.

Die Begrif­fe Mit­un­ter­neh­mer­schaft, Mit­un­ter­neh­mer­initia­ti­ve und Mit­un­ter­neh­mer­ri­si­ko las­sen erken­nen, dass das Unter­neh­men gemein­sam betrie­ben wer­den muss. Aus­druck die­ses gemein­sa­men Betriebs ist eine gemein­schaft­li­che Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht auf der "Ebe­ne der Gesell­schaft". Dem­entspre­chend hat der Gro­ße Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs bereits im Jah­re 1984 eine Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht "auf der Ebe­ne des Gesell­schaf­ters" für uner­heb­lich gehal­ten. Die­se gemein­schaft­li­che Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht fehlt in den Fäl­len einer Büro- oder Pra­xis­ge­mein­schaft. Im Unter­schied zu einer Gemein­schafts­pra­xis hat eine Büro- und Pra­xis­ge­mein­schaft ledig­lich den Zweck, den Beruf in gemein­sa­men Pra­xis­räu­men aus­zu­üben und bestimm­te Kos­ten von der Pra­xis­ge­mein­schaft tra­gen zu las­sen und umzu­le­gen.

BFH, Urteil vom 14. April 2005 – XI R 82/​03