Gesell­schaf­ter­be­zo­ge­nes Abzugs­ver­bot für Zin­sen

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat in einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil erst­mals zu der für Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten wich­ti­gen Fra­ge Stel­lung genom­men, ob die von § 4 Abs. 4a des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes gere­gel­te Hin­zu­rech­nung betrieb­li­cher Kre­dit­zin­sen ein­heit­lich für die Per­so­nen­ge­sell­schaft oder bezo­gen auf die ein­zel­nen Gesell­schaf­ter vor­zu­neh­men ist. Der BFH hat sich nun für eine gesell­schaf­ter­be­zo­ge­ne Berech­nung ent­schie­den, aber zugleich den vom Gesetz vor­ge­se­he­nen Min­dest­ab­zug von heu­te 2.050 ? nicht jedem Gesell­schaf­ter, son­dern der Gesell­schaft ins­ge­samt für alle Gesell­schaf­ter nur ein­mal gewährt.

Gesell­schaf­ter­be­zo­ge­nes Abzugs­ver­bot für Zin­sen

Zur Bekämp­fung des sog. Zwei-Kon­ten-Modells, mit Hil­fe des­sen Finan­zie­rungs­kos­ten für Pri­vat­aus­ga­ben in den Betrieb ver­la­gert wer­den konn­ten, hat­te der Gesetz­ge­ber 1999 mit § 4 Abs. 4a EStG eine Rege­lung geschaf­fen, die in einem typi­sier­ten Ver­fah­ren den Abzug sol­cher Zin­sen ver­hin­dern soll. Dazu ori­en­tiert sich das Gesetz an sog. Über­ent­nah­men, also Ent­nah­men aus dem Betrieb, die über das ein­ge­leg­te Kapi­tal und die bis­her erziel­ten Gewin­ne hin­aus­ge­hen. Die mit den Über­ent­nah­men zusam­men­hän­gen­den Zin­sen wer­den dem Gewinn hin­zu­ge­rech­net. Bis zu Zin­sen mit einem Gesamt­be­trag von 2.050 ? (sog. Sockel­be­trag) wird aller­dings von einer Hin­zu­rech­nung abge­se­hen.

Für Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten war zu klä­ren, ob die Über­ent­nah­men durch Sal­die­rung der Ent­nah­men und Ein­la­gen aller Gesell­schaf­ter zu ermit­teln sind oder ob für jeden Gesell­schaf­ter indi­vi­du­ell Über­ent­nah­men fest­ge­stellt wer­den müs­sen. Bei einer Sal­die­rung wür­de ein Gesell­schaf­ter, der zu viel ent­nimmt, von ande­ren Gesell­schaf­tern mit zurück­hal­ten­den Ent­nah­men pro­fi­tie­ren. Der BFH hat sich für eine indi­vi­du­el­le Betrach­tung ent­schie­den. Sie geht aber nicht ein­her mit einer Mul­ti­pli­ka­ti­on des Sockel­be­trags. Die­sen beur­teilt der BFH als betriebs­be­zo­gen. Er wird unter den Gesell­schaf­tern nach deren Anteil an den Schuld­zin­sen auf­ge­teilt.

Der BFH hat die Ent­schei­dung genutzt, um wei­te­re Hin­wei­se für die Anwen­dung des § 4 Abs. 4a EStG auf Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten zu geben. So sind in die Berech­nun­gen auch Ergän­zungs­bi­lan­zen und Son­der­bi­lan­zen ein­zu­be­zie­hen. Außer­dem wird der Sockel­be­trag jedem Betrieb gewährt. Wer an meh­re­ren Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten betei­ligt ist oder zusätz­lich ein Ein­zel­un­ter­neh­men betreibt, kommt so mehr­fach in den Genuss des antei­li­gen bzw. gan­zen Sockel­be­trags.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 29. März 2007 – IV R 72/​02