Gesell­schaf­ter­dar­le­hen aus den USA

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat in einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil zu einer häu­fi­gen Fall­ge­stal­tung aus dem Bereich des inter­na­tio­na­len Steu­er­rechts Stel­lung genom­men: Eine deut­sche Per­so­nen­ge­sell­schaft (KG) hat­te von ihren in den USA leben­den Gesell­schaf­tern Dar­le­hen erhal­ten, und die dafür gezahl­ten Zin­sen hat­te das Finanz­amt als in Deutsch­land steu­er­pflich­ti­ge Ein­künf­te der Gesell­schaf­ter behan­delt. Dage­gen ent­schied der BFH, dass die Zin­sen nach dem Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men mit den USA nur in den USA besteu­ert wer­den dür­fen und daher in Deutsch­land steu­er­frei blei­ben müs­sen.

Gesell­schaf­ter­dar­le­hen aus den USA

Die Ent­schei­dung ist aus wirt­schaft­li­cher Sicht vor allem des­halb bedeut­sam, weil ihr zufol­ge die von der KG gezahl­ten Dar­le­hens­zin­sen den in Deutsch­land zu ver­steu­ern­den Gewinn der Gesell­schaft min­dern, wäh­rend der Zins­er­trag der aus­län­di­schen Gesell­schaf­ter nur dem even­tu­ell nied­ri­ge­ren Steu­er­satz ihres Hei­mat­lan­des unter­liegt. Zudem bezieht sich das Urteil zwar unmit­tel­bar nur auf in den USA leben­de Gesell­schaf­ter; es kann aber auf das Ver­hält­nis zu vie­len ande­ren Staa­ten über­tra­gen wer­den. Davon aus­ge­nom­men sind aller­dings Staa­ten, mit denen Deutsch­land kein Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men geschlos­sen hat (z.B. Liech­ten­stein und Mona­co) oder mit denen in einem sol­chen Abkom­men eine abwei­chen­de Son­der­re­ge­lung ver­ein­bart ist (z.B. Öster­reich und die Schweiz). Den­noch hat die Ent­schei­dung für die Steu­er­pla­nung von inter­na­tio­nal aus­ge­rich­te­ten Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten erheb­li­che Bedeu­tung, zumal für Divi­den­den und Lizenz­ge­büh­ren ähn­li­che Regeln wie für Zin­sen gel­ten.

Der recht­li­che Hin­ter­grund des Urteils ist dadurch gekenn­zeich­net, dass Deutsch­land bei der Besteue­rung von Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten Zins­er­trä­ge aus einem Gesell­schaf­ter­dar­le­hen als “Son­der­ver­gü­tun­gen” des Gesell­schaf­ters ver­steht, die den inner­halb der Gesell­schaft erziel­ten Gewinn erhö­hen. Dage­gen sehen die meis­ten ande­ren Staa­ten dar­in Zins­ein­künf­te, die aus­schließ­lich bei der Besteue­rung des Gesell­schaf­ters zu berück­sich­ti­gen sind. Bei grenz­über­schrei­ten­den Betei­li­gungs­ver­hält­nis­sen stellt sich des­halb die Fra­ge, wel­che sys­te­ma­ti­sche Sicht sich durch­setzt. Dazu hat die Finanz­ver­wal­tung bis­her die Ansicht ver­tre­ten, dass im Rah­men der deut­schen Besteue­rung nur die Prin­zi­pi­en des deut­schen Rechts maß­geb­lich sei­en. Dage­gen rich­tet sich die vom BFH gewähl­te Lösung stär­ker an den inter­na­tio­na­len Gepflo­gen­hei­ten aus.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 30.10.07 – I R 5/​06