Gewer­be­steu­er­erstat­tung durch die Gesell­schaf­ter – und die Son­der­be­triebs­aus­ga­ben

Bei der Hin­zu­rech­nung nach § 5a Abs. 4a Satz 3 EStG dür­fen aus­schließ­lich Auf­wen­dun­gen, die in einem betrieb­li­chen Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang (§ 4 Abs. 4 EStG) mit Ver­gü­tun­gen i.S. von § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Satz 2 EStG ste­hen, als Son­der­be­triebs­aus­ga­ben berück­sich­tigt wer­den.

Gewer­be­steu­er­erstat­tung durch die Gesell­schaf­ter – und die Son­der­be­triebs­aus­ga­ben

Stellt eine Per­so­nen­ge­sell­schaft als Schuld­ner der Gewer­be­steu­er ihren Gesell­schaf­tern auf­grund einer gesell­schafts­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung eine Erstat­tung von Gewer­be­steu­er in Rech­nung, han­delt es sich um eine Gewinn­ver­tei­lungs­ab­re­de, die bei den betrof­fe­nen Gesell­schaf­tern nicht zu Son­der­be­triebs­aus­ga­ben führt; dies gilt auch im Rah­men der Hin­zu­rech­nung nach § 5a Abs. 4a Satz 3 EStG.

So auch in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall ein GmbH & Co. KG, deren Unter­neh­mens­ge­gen­stand der Erwerb, die Ver­char­te­rung, der Betrieb, die War­tung und der Ver­kauf eines Schif­fes sowie die Durch­füh­rung aller damit mit­tel­bar oder unmit­tel­bar zusam­men­hän­gen­den Geschäf­te war: Die von den Gesell­schaf­tern auf gesell­schafts­ver­trag­li­cher Grund­la­ge an die GmbH & Co. KG geleis­te­ten Zah­lun­gen wegen Gewer­be­steu­er sind ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Bre­men 1 nicht im Rah­men der Gewinn­ermitt­lung der GmbH & Co. KG nach der Ton­na­ge als Son­der­be­triebs­aus­ga­ben zu berück­sich­ti­gen. Die Zah­lun­gen sind nicht i.S. von § 4 Abs. 4 EStG durch Ver­gü­tun­gen i.S. von § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Satz 2 EStG ver­an­lasst, son­dern beru­hen auf einer gesell­schafts­ver­trag­li­chen Rege­lung, die als Gewinn­ver­tei­lungs­ab­re­de zu ver­ste­hen ist.

Von den nach § 5a Abs. 4a Satz 3 EStG dem nach der Ton­na­ge ermit­tel­ten Gewinn hin­zu­zu­rech­nen­den Ver­gü­tun­gen i.S. von § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Satz 2 EStG dür­fen aus­schließ­lich Auf­wen­dun­gen, die durch sol­che Ver­gü­tun­gen i.S. von § 4 Abs. 4 EStG betrieb­lich ver­an­lasst sind, als Son­der­be­triebs­aus­ga­ben abge­zo­gen wer­den.

Gemäß § 5a Abs. 1 Satz 1 EStG ist bei einem Gewer­be­be­trieb mit Geschäfts­lei­tung im Inland der Gewinn, soweit er auf den Betrieb von Han­dels­schif­fen im inter­na­tio­na­len Ver­kehr ent­fällt, auf unwi­der­ruf­li­chen Antrag des Steu­er­pflich­ti­gen nach der in sei­nem Betrieb geführ­ten Ton­na­ge zu ermit­teln, wenn die Beree­de­rung die­ser Han­dels­schif­fe im Inland durch­ge­führt wird. Nach § 5a Abs. 4a Satz 1 EStG tritt bei Gesell­schaf­ten i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG für die Zwe­cke des § 5a EStG an die Stel­le des Steu­er­pflich­ti­gen die Gesell­schaft. Als Gewinn­ermitt­lungs­vor­schrift knüpft § 5a EStG an die Ermitt­lung des dem Steu­er­rechts­sub­jekt zuzu­rech­nen­den Gewinns an, d.h. im Fall einer Per­so­nen­ge­sell­schaft an deren Gewinn­ermitt­lung 2. Der so ermit­tel­te Gewinn ist gemäß § 5a Abs. 4a Satz 2 EStG den Gesell­schaf­tern ent­spre­chend ihrem Anteil am Gesell­schafts­ver­mö­gen zuzu­rech­nen.

Gemäß § 5a Abs. 4a Satz 3 EStG sind bei Gesell­schaf­ten i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG dem nach § 5a Abs. 1 EStG ermit­tel­ten Gewinn Ver­gü­tun­gen i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Satz 2 EStG hin­zu­zu­rech­nen. Dies sind Ver­gü­tun­gen, die der Gesell­schaf­ter einer Per­so­nen­ge­sell­schaft von der Gesell­schaft für sei­ne Tätig­keit im Dienst der Gesell­schaft oder für die Hin­ga­be von Dar­le­hen oder die Über­las­sung von Wirt­schafts­gü­tern auf schuld­recht­li­cher Basis bezo­gen hat. Sol­che sind in dem pau­schal ermit­tel­ten Gewinn nach § 5a Abs. 1 EStG also nicht ent­hal­ten, son­dern wer­den auch wäh­rend der Zeit, in der der Gewinn der Gesell­schaft nach § 5a Abs. 1 EStG ermit­telt wird, wei­ter­hin nach den all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten der §§ 4 Abs. 1, 5 EStG ermit­telt und dem nach § 5a Abs. 1 EStG ermit­tel­ten Gewinn hin­zu­ge­rech­net 3. Damit wer­den sie im Ergeb­nis von der steu­er­ent­las­ten­den Abgel­tungs­wir­kung des § 5a Abs. 1 EStG aus­ge­nom­men. Begrün­det wur­de die­se Rege­lung damit, dass ande­ren­falls Gestal­tun­gen zu befürch­ten wären, bei denen Geschäfts­part­ner und Arbeit­neh­mer von Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten an die­sen mit einem gerin­gen Anteil betei­ligt wür­den, um dadurch sämt­li­che Ver­gü­tun­gen und Arbeits­löh­ne zu einem Bestand­teil des nach der Ton­na­ge ermit­tel­ten Gewinns zu machen und der regu­lä­ren Besteue­rung zu ent­zie­hen 4. Dass sich der der Gesell­schaft ent­stan­de­ne, den von der Gesell­schaft gezahl­ten Son­der­ver­gü­tun­gen kor­re­spon­die­ren­de Auf­wand nicht im Rah­men des pau­schal ermit­tel­ten lau­fen­den Gewinns steu­er­min­dernd aus­wir­ken kann, steht der Zurech­nung nach § 5a Abs. 4a Satz 3 EStG nicht ent­ge­gen 5. Auch aus ver­fas­sungs­recht­li­cher Sicht ist die mit § 5a Abs. 4a Satz 3 EStG ver­bun­de­ne Begren­zung der Abgel­tungs­wir­kung des § 5a Abs. 1 EStG nicht zu bean­stan­den. Denn es liegt inner­halb des dem Gesetz­ge­ber zuzu­bil­li­gen­den Gestal­tungs­spiel­raums, die Reich­wei­te einer ‑in ihren Wir­kun­gen grund­sätz­lich gleich­heits­wid­ri­gen, aller­dings vom Gesetz­ge­ber mit Len­kungs­zwe­cken gerecht­fer­tig­ten (vgl. für § 5a EStG BT-Drs. 13/​10271, S. 8)- Steu­er­be­güns­ti­gung wie der des § 5a EStG zu bestim­men 6.

Soweit in der Lite­ra­tur die Auf­fas­sung ver­tre­ten wird, dass durch § 5a Abs. 4a Satz 3 EStG der "gesam­te Son­der­be­triebs­be­reich" aus der Ton­nage­ge­winn­ermitt­lung her­aus­ge­nom­men wer­den sol­le 7, fin­det dies weder im Wort­laut noch in Sinn und Zweck des Geset­zes eine Stüt­ze. Der Geset­zes­wort­laut, in dem nur von Ver­gü­tun­gen i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Satz 2 EStG die Rede ist, ent­spricht dem Zweck der Rege­lung. Wenn nach den Geset­zes­ma­te­ria­li­en ver­hin­dert wer­den soll­te, dass sich Geschäfts­part­ner und Arbeit­neh­mer, also regel­mä­ßig nicht als Gesell­schaf­ter betei­lig­te Drit­te, gering­fü­gig an einer Per­so­nen­ge­sell­schaft betei­li­gen, nur um von die­ser Gesell­schaft bezo­ge­ne Ver­gü­tun­gen und Arbeits­löh­ne in die Steu­er­be­güns­ti­gung durch die Ton­nage­be­steue­rung ein­zu­be­zie­hen, so ent­spricht der Wort­laut des § 5a Abs. 4a Satz 3 EStG genau die­sem Geset­zes­zweck der Begren­zung der steu­er­be­güns­ti­gen­den Gewinn­ermitt­lung nach der Ton­na­ge. Inso­weit ist es nicht zu bean­stan­den, wenn sich die Finanz­ver­wal­tung eng an § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Satz 2 EStG ori­en­tiert 8.

Ob und inwie­weit Ver­gü­tun­gen i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Satz 2 EStG, die den Gewinn des Gesell­schaf­ters nach § 5a Abs. 4a Satz 3 EStG erhö­hen, um Son­der­be­triebs­aus­ga­ben gemin­dert wer­den dür­fen, ist dem Wort­laut der letzt­ge­nann­ten Vor­schrift nicht zu ent­neh­men. Auch aus dem Geset­zes­zweck, die Abgel­tungs­wir­kung des § 5a EStG zu beschrän­ken, lässt sich nicht ein­deu­tig her­lei­ten, ob und inwie­weit von den in § 5a Abs. 4a Satz 3 EStG benann­ten Ver­gü­tun­gen Son­der­be­triebs­aus­ga­ben abge­zo­gen wer­den dür­fen. Wenn der Gesetz­ge­ber im Rah­men sei­nes wei­ten Gestal­tungs­spiel­raums die Gren­zen einer Steu­er­be­güns­ti­gung bestim­men darf, kommt allein nach dem Zweck der Vor­schrift auch eine blo­ße Hin­zu­rech­nung von Ver­gü­tun­gen i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Satz 2 EStG ohne wei­te­re Kür­zung in Betracht. Aus der Sys­te­ma­tik des Geset­zes ergibt sich indes, dass (allein) durch die hin­zu­zu­rech­nen­den Ver­gü­tun­gen ver­an­lass­te Son­der­be­triebs­aus­ga­ben abzu­zie­hen sind. Sind die in § 5a Abs. 4a Satz 3 EStG benann­ten Ver­gü­tun­gen, die der Gesell­schaf­ter einer Per­so­nen­ge­sell­schaft von die­ser u.a. für Tätig­kei­ten im Dienst der Gesell­schaft auf schuld­recht­li­cher Basis erhält, in dem pau­schal ermit­tel­ten Gewinn nach § 5a Abs. 1 EStG nicht ent­hal­ten, so wer­den die­se ‑wie aus­ge­führt- auch wäh­rend der Zeit, in der der Gewinn der Gesell­schaft nach § 5a Abs. 1 EStG ermit­telt wird, wei­ter­hin nach den all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten der §§ 4 Abs. 1, 5 EStG ermit­telt 9. Damit sind Auf­wen­dun­gen, die in einem betrieb­li­chen Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang (§ 4 Abs. 4 EStG) mit den in § 5a Abs. 4a Satz 3 EStG genann­ten Ver­gü­tun­gen i.S. von § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Satz 2 EStG ste­hen, als (Son­der-)Betriebs­aus­ga­ben zu berück­sich­ti­gen 10. Des­halb ist die im BMF, Schrei­ben in BSt­Bl I 2002, 614, Rz 29 nie­der­ge­leg­te Ver­wal­tungs­auf­fas­sung, soweit sie in dem vor­ge­nann­ten Sin­ne zu ver­ste­hen ist, nicht zu bean­stan­den, auch wenn es sich dabei um eine Ver­wal­tungs­vor­schrift han­delt, die als sol­che kei­ne Rechts­norm­qua­li­tät besitzt und die Gerich­te nicht bin­det 11. Soweit die Rechts­an­sicht der Ver­wal­tung, dass im Rah­men der Gewinn­ermitt­lung nach der Ton­na­ge die Berück­sich­ti­gung von Aus­ga­ben zuläs­sig sei, die im unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang mit nach § 5a Abs. 4a Satz 3 EStG hin­zu­zu­rech­nen­den Son­der­ver­gü­tun­gen i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Satz 2 EStG ste­hen, in einem wei­ter gehen­den Sin­ne ein­schrän­kend zu ver­ste­hen sein könn­te 12, wäre dem nicht zu fol­gen. Denn Betriebs­aus­ga­ben sind alle Auf­wen­dun­gen, die objek­tiv (tat­säch­lich oder wirt­schaft­lich) mit dem Betrieb zusam­men­hän­gen und sub­jek­tiv dem Betrieb zu die­nen bestimmt sind 13. Inso­weit genügt im Rah­men der Anwen­dung des § 5a Abs. 4a Satz 3 EStG ein ent­spre­chen­der betrieb­li­cher Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang von Auf­wen­dun­gen mit Ver­gü­tun­gen i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Satz 2 EStG, die dem nach der Ton­na­ge ermit­tel­ten Gewinn hin­zu­zu­rech­nen sind.

Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Maß­stä­be sind die streit­be­fan­ge­nen, von den Bei­gela­de­nen an die GmbH & Co. KG ‑nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt erst auf­grund von Rech­nun­gen der GmbH & Co. KG vom 12.03.2012- geleis­te­ten Zah­lun­gen wegen Gewer­be­steu­er für das Streit­jahr unab­hän­gig vom Zeit­punkt der Zah­lung ‑anders als das Finanz­ge­richt ent­schie­den hat- nicht im Rah­men der Gewinn­ermitt­lung der GmbH & Co. KG nach der Ton­na­ge als Son­der­be­triebs­aus­ga­ben zu berück­sich­ti­gen.

Unge­ach­tet des im Streit­jahr noch nicht anwend­ba­ren § 4 Abs. 5b des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes, wonach die Gewer­be­steu­er und die dar­auf ent­fal­len­den Neben­leis­tun­gen kei­ne Betriebs­aus­ga­ben sind, ste­hen die streit­be­fan­ge­nen Auf­wen­dun­gen schon objek­tiv ‑tat­säch­lich oder wirt­schaft­lich- in kei­nem Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang (§ 4 Abs. 4 EStG) mit Ver­gü­tun­gen i.S. von § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG, wie sie die Bei­gela­de­nen im Streit­jahr unstrei­tig in der Gestalt einer Haf­tungs­ver­gü­tung, von Eigen­ka­pi­tal­ver­mitt­lungs­pro­vi­sio­nen bzw. ‑unter Abzug von Dritt­pro­vi­sio­nen als Son­der­be­triebs­aus­ga­ben- von Pro­vi­sio­nen für die Ver­mitt­lung von Kom­man­dit­be­tei­li­gun­gen an der GmbH & Co. KG bezo­gen haben. Denn bei der (auch) auf Ver­gü­tun­gen i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Satz 2 EStG ent­fal­len­den Gewer­be­steu­er han­delt es sich um eine Schuld der Per­so­nen­ge­sell­schaft. Soweit die­se auf­grund einer gesell­schafts­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung den Gesell­schaf­tern, die die jewei­li­gen Ver­gü­tun­gen bezo­gen haben, von der Gesell­schaft in Rech­nung gestellt wird, han­delt es sich um eine Gewinn­ver­tei­lungs­ab­re­de. Damit stel­len die ent­spre­chen­den Auf­wen­dun­gen der Gesell­schaf­ter kei­ne Son­der­be­triebs­aus­ga­ben dar.

Ist die Tätig­keit einer Per­so­nen­ge­sell­schaft Gewer­be­be­trieb, so ist gemäß § 5 Abs. 1 Satz 3 GewStG Steu­er­schuld­ner die Gesell­schaft. Kommt danach im Streit­fall § 5 Abs. 1 Satz 3 GewStG zur Anwen­dung, schließt die­se Norm als spe­zi­el­le­re Rege­lung die Anwen­dung des § 5 Abs. 1 Satz 1 GewStG aus. Dies bedeu­tet, dass die Gesell­schaf­ter einer Per­so­nen­ge­sell­schaft trotz ihrer Eigen­schaft als Unter­neh­mer (Mit­un­ter­neh­mer) nicht dane­ben zusätz­lich als Steu­er­schuld­ner für die Gewer­be­steu­er des Betriebs der Per­so­nen­ge­sell­schaft ein­zu­ste­hen haben 14. Ande­rer­seits schul­det eine Per­so­nen­ge­sell­schaft die Gewer­be­steu­er nur für den eige­nen Gewer­be­be­trieb, nicht für den etwai­gen Gewer­be­be­trieb eines Gesell­schaf­ters. Zum Gewer­be­be­trieb einer Per­so­nen­ge­sell­schaft i.S. des Gewer­be­steu­er­rechts gehört aller­dings auch das Son­der­be­triebs­ver­mö­gen. Dies folgt dar­aus, dass § 2 Abs. 1 Satz 2 GewStG zur Bestim­mung des Gewer­be­be­triebs auf das Ein­kom­men­steu­er­ge­setz ver­weist. Steu­er­schuld­ner in Bezug auf den im Zusam­men­hang mit dem Son­der­be­triebs­ver­mö­gen erziel­ten Gewer­be­er­trag ist danach eben­falls die Per­so­nen­ge­sell­schaft und nicht der ein­zel­ne Mit­un­ter­neh­mer. Dar­in wird deut­lich, dass der Gesetz­ge­ber hin­sicht­lich der gewer­be­steu­er­recht­li­chen Bestim­mung des Steu­er­schuld­ners bei einer Per­so­nen­ge­sell­schaft nicht danach dif­fe­ren­ziert, ob der Gewer­be­er­trag in der Sphä­re der Gesamt­hand oder auf der Ebe­ne des ein­zel­nen Mit­un­ter­neh­mers erwirt­schaf­tet wor­den ist.

Die gegen­über einer Per­so­nen­ge­sell­schaft fest­ge­setz­te und von die­ser ent­rich­te­te Gewer­be­steu­er wird ohne beson­de­re ver­trag­li­che Rege­lung als Auf­wands­pos­ten von allen Gesell­schaf­tern nach dem all­ge­mei­nen Gewinn­ver­tei­lungs­schlüs­sel antei­lig getra­gen. Wird indes abwei­chend hier­von die von einer Per­so­nen­ge­sell­schaft geschul­de­te Gewer­be­steu­er auf­grund einer gesell­schafts­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung von ein­zel­nen Gesell­schaf­tern die­ser Per­so­nen­ge­sell­schaft zum Teil "über­nom­men" bzw. die­sen von der Gesell­schaft in Rech­nung gestellt, so han­delt es sich um eine Gewinn­ver­tei­lungs­ab­re­de, die den steu­er­li­chen Gewinn der Per­so­nen­ge­sell­schaft nicht min­dern darf. Um eine sol­che Abre­de han­delt es sich auch im Streit­fall. Denn in Nr. 9 des aus­drück­lich als "Ergeb­nis­ver­tei­lung und Ent­nah­men" über­ti­tel­ten § 12 des Gesell­schafts­ver­trags der GmbH & Co. KG vom …12 2005 ist ver­ein­bart, dass für den Fall, dass die Gesell­schaft (GmbH & Co. KG) zur Gewer­be­steu­er her­an­ge­zo­gen wer­den oder ander­wei­ti­ge Ein­kom­mens­nach­tei­le erlei­den soll­te wegen Umstän­den, die nicht in der Gesamt­heit aller Gesell­schaf­ter lie­gen, die­je­ni­gen Gesell­schaf­ter, in deren Bereich die­se Umstän­de bestehen, zur Erstat­tung gegen­über der GmbH & Co. KG ver­pflich­tet sind. Dass damit eine vom all­ge­mei­nen Gewinn­ver­tei­lungs­schlüs­sel abwei­chen­de Gewinn­ver­tei­lung gere­gelt wer­den soll­te, war offen­kun­dig allen am Abschluss des Gesell­schafts­ver­trags Betei­lig­ten bewusst. Denn anders lässt sich die genann­te Beti­te­lung des § 12 des Gesell­schafts­ver­trags nicht erklä­ren. Die auf der Grund­la­ge der Gewinn­ver­tei­lungs­ab­re­de von den Bei­gela­de­nen an die GmbH & Co. KG gezahl­te Gewer­be­steu­er führt des­halb zu kei­nen (gewinn­wirk­sa­men) Son­der­be­triebs­aus­ga­ben der Bei­gela­de­nen, auch nicht im Rah­men der Anwen­dung des § 5a Abs. 4a Satz 3 EStG.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 19. Juli 2018 – IV R 14/​16

  1. FG Bre­men, Urteil vom 11.02.2016 – 1 K 49/​13 (6) []
  2. BFH, Urteil vom 26.09.2013 – IV R 45/​11, BFHE 243, 367, BSt­Bl II 2015, 296, Rz 20[]
  3. vgl. hier­zu und zum Fol­gen­den BFH, Urteil vom 06.02.2014 – IV R 19/​10, BFHE 244, 379, BSt­Bl II 2014, 522, Rz 18[]
  4. BT-Drs. 13/​10710, S. 4[]
  5. vgl. BFH, Urteil in BFHE 244, 379, BSt­Bl II 2014, 522, Rz 20 ff.[]
  6. z.B. BFH, Urtei­le in BFHE 244, 379, BSt­Bl II 2014, 522, Rz 21, m.w.N.; und vom 26.06.2014 – IV R 10/​11, BFHE 246, 76, BSt­Bl II 2015, 300, Rz 22; BFH, Beschluss vom 14.03.2012 – IV B 7/​11, Rz 7[]
  7. so noch Voß in Herrmann/​Heuer/​Raupach ‑HHR‑, 248. Lie­fe­rung, § 5a EStG Rz 83; anders jetzt HHR/​Barche, § 5a EStG Rz 84[]
  8. vgl. BMF, Schrei­ben in BSt­Bl I 2002, 614 i.d.F. des BMF, Schrei­bens in BSt­Bl I 2008, 956, Rz 34[]
  9. BFH, Urteil in BFHE 244, 379, BSt­Bl II 2014, 522, Rz 18[]
  10. vgl. auch Reiß in Kirch­hof, EStG, 17. Aufl., § 15 Rz 230; Schmidt/​Wacker, EStG, 37. Aufl., § 15 Rz 640, 645[]
  11. z.B. BFH, Urtei­le vom 24.09.2013 – VI R 48/​12, Rz 19; vom 16.12 2014 – X R 42/​13, BFHE 248, 99, BSt­Bl II 2015, 519, Rz 41; vom 17.08.2017 – IV R 3/​14, BFHE 259, 111, Rz 28[]
  12. so Gosch/​Schindler in Kirch­hof, a.a.O., § 5a Rz 16b[]
  13. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Urtei­le vom 14.01.1998 – X R 57/​93, BFHE 185, 230, unter B.II. 5.a, m.w.N.; vom 03.02.2016 – X R 25/​12, BFHE 252, 486, BSt­Bl II 2016, 391, Rz 26; vom 07.02.2018 – X R 10/​16, BFHE 260, 490, Rz 31, m.w.N.[]
  14. vgl. hier­zu und zum Fol­gen­den BFH, Urteil vom 28.02.2013 – IV R 33/​09, Rz 12, m.w.N.[]