Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid – und die feh­ler­haf­te Sam­mel­be­zeich­nung für die Inhalts­adres­sa­ten

Ein an alle ‑ein­schli­ieß­lich der erst zu einem spä­te­ren Zeit­punkt bei­getre­te­nen- Gesell­schaf­ter einer Per­so­nen­ge­sell­schaft adres­sier­te Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid ist unge­ach­tet der feh­ler­haf­ten Sam­mel­be­zeich­nung für die Inhalts­adres­sa­ten wirk­sam.

Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid – und die feh­ler­haf­te Sam­mel­be­zeich­nung für die Inhalts­adres­sa­ten

Ein Ver­wal­tungs­akt muss gemäß § 119 Abs. 1 AO inhalt­lich hin­rei­chend bestimmt sein. Er ist nich­tig und damit nach § 124 Abs. 3 AO unwirk­sam, soweit er an einem beson­ders schwer­wie­gen­den Feh­ler lei­det und dies bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung aller in Betracht kom­men­den Umstän­de offen­kun­dig ist (§ 125 Abs. 1 AO). Ein sol­cher Man­gel liegt vor, wenn dem Ver­wal­tungs­akt nicht hin­rei­chend sicher ent­nom­men wer­den kann, was von wem ver­langt wird. Kon­sti­tu­ie­ren­der Bestand­teil jedes Ver­wal­tungs­akts ist daher die Anga­be des Inhalts­adres­sa­ten, d.h. des­je­ni­gen, dem­ge­gen­über der Ein­zel­fall gere­gelt wer­den soll 1.

Ein Bescheid über die geson­der­te und ein­heit­li­che Gewinn­fest­stel­lung rich­tet sich inhalt­lich an die Mit­un­ter­neh­mer und nicht an die Per­so­nen­ge­sell­schaft, deren Gesell­schaf­ter die Mit­un­ter­neh­mer sind. Die Anga­be der Gesell­schaft ist des­halb bei einem Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid ledig­lich als Sam­mel­be­zeich­nung für die Gesell­schaf­ter zu sehen. Wird die Gesell­schaft falsch bezeich­net, führt dies nicht ohne wei­te­res zur Unwirk­sam­keit des Bescheids wegen Bezeich­nung eines nicht exis­tie­ren­den Inhalts­adres­sa­ten. Viel­mehr muss im Wege der Aus­le­gung ver­sucht wer­den, den Inhalts­adres­sa­ten des Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheids zu bestim­men.

Der Inhalts­adres­sat eines Steu­er­ver­wal­tungs­akts muss nicht zwin­gend für einen Drit­ten aus dem Bescheid selbst oder aus bei­gefüg­ten Unter­la­gen erkenn­bar sein; ent­schei­dend ist, ob er anhand der den Betrof­fe­nen bekann­ten Umstän­de hin­rei­chend sicher bestimmt wer­den kann 2. Für einen Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid bedeu­tet das, dass der Bescheid sei­nem gesam­ten Inhalt nach dahin­ge­hend aus­ge­legt wer­den muss, ob klar und ein­deu­tig erkenn­bar ist, für wel­che Per­so­nen und in wel­cher Höhe Besteue­rungs­grund­la­gen fest­ge­stellt wer­den 3.

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall rich­tet sich der ange­foch­te­ne Bescheid als Inhalts­adres­sa­ten an die Gesell­schaf­ter der im Fest­stel­lungs­zeit­raum noch nicht exis­tie­ren­den "Z‑AG & Co. KG". Unter den Fest­stel­lungs­be­tei­lig­ten einer AG & Co. KG hät­te sich auch die AG als Kom­ple­men­tä­rin fin­den müs­sen. Dies ist jedoch nicht der Fall. Viel­mehr wird aus­drück­lich der im Fest­stel­lungs­zeit­raum betei­lig­te Kom­ple­men­tär benannt und es wer­den Besteue­rungs­grund­la­gen für ihn fest­ge­stellt. Danach kann unzwei­fel­haft bestimmt wer­den, für wel­che Gesell­schaf­ter im Rah­men wel­chen gesell­schafts­recht­li­chen Rah­mens Fest­stel­lun­gen getrof­fen wer­den. Die Betei­lig­ten sind des­halb wäh­rend des gesam­ten Rechts­be­helfs- und Kla­ge­ver­fah­rens zu Recht über­ein­stim­mend davon aus­ge­gan­gen, dass Inhalts­adres­sa­ten die Gesell­schaf­ter der KG waren.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 25. Juli 2019 – IV R 61/​16

  1. BFH, Urteil vom 13.10.2005 – IV R 55/​04, BFHE 211, 387, BSt­Bl II 2006, 404, unter I. 1. der Grün­de, m.w.N.[]
  2. BFH, Urteil vom 15.04.2010 – IV R 67/​07, Rz 23[]
  3. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 01.09.2008 – IV B 12/​08, BFH/​NV 2008, 2039, unter II. 3.; vom 16.07.2015 – IV B 72/​14, Rz 17[]