GmbH-Betei­li­gung als not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen eines Bild­jour­na­lis­ten

Die GmbH-Betei­li­gung eines Bild­jour­na­lis­ten kann nicht allein des­halb als not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen des frei­be­ruf­li­chen Betriebs beur­teilt wer­den, weil der Bild­jour­na­list 99 % sei­ner Umsät­ze aus Autoren­ver­trä­gen mit der GmbH erzielt, wenn die­se Umsät­ze nur einen gering­fü­gi­gen Anteil der Geschäfts­tä­tig­keit der GmbH aus­ma­chen und es wegen des Umfangs die­ser Geschäfts­tä­tig­keit und der Höhe der Betei­li­gung des Steu­er­pflich­ti­gen an der GmbH nahe liegt, dass es dem Steu­er­pflich­ti­gen nicht auf die Erschlie­ßung eines Ver­triebs­wegs für sei­ne frei­be­ruf­li­che Tätig­keit, son­dern auf die Kapi­tal­an­la­ge ankommt.

GmbH-Betei­li­gung als not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen eines Bild­jour­na­lis­ten

Dies ent­schied jetzt der Bun­des­fi­nanz­hof in dem Rechts­streit zwi­schen einem Bild­jour­na­lis­ten und dem Finanz­amt, in dem es um die Ein­kom­men­steu­er­pflicht des Gewinn ging, den der Jour­na­list bei der Ver­äu­ße­rung die­ses Anteils erzielt hat­te.

Zu den Ein­künf­ten aus selb­stän­di­ger Arbeit gehö­ren gemäß § 18 Abs. 3 Satz 1 EStG auch Gewin­ne, die bei der Ver­äu­ße­rung von Ver­mö­gen, das der selb­stän­di­gen Arbeit dient, erzielt wer­den. Der Begriff des Die­nens ist nicht näher defi­niert. Die not­wen­di­ge Tren­nung des unter­neh­me­ri­schen Bereichs vom pri­va­ten Bereich erfolgt über den Begriff der "betrieb­li­chen Ver­an­las­sung" (vgl. § 4 Abs. 4 EStG). Dabei han­delt es sich um den zen­tra­len Begriff der betrieb­li­chen Ein­kunfts­ar­ten 1. Zum Betriebs­ver­mö­gen gehö­ren alle Wirt­schafts­gü­ter, die im wirt­schaft­li­chen Eigen­tum des Betriebs­in­ha­bers ste­hen und von die­sem betrieb­lich ver­an­lasst ange­schafft, her­ge­stellt oder ein­ge­legt wer­den 2. Wirt­schafts­gü­ter gehö­ren zum sog. not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen, wenn sie dem Betrieb der­ge­stalt die­nen, dass sie objek­tiv erkenn­bar zum unmit­tel­ba­ren Ein­satz im Betrieb bestimmt sind 3.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat "Geld­ge­schäf­te" eines Frei­be­ruf­lers, wie die Gewäh­rung von Dar­le­hen, die Über­nah­me einer Bürg­schaft oder die Betei­li­gung an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft, grund­sätz­lich als berufs­frem­de Vor­gän­ge bezeich­net, die in der Gewinn­ermitt­lung außer Betracht blei­ben müs­sen 4. Bei der Aus­übung eines frei­en Berufs ste­hen die eige­ne Arbeits­kraft des Steu­er­pflich­ti­gen sowie der Ein­satz sei­nes geis­ti­gen Ver­mö­gens und der durch eine qua­li­fi­zier­te Aus­bil­dung erwor­be­nen Kennt­nis­se im Vor­der­grund. Das den frei­en Beru­fen zugrun­de lie­gen­de eige­ne Berufs­bild begrenzt und prägt auch den dazu­ge­hö­ri­gen Betrieb 5.

Dar­aus folgt, dass "Geld­ge­schäf­te", die ihrer Art nach zu Ein­künf­ten nach § 20 EStG füh­ren, der per­sön­lich­keits­be­zo­ge­nen frei­be­ruf­li­chen Tätig­keit grund­sätz­lich wesens­fremd und des­halb getrennt zu beur­tei­len sind 6.

Im Ein­zel­fall kann sich aller­dings erge­ben, dass die Betei­li­gung an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft als Hilfs­tä­tig­keit zur frei­be­ruf­li­chen Tätig­keit anzu­se­hen ist. Eine Betei­li­gung gilt dann nicht als "wesens­fremd". Unter die­sem Gesichts­punkt hat der Bun­des­fi­nanz­hof die Betei­li­gung an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft u.a. dann zum not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen eines Frei­be­ruf­lers gerech­net, wenn die Tätig­keit der Kapi­tal­ge­sell­schaft die eige­ne beruf­li­che Tätig­keit ergänz­te 7 oder wenn mit der Gesell­schaft eine auf die Ver­ga­be von Auf­trä­gen gerich­te­te Geschäfts­be­zie­hung geschaf­fen wer­den soll­te 8.

Danach ist eine Unter­schei­dung zu tref­fen zwi­schen einer Betei­li­gung an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft, bei der die Gewin­nung eines neu­en Auf­trag­ge­bers ledig­lich ein erwünsch­ter Neben­ef­fekt ist, einer­seits und einer Betei­li­gung, die der Steu­er­pflich­ti­ge ohne die Aus­sicht auf neue Auf­trä­ge nicht erwor­ben hät­te, ande­rer­seits. Dem­entspre­chend hat die Recht­spre­chung in letz­ter Zeit dar­auf abge­stellt, ob das "Geld­ge­schäft" ein eige­nes wirt­schaft­li­ches Gewicht hat und des­we­gen aus der frei­be­ruf­li­chen Tätig­keit aus­zu­schei­den ist 9.

Ein eige­ner wirt­schaft­li­cher Geschäfts­be­trieb der Kapi­tal­ge­sell­schaft, der einen erheb­li­chen Umfang ein­nimmt, kann gegen die Annah­me von not­wen­di­gem Betriebs­ver­mö­gen spre­chen 10. Das Unter­hal­ten von übli­chen Geschäfts­be­zie­hun­gen spricht als Indiz eben­falls gegen not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen 11. Ledig­lich mit­tel­ba­re Effek­te und Reflex­wir­kun­gen dür­fen nicht in die Abwä­gung ein­be­zo­gen wer­den 12.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 12. Janu­ar 2010 – VIII R 34/​07

  1. BFH, Urtei­le vom 14.03.2006 – VIII R 60/​03, BFHE 212, 535, BSt­Bl II 2006, 650; vom 27.06.2006 – VIII R 31/​04, BFHE 214, 256, BSt­Bl II 2006, 874[]
  2. BFH, Urtei­le vom 11.11.1987 – I R 7/​84, BFHE 152, 84, BSt­Bl II 1988, 424; vom 18.12.1996 – XI R 52/​95, BFHE 182, 204, BSt­Bl II 1997, 351[]
  3. BFH, Urtei­le vom 13.09.1988 – VIII R 236/​81, BFHE 154, 358, BSt­Bl II 1989, 37; vom 06.03.1991 – X R 57/​88, BFHE 164, 246, BSt­Bl II 1991, 829; vom 04.02.1998 – XI R 45/​97, BFHE 185, 384, BSt­Bl II 1998, 301[]
  4. BFH, Urteil vom 31.05.2001 – IV R 49/​00, BFHE 195, 386, BSt­Bl II 2001, 828, m.w.N.[]
  5. BFH, Urtei­le in BFHE 195, 386, BSt­Bl II 2001, 828; vom 23.09.2009 – IV R 14/​07, BFHE 226, 332[]
  6. BFH, Urtei­le vom 23.05.1985 – IV R 198/​83, BFHE 144, 53, BSt­Bl II 1985, 517; in BFHE 195, 386, BSt­Bl II 2001, 828[]
  7. vgl. BFH, Urtei­le vom 11.03.1976 – IV R 185/​71, BFHE 118, 353, BSt­Bl II 1976, 380 betref­fend Betei­li­gung eines bera­ten­den Inge­nieurs für Bau­sta­tik an einer Fach­be­ra­tungs-GmbH; vom 22.01.1981 – IV R 107/​77, BFHE 133, 168, BSt­Bl II 1981, 564 hin­sicht­lich der Betei­li­gung eines Wirt­schafts­prü­fers an einer Treu­hand-GmbH[]
  8. BFH, Urtei­le vom 23.11.1978 – IV R 146/​75, BFHE 126, 298, BSt­Bl II 1979, 109 betref­fend Betei­li­gung eines Bau­sta­ti­kers an einer Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft; vom 14.01.1982 – IV R 168/​78, BFHE 135, 188, BSt­Bl II 1982, 345 betref­fend Betei­li­gung eines Archi­tek­ten an einer Bau­trä­ger-Gesell­schaft; vom 26. April 2001 IV R 14/​00, BFHE 195, 290, BSt­Bl II 2001, 798 betref­fend Betei­li­gung an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft, die die Pro­duk­te des Erfin­ders –Arzt und Hoch­schul­leh­rer– ver­treibt[]
  9. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 144, 53, BSt­Bl II 1985, 517; und in BFHE 195, 386, BSt­Bl II 2001, 828; BFH, Beschluss vom 25.03.2008 – VIII B 122/​07, BFH/​NV 2008, 1317; Schmidt/​Wacker, EStG, 28. Aufl., § 18 Rz 164[]
  10. BFH, Urteil vom 28.06.1989 – II R 242/​83, BFHE 157, 443, BSt­Bl II 1989, 824[]
  11. vgl. BFH, Urtei­le vom 31.01.1991 – IV R 2/​90, BFHE 164, 309, BSt­Bl II 1991, 786; in BFHE 185, 384, BSt­Bl II 1998, 301[]
  12. BFH, Urtei­le vom 23.01.1992 – XI R 36/​88, BFHE 167, 491, BSt­Bl II 1992, 721; in BFHE 185, 384, BSt­Bl II 1998, 301[]