GmbH-Geschäfts­an­tei­le als not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen

Für die Zuord­nung eines GmbH-Geschäfts­an­teils zum not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen genügt es nicht, wenn mit der Betei­li­gungs­ge­sell­schaft ledig­lich Geschäfts­be­zie­hun­gen unter­hal­ten wer­den, wie sie übli­cher­wei­se auch mit ande­ren Unter­neh­men bestehen. Die Betei­li­gung muss die gewerb­li­che Betä­ti­gung viel­mehr ent­schei­dend för­dern, etwa indem sie den Absatz von Pro­duk­ten des Steu­er­pflich­ti­gen gewähr­leis­tet, weil die Betei­li­gungs­ge­sell­schaft ein wesent­li­cher Kun­de des Steu­er­pflich­ti­gen ist.

GmbH-Geschäfts­an­tei­le als not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen

Gewinn ist gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 i. V. m. § 4 Abs. 1 Satz 1 EStG der durch Bilan­zie­rung ermit­tel­te Unter­schieds­be­trag zwi­schen dem Betriebs­ver­mö­gen am Schluss des Wirt­schafts­jahrs und dem Betriebs­ver­mö­gen am Schluss des vor­an­ge­gan­ge­nen Wirt­schafts­jahrs, ver­mehrt um den Wert der Ent­nah­men und ver­min­dert um den Wert der Ein­la­gen.

Für die Gewinn­ermitt­lung ist von der Bilanz des Steu­er­pflich­ti­gen aus­zu­ge­hen. Hält das Finanz­amt einen Bilanz­an­satz für feh­ler­haft, weil er mit spe­zi­el­len steu­er­recht­li­chen Vor­schrif­ten oder den han­dels­recht­li­chen Bestim­mun­gen für die Han­dels­bi­lanz nicht ver­ein­bar ist, darf es die Gewinn­ermitt­lung inso­weit der Besteue­rung nicht zugrun­de legen. Es muss viel­mehr eine eige­ne Gewinn­ermitt­lung durch Betriebs­ver­mö­gens­ver­gleich mit gegen­über der Han­dels- oder Steu­er­bi­lanz abge­än­der­ten Wer­ten vor­neh­men 1.

Das Finanz­amt hat einen Bilan­zie­rungs­feh­ler des Steu­er­pflich­ti­gen grund­sätz­lich bei der Steu­er­fest­set­zung oder Gewinn­fest­stel­lung für den Ver­an­la­gungs­zeit­raum zu berich­ti­gen, in dem der Feh­ler erst­mals auf­ge­tre­ten ist und steu­er­li­che Aus­wir­kun­gen hat. Liegt die feh­ler­haf­te Bilanz einem Steu­er- oder Fest­stel­lungs­be­scheid zugrun­de, der aus ver­fah­rens­recht­li­chen Grün­den nicht mehr geän­dert wer­den kann, so ist nach dem Grund­satz des for­mel­len Bilanz­zu­sam­men­hangs der unrich­ti­ge Bilanz­an­satz grund­sätz­lich bei der ers­ten Steu­er­fest­set­zung oder Gewinn­fest­stel­lung rich­tig­zu­stel­len, in der dies unter Beach­tung der für den Ein­tritt der Bestands­kraft und der Ver­jäh­rung maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten mög­lich ist 2.

Zum not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen (§§ 4 Abs. 1, 5 Abs. 1 EStG) gehö­ren Wirt­schafts­gü­ter, die aus­schließ­lich und unmit­tel­bar für eigen­be­trieb­li­che Zwe­cke des Steu­er­pflich­ti­gen genutzt wer­den. Das gilt auch für eine GmbH-Betei­li­gung. Für die Zuord­nung eines GmbH-Geschäfts­an­teils zum not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen genügt es aller­dings nicht, wenn mit der Betei­li­gungs­ge­sell­schaft ledig­lich Geschäfts­be­zie­hun­gen unter­hal­ten wer­den, wie sie übli­cher­wei­se auch mit ande­ren Unter­neh­men bestehen. Unmit­tel­bar für eigen­be­trieb­li­che Zwe­cke wird eine sol­che Betei­li­gung aber dann genutzt, wenn sie dazu bestimmt ist, die gewerb­li­che Betä­ti­gung des Steu­er­pflich­ti­gen ent­schei­dend zu för­dern, oder wenn sie dazu dient, den Absatz von Pro­duk­ten des Steu­er­pflich­ti­gen zu gewähr­leis­ten 3, so etwa, wenn die Betei­li­gungs­ge­sell­schaft ein wesent­li­cher Kun­de des Ein­zel­un­ter­neh­mens ist 4.

Ist ein Wirt­schafts­gut weder not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen noch not­wen­di­ges Pri­vat­ver­mö­gen, so kann es gewill­kür­tes Betriebs­ver­mö­gen sein, wenn es objek­tiv dazu geeig­net und erkenn­bar sub­jek­tiv dazu bestimmt ist, den Betrieb zu för­dern 5. Für die Bestim­mung des Steu­er­pflich­ti­gen, das Wirt­schafts­gut zur Erzie­lung betrieb­li­cher Ein­künf­te zu ver­wen­den, ist ein ein­deu­tig nach außen ver­bind­lich mani­fes­tier­ter, d. h. unmiss­ver­ständ­lich, zeit­nah und unum­kehr­bar doku­men­tier­ter Wid­mungs­akt erfor­der­lich 6, der regel­mä­ßig in einem Aus­weis in der Buch­füh­rung zu sehen ist 7. Die objek­ti­ve Eig­nung zur För­de­rung des Betrie­bes fehlt, wenn sich bereits im Zeit­punkt der Wid­mung zu betrieb­li­chen Zwe­cken ein Ver­lust abzeich­net 8.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 21. Juli 2014 – 6 K 273/​13

  1. BFH, Urteil vom 04.11.1999 – IV R 70/​98, BFHE 190, 404, BSt­Bl II 2000, 129[]
  2. BFH, Beschluss vom 31.01.2013 – GrS 1/​10, BFHE 240, 162, BSt­Bl II 2013, 317; BFH, Urteil vom 19.07.2011 – IV R 53/​09, BFHE 234, 221, BSt­Bl II 2011, 1017[]
  3. BFH, Beschluss vom 11.12.2008 – X B 158/​08, juris; BFH, Urteil vom 15.10.2003 – XI R 39/​01, BFH/​NV 2004, 622[]
  4. BFH, Urteil vom 02.09.2008 – X R 32/​05, BFHE 224, 217, BSt­Bl II 2009, 634; FG Müns­ter, Urteil vom 25.02.2011 12 K 656/​08 F, BB 2011, 1200[]
  5. BFH, Urteil vom 21.08.2012 – VIII R 12/​11[]
  6. BFH, Urteil vom 08.02.2011 – VIII R 18/​09, BFH/​NV 2011, 1847[]
  7. BFH, Urteil vom 25.11.1997 – VIII R 4/​94, BFHE 184, 255, BSt­Bl II 1998, 461; FG Ham­burg, Urteil vom 15.06.2006 2 K 267/​04, EFG 2006, 1652[]
  8. BFH, Urteil vom 23.04.2009 – IV R 87/​05, BFH/​NV 2009, 1650; FG Mün­chen, Urteil vom 08.12.2009 13 K 3971/​07, DSt­RE 2011, 130[]