Grund­er­werb­steu­er als Anschaf­fungs­ne­ben­kos­ten beim GmbH-Kauf

Die durch die Ein­brin­gung von Kapi­tal­ge­sell­schafts­an­tei­len ent­stan­de­ne Grund­er­werb­steu­er stellt hin­sicht­lich der Gesell­schafts­an­tei­le Anschaf­fungs­ne­ben­kos­ten – und damit kei­ne sofort abzugs­fä­hi­gen Betriebs­aus­ga­ben – dar, stell­te das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf in einem aktu­el­len Urteil fest.

Grund­er­werb­steu­er als Anschaf­fungs­ne­ben­kos­ten beim GmbH-Kauf

In dem Düs­sel­dor­fer Rechts­streit war strei­tig, ob die im Zusam­men­hang mit der Ein­brin­gung von Kapi­tal­ge­sell­schafts­an­tei­len ange­fal­le­ne Grund­er­werb­steu­er als sofort abzugs­fä­hi­ge Betriebs­aus­ga­be oder als Anschaf­fungs­ne­ben­kos­ten der erwor­be­nen Antei­le zu behan­deln ist. Die Klä­ge­rin war eine GmbH, die im Streit­jahr (2000) noch die Rechts­form einer AG hat­te. Sämt­li­che Antei­le an der Klä­ge­rin hielt die „U‑AG“, teil­wei­se mit­tel­bar durch Betei­li­gun­gen an ande­ren Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten. Die „U‑AG“ über­trug ihre Antei­le an die­sen Gesell­schaf­ten auf die Klä­ge­rin gegen Gewäh­rung von Gesell­schaf­te­rech­ten.

Das zustän­di­ge Betriebs­fi­nanz­amt wer­te­te den Ein­brin­gungs­vor­gang als grund­er­werb­steu­er­pflich­ti­ge Anteils­ver­ei­ni­gung gemäß § 1 Abs. 3 GrEStG und stell­te die grund­er­werb­steu­er­li­chen Bemes­sungs­grund­la­gen ent­spre­chend geson­dert fest. Die jewei­li­gen Bele­gen­heits­fi­nanz­äm­ter setz­ten für den Ein­brin­gungs­vor­gang gegen­über der Klä­ge­rin Grund­er­werb­steu­er – nach mehr­fa­chen Ände­run­gen zuletzt – in Höhe von ins­ge­samt 435.283,23 € fest. Die Klä­ge­rin akti­vier­te die geleis­te­ten Zah­lun­gen für Grund­er­werb­steu­er in ihrer Han­dels­bi­lanz per 30.09.2000 auf die Betei­li­gungs­buch­wer­te, schrieb sie in der Steu­er­bi­lanz zum 30.09.2000 jedoch in vol­ler Höhe gewinn­wirk­sam ab.

Im Rah­men einer durch das Finanz­amt für Groß- und Kon­zern­be­triebs­prü­fung bei der Klä­ge­rin durch­ge­führ­ten Betriebs­prü­fung ver­tra­ten die Prü­fer die Auf­fas­sung, dass es sich bei den Auf­wen­dun­gen für die Grund­er­werb­steu­er um Anschaf­fungs­ne­ben­kos­ten der ein­ge­brach­ten Betei­li­gun­gen han­de­le und ver­sag­ten inso­weit den Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug. Das beklag­te Finanz­amt folg­te den Fest­stel­lun­gen der Betriebs­prü­fung und änder­ten die Steu­er­be­schei­de ent­spre­chend.

Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf hat die gegen die­se Ände­rungs­be­schei­de gerich­te­te Kla­ge abge­wie­sen. Sei­ner Ansicht nach rech­net die Grund­er­werb­steu­er zu den Anschaffungs(neben)kos­ten der gegen Gewäh­rung von Gesell­schafts­rech­ten ein­ge­brach­ten – und damit ent­gelt­lich erwor­be­nen – Antei­le.

Die Grund­er­werb­steu­er sei sowohl recht­lich als auch wirt­schaft­lich dem Betei­li­gungs­er­werb zuzu­ord­nen. Unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen sie auch bei „fik­ti­ven“ Grund­stücks­er­wer­ben im Sin­ne des § 1 Abs. 3 GrEStG 1 zu den Anschaf­fungs­ne­ben­kos­ten bei einem Grund­stücks­er­werb gehö­re, sei für die Ent­schei­dung uner­heb­lich, da im Streit­fall nicht über die Bilan­zie­rung fik­tiv erwor­be­ner Grund­stü­cke, son­dern über den zutref­fen­den Ansatz von Kapi­tal­ge­sell­schafts­an­tei­len zu befin­den sei. Anknüp­fungs­punkt für die Besteue­rung sei die Über­tra­gung von Antei­len an einer grund­stücks­be­sit­zen­den Gesell­schaft, wobei ledig­lich grund­er­werb­steu­er­lich ein fik­ti­ver Erwerb des Eigen­tums am Grund­stück unter­stellt wer­de.

Zwar unter­lie­ge der Grund­er­werb­steu­er nicht der Anteils­er­werb als sol­cher, son­dern die unmit­tel­ba­re und/​oder mit­tel­ba­re Ver­ei­ni­gung von mehr als 95% der Antei­le der grund­stücks­be­sit­zen­den Gesell­schaft, die Grund­er­werb­steu­er sei folg­lich nicht „für“ den Anteils­er­werb zu ent­rich­ten. Für die Abgren­zung zwi­schen akti­vie­rungs­pflich­ti­gen Anschaf­fungs­ne­ben­kos­ten und sofort abzieh­ba­ren Auf­wen­dun­gen sei die grund­er­werb­steu­er­li­che Beur­tei­lung die­ses Vor­gangs jedoch nicht maß­ge­bend. Ent­schei­dend sei, dass aus­lö­sen­des Moment für den Anfall der Grund­er­werb­steu­er die Über­tra­gung der Antei­le an der (grund­stücks­be­sit­zen­den) Gesell­schaft sei und die Grund­er­werb­steu­er damit zwangs­läu­fig im Gefol­ge der Anschaf­fung anfal­le.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 8. Dezem­ber 2009 – 6 K 4720/​07 K,F

  1. vgl. Fischer in Borut­tau, GrEStG, 16. Aufl., § 1 Rdnr. 855a[]