Häus­li­ches Arbeits­zim­mer oder Betriebs­stät­te?

Der Bun­des­fi­nanz­hof in sei­nen Urtei­len in BFHE 201, 166, BStBl II 2003, 463 sowie in BFHE 201, 269, BStBl II 2004, 43 für die Qua­li­fi­ka­ti­on einer Betriebs­stät­te in Abgren­zung zu einem häus­li­chen Arbeits­zim­mer mit den dort gewähl­ten For­mu­lie­run­gen „Wid­mung für den Publi­kums­ver­kehr“ und „für einen inten­si­ven und dau­er­haf­ten Publi­kums­ver­kehr geöff­net“ nur eine ent­spre­chen­de Zweck­be­stim­mung die­ser Räum­lich­kei­ten ver­langt hat, nicht aber, dass ein sol­cher inten­si­ver Publi­kums­ver­kehr auch statt­fin­den muss.

Häus­li­ches Arbeits­zim­mer oder Betriebs­stät­te?

Der Ein­wand, dies set­ze begriff­lich eine tat­säch­li­che ent­spre­chen­de Nut­zung vor­aus, über­zeugt nicht. Es ist gera­de Cha­rak­ter einer Zweck­be­stim­mung, auf ein Ziel gerich­tet zu sein, die­ses aber noch nicht unbe­dingt errei­chen oder ver­wirk­li­chen zu müs­sen. Die jeweils kurz dar­auf fol­gen­den For­mu­lie­run­gen „in der/​denen natur­ge­mäß Publi­kums­ver­kehr statt­fin­det“ sind nach dem Kon­text ein­deu­tig mit einem Rück­schluss der Art zu erklä­ren, dass Räum­lich­kei­ten, in denen solch Publi­kums­ver­kehr tat­säch­lich statt­fin­det, auch eine ent­spre­chen­de Zweck­be­stim­mung auf­wei­sen (dürf­ten). Das zeigt sich ins­be­son­de­re dar­an, dass das Urteil in BFHE 201, 269, BStBl II 2004, 43 dar­auf abstellt, ob die Räum­lich­keit der dama­li­gen Klä­ge­rin für Pati­en­ten­be­su­che „vor­ge­se­hen“ war. Eine Ein­schrän­kung des zuvor Gesag­ten ist dem nicht zu ent­neh­men. Die Recht­spre­chung hat auch in der Fol­ge­zeit an die­sen Grund­sät­zen fest­ge­hal­ten [1].

Von die­sen Aus­sa­gen ist die Fra­ge zu tren­nen, ob dann, wenn ein inten­si­ver und dau­er­haf­ter Publi­kums­ver­kehr fehlt, regel­mä­ßig auch ein Rück­schluss auf eine ent­spre­chen­de feh­len­de Zweck­be­stim­mung zuläs­sig ist und wel­che Anfor­de­run­gen zu stel­len sind, um eine der­ar­ti­ge Mut­ma­ßung zu wider­le­gen.

Außer­dem bedarf es einer nach außen erkenn­ba­ren Wid­mung der Räum­lich­kei­ten für den Publi­kums­ver­kehr. Selbst im Fal­le einer Not­fall­pra­xis hat es der Bun­des­fi­nanz­hof für schäd­lich gehal­ten, wenn ein Besu­cher erst einen dem Pri­vat­be­reich zuzu­ord­nen­den Flur oder eine Die­le durch­que­ren muss [2]. Dies gilt erst recht für ein Büro, das dem äußer­li­chen Typus des häus­li­chen Arbeits­zim­mers ent­spricht [3].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 9. Mai 2017 – X B 23/​17

  1. vgl. BFH, Urteil vom 15.10.2014 – VIII R 8/​11, HFR 2015, 914, unter II. 1.e aa, m.w.N.[]
  2. BFH, Urteil vom 20.11.2003 – IV R 3/​02, BFHE 205, 46, BStBl II 2005, 203[]
  3. zu einer der­ar­ti­gen Kon­stel­la­ti­on BFH, Urteil vom 08.09.2016 – III R 62/​11, BFHE 255, 198, BStBl II 2017, 163, unter II. 3.[]