Hin­zu­rech­nung eines nega­ti­ven Akti­en­ge­winns zum Steu­er­bi­lanz­ge­winn

Der in § 40a Abs. 1 KAGG i.d.F. des StSenkG vom 23.10.2000 ent­hal­te­ne Ver­weis auf § 8b Abs. 2 KStG 2002 umfasst nicht zugleich die Rechts­fol­ge des § 8b Abs. 3 KStG 2002 als Rechts­grund­la­ge für die Hin­zu­rech­nung eines sog. nega­ti­ven Akti­en­ge­winns aus der Rück­ga­be von Anteils­schei­nen an einem Wert­pa­pier-Son­der­ver­mö­gen zum Steu­er­bi­lanz­ge­winn.

Hin­zu­rech­nung eines nega­ti­ven Akti­en­ge­winns zum Steu­er­bi­lanz­ge­winn

Nach § 8b Abs. 3 KStG 2002 sind zwar Gewinn­min­de­run­gen, die im Zusam­men­hang mit dem in § 8b Abs. 2 KStG 2002 genann­ten Anteil ent­ste­hen, bei der Ermitt­lung des Ein­kom­mens nicht zu berück­sich­ti­gen. Anteil i.S. des § 8b Abs. 2 Satz 1 KStG 2002 ist dabei u.a. ein Anteil an einer Kör­per­schaft oder Per­so­nen­ver­ei­ni­gung, deren Leis­tun­gen beim Emp­fän­ger zu Ein­nah­men i.S. des § 20 Abs. 1 Nr. 1, 2, 9 und 10 Buchst. a EStG 2002 gehö­ren.

Bei der Ein­kom­mens­er­mitt­lung der Unter­neh­me­rin ist aus dem Ver­kauf der Anteils­schei­ne eine außer­bi­lan­zi­el­le Hin­zu­rech­nung gemäß § 8b Abs. 3 KStG 2002 jedoch nicht vor­zu­neh­men.

Eine unmit­tel­ba­re Anwen­dung des § 8b Abs. 3 (i.V.m. Abs. 2) KStG 2002 kommt im Streit­fall nicht in Betracht. Denn die von der Unter­neh­me­rin gehal­te­nen Anteils­schei­ne an dem Wert­pa­pier-Son­der­ver­mö­gen sind dem sach­li­chen Anwen­dungs­be­reich des § 8b Abs. 2 Satz 1 KStG 2002 nicht zuzu­rech­nen. Sie sind kei­ne Antei­le an einer Kör­per­schaft oder Per­so­nen­ver­ei­ni­gung, da das Wert­pa­pier-Son­der­ver­mö­gen zivil­recht­lich eine in der Ver­trags­form gegrün­de­te nicht­rechts­fä­hi­ge Ver­mö­gens­mas­se bil­det; den Erträ­gen aus den Anteils­schei­nen liegt damit kein Gesell­schafts­ver­hält­nis zugrun­de (vgl. § 6 Abs. 1 KAGG). Das Wert­pa­pier-Son­der­ver­mö­gen gilt nach § 38 Abs. 1 Satz 1 KAGG als Zweck­ver­mö­gen i.S. des § 1 Abs. 1 Nr. 5 KStG 2002; es ist daher steu­er­recht­lich als Ver­mö­gens­mas­se anzu­se­hen, an der die Anteils­schein­in­ha­ber betei­ligt sind, wobei die Anteils­schei­ne an dem Wert­pa­pier-Son­der­ver­mö­gen aber zivil­recht­lich kei­ne Antei­le an einer Ver­mö­gens­mas­se ver­mit­teln, son­dern ledig­lich Mit­ei­gen­tum bzw. Mit­gläu­bi­ger­schaft an den Finanz­in­stru­men­ten des Son­der­ver­mö­gens ver­brie­fen1.

Das Abzugs­ver­bot für sog. nega­ti­ve Akti­en­ge­win­ne aus der Rück­ga­be von Anteils­schei­nen an einem Wert­pa­pier-Son­der­ver­mö­gen ergibt sich nicht aus dem in § 40a Abs. 1 KAGG in der ursprüng­lich im Streit­jahr gel­ten­den Fas­sung des Geset­zes zur Sen­kung der Steu­er­sät­ze und zur Reform der Unter­neh­mens­be­steue­rung (Steu­er­sen­kungs­ge­setz ‑StSenkG-) vom 23.10.20002 ent­hal­te­nen Ver­weis auf § 8b Abs. 2 KStG 2002.

Gemäß § 40a Abs. 1 KAGG i.V.m. § 8b Abs. 2 KStG 2002 blei­ben Ein­nah­men aus der Rück­ga­be oder Ver­äu­ße­rung von Anteils­schei­nen an einem Wert­pa­pier-Son­der­ver­mö­gen, die zu einem Betriebs­ver­mö­gen gehö­ren, bei der Ermitt­lung des Ein­kom­mens eines kör­per­schaft­steu­er­pflich­ti­gen Anteils­schein­in­ha­bers außer Ansatz, soweit sie in § 3 Nr. 40 EStG 2002 oder § 8b Abs. 2 KStG 2002 genann­te, dem Anteils­schein­in­ha­ber noch nicht zuge­flos­se­ne oder als zuge­flos­sen gel­ten­de Ein­nah­men ent­hal­ten oder auf Betei­li­gun­gen des Wert­pa­pier-Son­der­ver­mö­gens an Kör­per­schaf­ten, Per­so­nen­ver­ei­ni­gun­gen oder Ver­mö­gens­mas­sen ent­fal­len, deren Leis­tun­gen beim Emp­fän­ger zu den Ein­nah­men i.S. des § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG 2002 gehö­ren. Aus dem in § 40a Abs. 1 KAGG ent­hal­te­nen Ver­weis auf § 8b Abs. 2 KStG 2002 ergibt sich die Steu­er­frei­heit des (posi­ti­ven) sog. Akti­en­ge­winns eines kör­per­schaft­steu­er­pflich­ti­gen Anteils­schein­in­ha­bers.

§ 40a Abs. 1 KAGG ent­hält zwar im Hin­blick auf die Steu­er­frei­heit des Akti­en­ge­winns eine Rechts­fol­gen­ver­wei­sung auf § 8b Abs. 2 KStG 2002. Die Rechts­fol­gen­ver­wei­sung begrün­det indes­sen kein Abzugs­ver­bot für sog. nega­ti­ve Akti­en­ge­win­ne aus einem Wert­pa­pier-Son­der­ver­mö­gen. Denn der in § 40a Abs. 1 KAGG ent­hal­te­ne Ver­weis auf § 8b Abs. 2 KStG 2002 schließt nicht die Rechts­fol­gen des § 8b Abs. 3 KStG 2002 ein. Er führt viel­mehr nur zur Anwen­dung der in § 8b Abs. 2 KStG 2002 gere­gel­ten Steu­er­frei­heit auf die posi­ti­ven Akti­en­ge­win­ne aus den Anteils­schei­nen am Wert­pa­pier-Son­der­ver­mö­gen.

Auch wenn die Besteue­rung von Erträ­gen aus Invest­ment­fonds, was für Aus­schüt­tun­gen ins­be­son­de­re in § 40 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 KAGG durch die Ver­wei­se auf § 8b Abs. 1 und 2 KStG 2002 zum Aus­druck kommt, im Grund­satz einem sog. Trans­pa­renz­prin­zip folgt (Gleich­be­hand­lung mit einer Direkt­an­la­ge)3, wird der Umfang der Gel­tung die­ses Prin­zips durch die ein­zel­nen Spe­zi­al­re­ge­lun­gen bestimmt4. Es liegt daher nur ein sog. ein­ge­schränk­tes Trans­pa­renz­prin­zip5 vor, das nicht geeig­net ist, als teleo­lo­gi­sches Leit­prin­zip feh­len­de Besteue­rungs­tat­be­stän­de zu erset­zen6.

§ 8b Abs. 3 KStG 2002 knüpft zwar als kor­re­spon­die­ren­de Rege­lung zur Steu­er­frei­heit an die in § 8b Abs. 2 KStG 2002 genann­ten Antei­le an; für eine Anwen­dung des Abzugs­ver­bots fin­den sich jedoch im Wort­laut des § 40a Abs. 1 KAGG kei­ne Anhalts­punk­te. Der dor­ti­ge Ver­weis auf die Rechts­fol­ge des § 8b Abs. 2 KStG 2002 ver­mit­telt auch nicht zugleich einen Dis­pens von der anteils­be­zo­ge­nen Tat­be­stands­vor­aus­set­zung des § 8b Abs. 3 KStG 2002. Der Gesetz­ge­ber hat das Trans­pa­renz­prin­zip offen­sicht­lich inso­weit nur für sog. posi­ti­ve Akti­en­ge­win­ne umge­setzt7. Der Ver­weis auf § 8b Abs. 2 KStG in § 40a Abs. 1 KAGG setzt damit den auf das sog. Halb­ein­künf­te­ver­fah­ren zurück­zu­füh­ren­den Gedan­ken der Ver­mei­dung einer ertrag­steu­er­li­chen Dop­pel­be­las­tung im Ein­nah­men­be­reich um und ergänzt inso­weit für die Situa­ti­on der Rück­ga­be oder Ver­äu­ße­rung von Anteils­schei­nen die­je­ni­ge Frei­stel­lung, die in § 40 Abs. 1 Satz 1 bzw. Abs. 2 KAGG (ins­be­son­de­re) für Aus­schüt­tun­gen ange­wie­sen ist. Dass in einem sol­chen Zusam­men­hang die Anwen­dung von § 8b Abs. 3 KStG 2002 aus­ge­spart blei­ben kann, hat der Bun­des­fi­nanz­hof bereits in sei­nem Urteil in BFHE 236, 106, BSt­Bl II 2013, 486 (im Zusam­men­hang mit § 8 InvStG) fest­ge­hal­ten: Die Rege­lungs­kor­re­spon­denz zwi­schen der Steu­er­frei­stel­lung des § 8b Abs. 2 KStG 2002 und dem Abzugs­aus­schluss des § 8b Abs. 3 KStG 2002 (jeweils i.V.m. § 40a Abs. 1 Satz 1 und 2 KAGG n.F. als der Vor­gän­ger­vor­schrift zu § 8 Abs. 1 und 2 InvStG) ist nur eine typi­sier­te, so dass inso­weit kei­ne zwin­gen­de Über­ein­stim­mung und Spie­gel­bild­lich­keit besteht8.

§ 40a Abs. 1 Satz 2 KAGG n.F., der die Anwen­dung des § 8b Abs. 3 KStG 2002 nun­mehr aus­drück­lich anweist, recht­fer­tigt die streit­ge­gen­ständ­li­che Hin­zu­rech­nung eben­falls nicht.

Zwar führt § 40a Abs. 1 Satz 2 KAGG n.F. durch den Ver­weis auf § 8b Abs. 3 KStG 2002 zu einem Abzugs­ver­bot für alle Gewinn­min­de­run­gen, die im Zusam­men­hang mit Anteils­schei­nen an einem Wert­pa­pier-Son­der­ver­mö­gen ste­hen. Hier­zu gehö­ren nicht nur Gewinn­min­de­run­gen infol­ge von Teil­wert­ab­schrei­bun­gen auf Antei­le an dem Wert­pa­pier-Son­der­ver­mö­gen, son­dern auch sog. nega­ti­ve Akti­en­ge­win­ne in Ver­bin­dung mit einer Rück­ga­be der Anteils­schei­ne9. Aller­dings ent­fal­tet § 43 Abs. 18 KAGG n.F. nach dem BVerfG, Beschluss in BGBl I 2014, 255 für die Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me 2001 und 2002 in for­ma­ler Hin­sicht ech­te Rück­wir­kung, soweit die Vor­schrift Fest­set­zun­gen für die­se Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me umfasst, die noch nicht bestands­kräf­tig sind. Die ‑gemäß § 43 Abs. 18 KAGG n.F. rück­wir­ken­de- Ein­fü­gung des § 40a Abs. 1 Satz 2 KAGG n.F. wirkt nach dem soeben zur Alt­fas­sung gefun­de­nen Ergeb­nis kon­sti­tu­tiv und ist ent­ge­gen der Bewer­tung in der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs10 nicht als ledig­lich klar­stel­lend-dekla­ra­to­risch anzu­se­hen. Der Gesetz­ge­ber hat­te beab­sich­tigt, mit der Geset­zes­än­de­rung ein Aus­le­gungs­pro­blem rück­wir­kend zu besei­ti­gen. Da die Rück­wir­kung des § 43 Abs. 18 KAGG n.F. auf die Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me 2001 und 2002 aber nicht gerecht­fer­tigt war11, steht § 40a Abs. 1 Satz 2 KAGG n.F. als Belas­tungs­grund nicht zur Ver­fü­gung.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 25. Juni 2014 – I R 33/​09

  1. BFH, Urteil vom 03.03.2010 – I R 109/​08, BFHE 229, 351, m.w.N.; s.a. BFH, Urteil vom 14.12 2011 – I R 92/​10, BFHE 236, 106, BSt­Bl II 2013, 486; Pung in Dötsch/​Pung/​Möhlenbrock, Die Kör­per­schaft­steu­er, § 8b KStG Rz 122 []
  2. BGBl I 2000, 1433, BSt­Bl I 2000, 1428 []
  3. z.B. BFH, Urteil in BFHE 229, 351; s.a. BFH, Urtei­le vom 11.10.2000 – I R 99/​96, BFHE 193, 330, BSt­Bl II 2001, 22; vom 27.03.2001 – I R 120/​98, BFH/​NV 2001, 1539; s.a. BVerfG, Beschluss vom 17.12 2013 – 1 BvL 5/​08, BGBl I 2014, 255, Rz 76 []
  4. s. ins­be­son­de­re BFH, Urteil in BFHE 229, 351; s.a. BFH, Urtei­le vom 04.03.1980 – VIII R 48/​76, BFHE 130, 287, BSt­Bl II 1980, 453; vom 07.04.1992 – VIII R 79/​88, BFHE 168, 111, BSt­Bl II 1992, 786 []
  5. z.B. BFH, Urteil in BFHE 229, 351; BVerfG, Beschluss in BGBl I 2014, 255, Rz 77 []
  6. s.a. Hells­tern, DStR 2007, 1992, 1995 f. []
  7. so im Ergeb­nis auch der dem BVerfG, Beschluss in BGBl I 2014, 255 zugrun­de lie­gen­de Vor­la­ge­be­schluss des Finanz­ge­richt Müns­ter vom 22.02.2008 9 K 5096/​07 K, EFG 2008, 983, unter D.I. 2.; s.a. Lüb­be­hü­sen in Brinkhaus/​Scherer, KAGG/​AuslInvestmG, § 40a KAGG Rz 19; Fock, Betriebs-Bera­ter 2003, 1589, 1591; Stoschek/​Peter/​Bittner, Finanz-Rund­schau 2003, 941, 949; Hagen, Die Unter­neh­mens­be­steue­rung 2008, 337, 343; Bacmeister/​Reislhuber in Haa­se [Hrsg.], Invest­ment­steu­er­ge­setz 2010, § 8 InvStG Rz 38 bis 40; ande­rer Ansicht z.B. Finanz­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 28.02.2008 7 K 917/​07, EFG 2008, 991; Gosch, KStG, 1. Aufl., § 8b Rz 52, und 2. Aufl., § 8b Rz 49; Pung in Dötsch/​Pung/​Möhlenbrock, a.a.O., § 8b KStG Rz 201 []
  8. s. inso­weit auch BVerfG, Beschluss in BGBl I 2014, 255, Rz 77 f. []
  9. BFH, Urteil vom 28.10.2009 – I R 27/​08, BFHE 227, 73, BSt­Bl II 2011, 229; dif­fe­ren­zie­rend zum Gegen­stand des Abzugs­ver­bots Hells­tern, DStR 2007, 1992, 1996 []
  10. BT-Drs. 15/​1518, S. 17: "redaktionelle(n) Klar­stel­lung" []
  11. BVerfG, Beschluss in BGBl I 2014, 255, Rz 61 ff. []