Inge­nieur­ähn­li­che Tätig­keit im EDV-Bereich – frei­be­ruf­lich oder gewerblich?

Eine Tätig­keit als Inge­nieur oder eine inge­nieur­ähn­li­che Tätig­keit zeich­net sich dadurch aus, dass sie durch die Wahr­neh­mung von für den Inge­nieur­be­ruf typi­schen Auf­ga­ben geprägt wird.

Inge­nieur­ähn­li­che Tätig­keit im EDV-Bereich – frei­be­ruf­lich oder gewerblich?

Zu den Auf­ga­ben eines Inge­nieurs gehört es, auf der Grund­la­ge natur­wis­sen­schaft­li­cher und tech­ni­scher Erkennt­nis­se und unter Berück­sich­ti­gung wirt­schaft­li­cher Belan­ge tech­ni­sche Wer­ke zu pla­nen, zu kon­stru­ie­ren und ihre Fer­ti­gung zu über­wa­chen [1]. Typisch für den Beruf des Inge­nieurs sind aber auch über­wa­chen­de, kon­trol­lie­ren­de und rein bera­ten­de Tätig­kei­ten, soweit sie nicht auf blo­ße Absatz­för­de­rung gerich­tet sind [2]. Kern­be­rei­che des Inge­nieur­be­rufs sind danach For­schung und Leh­re, Ent­wick­lung, Kon­struk­ti­on, Pla­nung, Fer­ti­gung, Mon­ta­ge, Inbe­trieb­nah­me und Instand­hal­tung, Ver­trieb, Bera­tung, Ver­suchs- und Prü­fungs­we­sen, tech­ni­sche Ver­wal­tung und Betriebs­füh­rung, Pro­duk­ti­ons- und Pro­zess­steue­rung, Sicher­heit, Patent- und Nor­men­we­sen [3].

Auf dem Gebiet der EDV und der Infor­ma­ti­ons­tech­nik gehö­ren zu den Tätig­kei­ten von Inge­nieu­ren nicht nur die Ent­wick­lung und Kon­struk­ti­on von Hard- und Soft­ware. Sie umfasst auch die Ent­wick­lung von Betriebs­sys­te­men und ihre Anpas­sung an die Bedürf­nis­se des Kun­den, die rech­ner­ge­stütz­te Steue­rung, Über­wa­chung und Opti­mie­rung indus­tri­el­ler Abläu­fe, den Auf­bau, die Betreu­ung und Ver­wal­tung von Fir­men­netz­wer­ken und ‑ser­vern, die Anpas­sung vor­han­de­ner Sys­te­me an spe­zi­el­le Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen und Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren sowie die Bereit­stel­lung qua­li­fi­zier­ter Dienst­leis­tun­gen, wie etwa Benut­zer­ser­vice und Schu­lung. Infor­ma­tik-Inge­nieu­re arbei­ten des­halb u.a. in der Netz- und Sys­tem­ad­mi­nis­tra­ti­on, sie beur­tei­len die Leis­tungs­fä­hig­keit von Rech­ner­net­zen oder bewer­ten die Ener­gie­ef­fi­zi­enz bestehen­der Sys­te­me [4].

Ein Steu­er­pflich­ti­ger übt nur dann einen einem Kata­log­be­ruf ähn­li­chen Beruf aus, wenn der aus­ge­üb­te Beruf mit dem bestimm­ten Kata­log­be­ruf sowohl in der Aus­bil­dung als auch in der beruf­li­chen Tätig­keit ver­gleich­bar ist [5].

Dies erfor­dert ins­be­son­de­re für die hier gel­tend gemach­te Ähn­lich­keit zum Beruf des Inge­nieurs, dass der Steu­er­pflich­ti­ge über eine die­sen Beruf kenn­zeich­nen­de qua­li­fi­zier­te Aus­bil­dung ver­fügt und dass der ähn­li­che Beruf dem Beruf des Inge­nieurs auch hin­sicht­lich der ent­fal­te­ten Tätig­keit im Wesent­li­chen gleicht [6].

Nach die­sen Grund­sät­zen ist eine Tätig­keit im Bereich des „Kon­fi­gu­ra­ti­ons- und Build-Manage­ments“ nicht inge­nieurs­ähn­lich, da sie

  • ledig­lich Arbei­ten in einem Teil­be­reich der für Inge­nieu­re typi­scher­wei­se betrie­be­nen Sys­tem­ent­wick­lung betrifft und 
  • wegen ihres nur mitt­le­ren Schwie­rig­keits­gra­des nicht das Wis­sen eines Diplom-Inge­nieurs oder Diplom-Infor­ma­ti­kers erfor­dert, son­dern auch von Mit­ar­bei­tern ohne Fach­hoch­schul- oder Uni­ver­si­täts­ab­schluss aus­ge­führt wer­den kann.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 11. Novem­ber 2014 – VIII R 17/​12

  1. BFH, Urteil vom 05.06.2003 – IV R 34/​01, BFHE 202, 336, BStBl II 2003, 761, m.w.N.[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 09.02.2006 – IV R 27/​05, BFH/​NV 2006, 1270[]
  3. vgl. BFH, Urtei­le vom 22.09.2009 – VIII R 63/​06, BFHE 227, 386, BStBl II 2010, 466; vom 22.09.2009 – VIII R 79/​06, BFHE 227, 390, BStBl II 2010, 404, m.w.N.[]
  4. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 227, 386, BStBl II 2010, 466; in BFHE 227, 390, BStBl II 2010, 404, m.w.N.[]
  5. z.B. BFH, Urteil vom 16.12 2008 – VIII R 27/​07, HFR 2009, 898, m.w.N.[]
  6. BFH, Urteil in BFHE 227, 386, BStBl II 2010, 466, m.w.N.[]