Inkon­gru­en­te Gewinn­aus­schüt­tung – und ihre steu­er­li­che Aner­ken­nung

Eine inkon­gru­en­te Gewinn­aus­schüt­tung ist ent­ge­gen der Ansicht der Finanz­ver­wal­tung nicht nur dann anzu­er­ken­nen, wenn dafür wirt­schaft­lich ver­nünf­ti­ge außer­steu­er­li­che Grün­de ursäch­lich gewe­sen wären 1.

Inkon­gru­en­te Gewinn­aus­schüt­tung – und ihre steu­er­li­che Aner­ken­nung

Nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist eine zivil­recht­lich ord­nungs­ge­mäß zustan­de gekom­me­ne, inkon­gru­en­te Gewinn­aus­schüt­tung grund­sätz­lich steu­er­lich anzu­er­ken­nen, und zwar auch für den Fall einer anschlie­ßen­den inkon­gru­en­ten Wie­der­ein­la­ge, sofern damit das Ver­lust­aus­gleichs­po­ten­zi­al eines Gesell­schaf­ters aus­ge­nutzt wer­den soll 2. Ange­sichts die­ser Recht­spre­chung kann dahin­ste­hen, ob im Streit­fall aus­ge­hend von den bestehen­den Beson­der­hei­ten über­haupt von einer inkon­gru­en­ten Gewinn­aus­schüt­tung aus­zu­ge­hen ist. Denn zwi­schen den Betei­lig­ten ist zu Recht nicht strei­tig, dass die Gewinn­ver­tei­lungs­ab­re­de und die ihr vor­ge­la­ger­te Sat­zungs­än­de­rung zivil- und gesell­schafts­recht­lich ord­nungs­ge­mäß ver­ein­bart wor­den sind. Davon aus­ge­hend ist die von den Gesell­schaf­tern der GmbH ver­ein­bar­te Gewinn­aus­schüt­tung an die Gesell­schaf­te­rin steu­er­lich anzu­er­ken­nen.

Der Bun­des­fi­nanz­hof ver­mag auch nicht zu erken­nen, inwie­weit die vor­lie­gen­de Gestal­tung der Gesell­schaf­te­rin zu einem steu­er­li­chen Vor­teil gereicht hat. Im Rah­men der Prü­fung des § 42 AO ist immer nur auf den Steu­er­an­spruch aus dem kon­kre­ten Steu­er­schuld­ver­hält­nis des ein­zel­nen Steu­er­pflich­ti­gen abzu­stel­len 3. Es ist des­halb denk­bar, dass ein und der­sel­be Vor­gang in der Per­son eines betei­lig­ten Steu­er­pflich­ti­gen als Miss­brauch von Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten des Rechts zu beur­tei­len ist, in der Per­son des ande­ren aber nicht 4.

In der Per­son der Gesell­schaf­te­rin ist ein sol­cher Miss­brauch nicht erkenn­bar. Denn unab­hän­gig davon, ob ent­spre­chend der Ver­trags­ge­stal­tung nur eine Gewinn­aus­schüt­tung in Höhe von 1.100.000 DM oder, wie das Finanz­amt meint, auf Grund eines ver­deck­ten Kauf­ver­trags eine Gewinn­aus­schüt­tung in Höhe von 440.000 DM und im Übri­gen eine Kauf­preis­zah­lung in Höhe von 660.000 DM für den GmbH-Anteil ver­ein­bart wor­den sind, wäre der gesam­te Betrag in Höhe von 1.100.000 DM als Son­der­be­triebs­ein­nah­me bei der Gesell­schaf­te­rin zu erfas­sen gewe­sen. Die von dem Finanz­amt behaup­te­te Ver­äu­ße­rung des GmbH-Anteils wäre über­dies für die Gesell­schaf­te­rin steu­er­lich vor­teil­haf­ter, da in die­sem Fall die Anschaf­fungs­kos­ten des GmbH-Anteils, hier 40.000 DM, bei der Ermitt­lung des Ver­äu­ße­rungs­ge­winns zu berück­sich­ti­gen wären.

Allein der Umstand, dass die Gewinn­aus­schüt­tung in vol­ler Höhe bei der Gesell­schaf­te­rin und nicht auch bei der Mit­ge­sell­schaf­te­rin A erfasst wird, ist dem­ge­gen­über nicht geeig­net, den Miss­brauchs­vor­wurf bei der Gesell­schaf­te­rin, die unge­ach­tet der recht­li­chen Ver­selbst­stän­di­gung der Bei­gela­de­nen bezüg­lich der in Streit ste­hen­den Son­der­be­triebs­ein­nah­men das maß­geb­li­che Steu­er­sub­jekt ist, gemäß § 42 AO zu begrün­den.

Die Gesell­schaf­te­rin hät­te vor­lie­gend das von ihr gewünsch­te wirt­schaft­li­che Ergeb­nis zwar auch mit­tels ent­gelt­li­cher Ver­äu­ße­rung des GmbH-Anteils an A errei­chen kön­nen, wenn die Wert­hal­tig­keit des GmbH-Anteils nicht durch die vor­he­ri­ge Gewinn­aus­schüt­tung gemin­dert wor­den wäre. Es bleibt einem Steu­er­pflich­ti­gen aber grund­sätz­lich unbe­nom­men, das ange­streb­te wirt­schaft­li­che Ergeb­nis durch ent­spre­chen­de zivil­recht­li­che Ver­ein­ba­run­gen mög­lichst steu­er­op­ti­mie­rend zu gestal­ten.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 4. Dezem­ber 2014 – IV R 28/​11

  1. so nun­mehr aus­drück­lich auch BMF, Schrei­ben vom 17.12 2013 – IV C 2‑S 2750‑a/​11/​10001, 2013/​1143118, BSt­Bl I 2014, 63[]
  2. vgl. u.a. BFH, Urtei­le vom 19.08.1999 – I R 77/​96, BFHE 189, 342, BSt­Bl II 2001, 43; vom 28.06.2006 – I R 97/​05, BFHE 214, 276; BFH, Beschlüs­se vom 27.05.2010 – VIII B 146/​08, BFH/​NV 2010, 1865; und vom 04.05.2012 – VIII B 174/​11, BFH/​NV 2012, 1330[]
  3. vgl. BFH, Urtei­le vom 23.09.1993 – V R 3/​93, BFH/​NV 1994, 745, und in BFHE 189, 342, BSt­Bl II 2001, 43[]
  4. BFH, Urteil in BFHE 189, 342, BSt­Bl II 2001, 43[]