Kla­ge gegen die geson­der­te und ein­heit­li­che Fest­stel­lung ver­re­chen­ba­rer Ver­lus­te – und die Kla­ge­be­fug­nis

Wer­den ver­re­chen­ba­re Ver­lus­te nach § 15b Abs. 4 Satz 5 EStG geson­dert und ein­heit­lich fest­ge­stellt, gel­ten für die Kla­ge­be­fug­nis die­sel­ben Grund­sät­ze wie für die Anfech­tung einer geson­der­ten und ein­heit­li­chen Fest­stel­lung der Ein­künf­te.

Kla­ge gegen die geson­der­te und ein­heit­li­che Fest­stel­lung ver­re­chen­ba­rer Ver­lus­te – und die Kla­ge­be­fug­nis

Die Kla­ge­be­fug­nis in Bezug auf Beschei­de über die geson­der­te und ein­heit­li­che Fest­stel­lung von Besteue­rungs­grund­la­gen rich­tet sich nach § 48 FGO. Die­se Vor­schrift betrifft ihrem ein­deu­ti­gen Wort­laut nach alle Beschei­de über geson­der­te und ein­heit­li­che Fest­stel­lun­gen, mit­hin auch die geson­der­te und ein­heit­li­che Fest­stel­lung ver­re­chen­ba­rer Ver­lus­te nach § 15b Abs. 4 Satz 5 EStG. Nach § 48 Abs. 1 Nr. 1 FGO ist die Per­so­nen­ge­sell­schaft befugt, in Pro­zess­stand­schaft für ihre Gesell­schaf­ter Kla­ge gegen den Fest­stel­lungs­be­scheid zu erhe­ben. Tritt ein Gesamt­rechts­nach­fol­ger an die Stel­le der kla­ge­be­fug­ten Gesell­schaft, geht die Kla­ge­be­fug­nis nach § 48 Abs. 1 Nr. 1 FGO ‑anders als die Kla­ge­be­fug­nis betref­fend einen an die Gesell­schaft als Steu­er­schuld­ner gerich­te­ten Bescheid- nicht auf den Gesamt­rechts­nach­fol­ger über. Viel­mehr lebt die durch § 48 Abs. 1 Nr. 1 FGO über­la­ger­te Kla­ge­be­fug­nis der ein­zel­nen Gesell­schaf­ter wie­der auf1.

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall ist danach die ursprüng­lich bestehen­de Befug­nis der Z‑KG zur Erhe­bung eines Rechts­be­helfs gegen die Fest­stel­lung ver­re­chen­ba­rer Ver­lus­te im Zusam­men­hang mit der Fest­stel­lung ihrer Ein­künf­te durch deren liqui­da­ti­ons­lo­se Voll­be­en­di­gung infol­ge ihrer Ver­schmel­zung auf die Klä­ge­rin bereits wäh­rend des Ein­spruchs­ver­fah­rens erlo­schen. Kla­ge­be­fugt wären nur die Bei­gela­de­nen als die ein­zi­gen von der bean­stan­de­ten Fest­stel­lung ver­re­chen­ba­rer Ver­lus­te betrof­fe­nen ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ter der Z‑KG gewe­sen, nicht aber die Klä­ge­rin als Rechts­nach­fol­ge­rin der Z‑KG.

Die Kla­ge kann nicht in eine sol­che der ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ter der Z‑KG umge­deu­tet wer­den.

Zwar kann im Wege rechts­schutz­ge­wäh­ren­der Aus­le­gung eine namens der voll­be­en­de­ten Per­so­nen­ge­sell­schaft erho­be­ne Kla­ge als eine sol­che der ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ter anzu­se­hen sein, wenn das Rubrum der Kla­ge spie­gel­bild­lich dem inso­weit unzu­tref­fen­den Rubrum der Ein­spruchs­ent­schei­dung ent­spricht und dem Finanz­amt die Voll­be­en­di­gung der Per­so­nen­ge­sell­schaft bei Erlass der Ein­spruchs­ent­schei­dung bereits bekannt war2. Dies setzt aber vor­aus, dass der die Kla­ge ein­rei­chen­de Bevoll­mäch­tig­te auch von die­sen Gesell­schaf­tern bevoll­mäch­tigt ist.

Im Streit­fall kommt eine sol­che Umdeu­tung danach nicht in Betracht. Die Ein­spruchs­ent­schei­dung ist zwar gegen­über der im Zeit­punkt der Bekannt­ga­be voll­be­en­de­ten Z‑KG ergan­gen. Aller­dings waren die Bei­gela­de­nen als zum Ein­spruchs­ver­fah­ren Hin­zu­ge­zo­ge­ne und nicht von einem Bevoll­mäch­tig­ten ver­tre­te­ne Gesell­schaf­ter eben­falls Adres­sa­ten der Ein­spruchs­ent­schei­dung. Nach den eige­nen Anga­ben der Bevoll­mäch­ti­gen gegen­über dem Finanz­ge­richt war sie allein von der Klä­ge­rin, nicht aber von den Bei­gela­de­nen als ehe­ma­li­ge Kom­man­di­tis­ten der Z‑KG bevoll­mäch­tigt wor­den. Danach kann auch bei Anle­gung eines groß­zü­gi­gen Maß­stabs nicht ange­nom­men wer­den, dass die aus­drück­lich nur namens der Klä­ge­rin erho­be­ne Kla­ge für die Bei­gela­de­nen als ehe­ma­li­ge Gesell­schaf­ter erho­ben wor­den sein soll­te. Ob dem Finanz­amt bei Erlass der Ein­spruchs­ent­schei­dung die Voll­be­en­di­gung der Z‑KG bekannt war, kann inso­weit dahin­ste­hen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. Dezem­ber 2018 – IV R 2/​16

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Urteil vom 10.09.2015 – IV R 8/​13, BFHE 251, 25, BSt­Bl II 2015, 1046
  2. BFH, Urtei­le vom 22.01.2015 – IV R 62/​11, Rz 18, und in BFHE 251, 25, BSt­Bl II 2015, 1046, Rz 8, m.w.N.