Kla­ge gegen einen Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid – und die Aus­le­gung einer Kla­ge­schrift

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs kann ein Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid eine Viel­zahl selb­stän­di­ger und damit auch selb­stän­dig anfecht­ba­rer Fest­stel­lun­gen ent­hal­ten, die eigen­stän­dig in Bestands­kraft erwach­sen und des­halb für die in dem näm­li­chen Bescheid getrof­fe­nen und recht­lich nach­ge­la­ger­ten Fest­stel­lun­gen Bin­dungs­wir­kung ent­fal­ten kön­nen.

Kla­ge gegen einen Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid – und die Aus­le­gung einer Kla­ge­schrift

Sol­che selb­stän­di­gen Rege­lun­gen (Fest­stel­lun­gen) sind ins­be­son­de­re die Qua­li­fi­ka­ti­on der Ein­künf­te, das Bestehen einer Mit­un­ter­neh­mer­schaft und wer an ihr betei­ligt ist, die Höhe des lau­fen­den Gesamt­hands­ge­winns sowie des­sen Ver­tei­lung auf die Mit­un­ter­neh­mer und die Höhe eines Son­der­ge­winns bzw. einer Son­der­ver­gü­tung 1.

Selb­stän­dig anfecht­bar ist auch die Fest­stel­lung eines Ver­äu­ße­rungs- oder Auf­ga­be­ge­winns nach § 16 EStG jeden­falls des ein­zel­nen Mit­un­ter­neh­mers 2. Als Ver­äu­ße­rungs­ge­winn i.S. des § 16 Abs. 1 EStG gilt dabei auch ein sog. Ein­brin­gungs­ge­winn i.S. des § 24 UmwStG, denn die Ein­brin­gung eines Mit­un­ter­neh­mer­an­teils in eine Per­so­nen­ge­sell­schaft gegen Gewäh­rung von Gesell­schafts­rech­ten ist grund­sätz­lich als Ver­äu­ße­rung des Mit­un­ter­neh­mer­an­teils durch den Ein­brin­gen­den an die Per­so­nen­ge­sell­schaft i.S. des § 16 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG zu ver­ste­hen ("tau­sch­ähn­li­cher Vor­gang") 3.

Geson­dert fest­ge­stellt wird inso­weit jeweils der Ver­äu­ße­rungs- oder Auf­ga­be­ge­winn des ein­zel­nen Mit­un­ter­neh­mers. Kei­ne selb­stän­di­ge Fest­stel­lung ist hin­ge­gen die Zusam­men­fas­sung von Ver­äu­ße­rungs- oder Auf­ga­be­ge­win­nen meh­re­rer Mit­un­ter­neh­mer. Inso­weit han­delt es sich ledig­lich um eine Rechen­grö­ße, die nicht selb­stän­dig anfecht­bar ist.

Von der Fest­stel­lung eines Ver­äu­ße­rungs- oder Auf­ga­be­ge­winns i.S. des § 16 EStG zu unter­schei­den ist ‑als wei­te­re selb­stän­di­ge Fest­stel­lung- die Qua­li­fi­ka­ti­on des Auf­ga­be- oder Ver­äu­ße­rungs­ge­winns (sowohl der Gesamt­hand als auch des ein­zel­nen Mit­un­ter­neh­mers) als Bestand­teil der außer­or­dent­li­chen Ein­künf­te i.S. des § 34 Abs. 2 Nr. 1 EStG 4. Sieht das Gesetz vor, dass ein Ver­äu­ße­rungs- oder Auf­ga­be­ge­winn i.S. des § 16 EStG als lau­fen­der Gewinn gilt (z.B. in § 16 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 2 Satz 3 EStG), ist ein ent­spre­chen­der Gewinn zwar als Ver­äu­ße­rungs­ge­winn i.S. des § 16 EStG fest­zu­stel­len, nicht aber zudem als Bestand­teil der außer­or­dent­li­chen Ein­künf­te i.S. des § 34 Abs. 2 Nr. 1 EStG 5.

Kei­ne selb­stän­di­ge Fest­stel­lung ist der sich aus den ein­zel­nen Fest­stel­lun­gen erge­ben­de Gesamt­ge­winn. Inso­weit han­delt es sich ledig­lich um eine Rechen­grö­ße, die nicht selb­stän­dig anfecht­bar ist 2.

So auch in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall: Zwi­schen den Betei­lig­ten ist strei­tig, ob das Finanz­amt den von den Betei­lig­ten als "Agio" bezeich­ne­ten Betrag von Y EUR in dem ange­grif­fe­nen Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid in Gestalt der Ein­spruchs­ent­schei­dung zu Recht in Höhe von Z EUR als Ver­äu­ße­rungs­ge­winn der Klä­ge­rin zu 1. und in Höhe von P EUR als einen sol­chen der Bei­gela­de­nen zu 1. erfasst hat. Unter den beson­de­ren Umstän­den des Streit­falls kommt dem Umstand, dass das Finanz­amt die ent­spre­chen­den Gewin­ne jeweils als "als Son­der­be­triebs­ein­nah­me zu erfas­sen­de Ver­gü­tun­gen auf schuld­recht­li­cher Grund­la­ge, ggf. ein­schließ­lich nach­träg­li­cher Ein­künf­te" erfasst hat, aus­nahms­wei­se kei­ne Bedeu­tung zu, zumal das Finanz­amt in der Ein­spruchs­ent­schei­dung aus­drück­lich aus­ge­führt hat, der strei­ti­ge Betrag von Y EUR sei als "lau­fen­der Ver­äu­ße­rungs­ge­winn zu erfas­sen (§ 24 Abs. 3 Satz 3 UmwStG i.V.m. § 16 Abs. 2 S. 3 EStG)" und die Betei­lig­ten die ent­spre­chen­den Fest­stel­lun­gen auch so ver­stan­den haben.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 1. März 2018 – IV R 38/​15

  1. z.B. BFH, Urteil vom 16.03.2017 – IV R 31/​14, BFHE 257, 292[]
  2. z.B. BFH, Urteil in BFHE 257, 292[][]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 30.03.2017 – IV R 11/​15, BFHE 257, 324, Rz 31 f.[]
  4. z.B. BFH, Urteil in BFHE 257, 292, m.w.N.[]
  5. z.B. BFH, Urteil vom 20.08.2015 – IV R 34/​12, Rz 19[]