Kla­ge­be­fug­nis einer Per­so­nen­ge­sell­schaft nach Voll­be­en­di­gung

Die Befug­nis der Per­so­nen­ge­sell­schaft, in Pro­zess­stand­schaft für ihre Gesell­schaf­ter Rechts­be­hel­fe gegen Gewinn­fest­stel­lungs­be­schei­de ein­zu­le­gen, erlischt mit deren Voll­be­en­di­gung. Die Kla­ge­be­fug­nis geht nicht auf den Rechts­nach­fol­ger der voll­be­en­de­ten Per­so­nen­ge­sell­schaft über, viel­mehr lebt die bis dahin über­la­ger­te Kla­ge­be­fug­nis der ein­zel­nen Gesell­schaf­ter auf.

Kla­ge­be­fug­nis einer Per­so­nen­ge­sell­schaft nach Voll­be­en­di­gung

Eine Kla­ge der voll­be­en­de­ten Per­so­nen­ge­sell­schaft kann nicht in eine sol­che der ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ter umge­deu­tet wer­den, wenn die Pro­zess­voll­macht nicht von Letz­te­ren aus­ge­stellt wor­den ist.

Die Kla­ge einer bereits im Zeit­punkt der Zustel­lung der Ein­spruchs­ent­schei­dung voll­be­en­de­ten Per­so­nen­ge­sell­schaft ist unzu­läs­sig, wenn mit der Kla­ge nicht nur die ersatz­lo­se Auf­he­bung der Ein­spruchs­ent­schei­dung begehrt wird.

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall ist die Klä­ge­rin durch Umwand­lung im Wege des Form­wech­sels der KG mit Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter am 31.08.2006 ent­stan­den. Der Klä­ge­rin fehl­te daher bereits im Zeit­punkt der Kla­ge­er­he­bung, dem 4.07.2008, die Kla­ge­be­fug­nis (§ 48 Abs. 1 Nr. 1 FGO) zur Anfech­tung des inhalt­lich an die Gesell­schaf­ter der KG gerich­te­ten Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheids.

Gemäß § 48 Abs. 1 Nr. 1 Alter­na­ti­ve 1 FGO ist eine Per­so­nen­ge­sell­schaft befugt, als Pro­zess­stand­schaf­te­rin für ihre Gesell­schaf­ter und ihrer­seits ver­tre­ten durch ihre[1] Geschäfts­füh­rer Kla­ge gegen den Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid zu erhe­ben, der sich inhalt­lich nicht an die Gesell­schaft, son­dern an die Gesell­schaf­ter als Sub­jek­te der Ein­kom­men­steu­er rich­tet. Dane­ben kön­nen ein­zel­ne Gesell­schaf­ter unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 48 Abs. 1 Nrn. 3 bis 5 FGO kla­ge­be­fugt sein [2]. Erlischt eine Per­so­nen­ge­sell­schaft durch Voll­be­en­di­gung ohne Abwick­lung, also auch in dem Fall, in dem eine Per­so­nen­ge­sell­schaft –wie hier– in eine GmbH form­wech­selnd umge­wan­delt wird, kann nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH ein Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid indes nur noch von den frü­he­ren Gesell­schaf­tern ange­foch­ten wer­den, deren Mit­glied­schaft die Zeit berührt, die der anzu­fech­ten­de Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid betrifft. Die Befug­nis der Per­so­nen­ge­sell­schaft, in Pro­zess­stand­schaft für ihre Gesell­schaf­ter Rechts­be­hel­fe gegen die Gewinn­fest­stel­lungs­be­schei­de ein­zu­le­gen, ist mit deren Voll­be­en­di­gung daher erlo­schen [3]. Inso­weit lebt die bis zum Zeit­punkt der Voll­be­en­di­gung über­la­ger­te Kla­ge­be­fug­nis der ein­zel­nen Gesell­schaf­ter wie­der auf.

Die Kla­ge­be­fug­nis geht des­halb auch nicht auf die durch den Form­wech­sel ent­stan­de­ne A‑GmbH, die Klä­ge­rin, über. Dies unge­ach­tet des­sen, dass, wie die Klä­ge­rin zutref­fend aus­führt, der Rechts­form­wech­sel unter dem Régime des UmwG 1995 zivil­recht­lich kei­ne Rechts­nach­fol­ge bewirkt, son­dern der iden­ti­sche Rechts­trä­ger nur sein "Rechts­kleid" wech­selt.

Der Klä­ge­rin stand auch nicht des­halb die Kla­ge­be­fug­nis zu, weil sie sich mit der Kla­ge gegen die ihr gegen­über ergan­ge­ne Ein­spruchs­ent­schei­dung gerich­tet hat. Eine sol­che Kla­ge wird zwar inso­weit als zuläs­sig ange­se­hen, als mit ihr –nur– die ersatz­lo­se Auf­he­bung der Ein­spruchs­ent­schei­dung begehrt wird. Wer­den mit der Kla­ge jedoch mate­ri­ell-recht­li­che Män­gel gel­tend gemacht, ist die Kla­ge als unzu­läs­sig abzu­wei­sen [4].

Die Kla­ge kann auch nicht als sol­che der ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ter der KG aus­ge­legt oder in eine sol­che Kla­ge umge­deu­tet wer­den. Zwar hat der Bun­des­fi­nanz­hof die namens einer voll­be­en­de­ten KG erho­be­ne Kla­ge gegen den Wort­laut als Kla­ge des ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ters aus­ge­legt, wenn die feh­ler­haf­te Klä­ger­be­zeich­nung durch eine feh­ler­haf­te Rubrums­be­zeich­nung in der Ein­spruchs­ent­schei­dung ver­an­lasst wor­den ist. Die Aus­le­gung gegen den Wort­laut knüpf­te aller­dings auch dar­an an, dass dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten die Pro­zess­voll­macht von einem der ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ter der Per­so­nen­ge­sell­schaft erteilt wor­den ist [5]. Im Streit­fall ist die Ein­spruchs­ent­schei­dung indes schon nicht an die voll­be­en­de­te Per­so­nen­ge­sell­schaft, hier die KG, son­dern an die form­ge­wech­sel­te Klä­ge­rin als deren Rechts­nach­fol­ge­rin adres­siert wor­den. Auch ist die Pro­zess­voll­macht nicht von einem ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ter der KG, son­dern von dem Allein­ge­schäfts­füh­rer der Klä­ge­rin erteilt wor­den. Zum Zeit­punkt der Aus­stel­lung der Pro­zess­voll­macht, dem 2.07.2008, waren die ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ter der KG nach dem unwi­der­spro­che­nen Vor­trag der Klä­ge­rin auf­grund der zwi­schen­zeit­lich erfolg­ten Ver­äu­ße­rung der Gesell­schafts­an­tei­le zudem auch nicht mehr an der Klä­ge­rin betei­ligt. Ange­sichts des­sen kann die Kla­ge nicht dahin aus­ge­legt wer­den, dass sie von der Klä­ge­rin namens der ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ter der KG erho­ben wor­den ist.

Fehlt es der Klä­ge­rin an der Kla­ge­be­fug­nis für die Erhe­bung der vor­lie­gen­den Anfech­tungs­kla­ge, ist eine sol­che glei­cher­ma­ßen für die hilfs­wei­se gel­tend gemach­te Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge zu ver­nei­nen. Im Übri­gen kann ein der­ar­ti­ges neu­es Kla­ge­be­geh­ren nicht erst­mals im Revi­si­ons­ver­fah­ren gel­tend gemacht wer­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 11. April 2013 – IV R 20/​10

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  2. BFH, Urteil vom 29.03.2012 – IV R 18/​08, BFH/​NV 2012, 1095, m.w.N.[]
  3. BFH, Urtei­le vom 23.04.2009 – IV R 87/​05, BFH/​NV 2009, 1650; in BFH/​NV 2006, 18; vom 19.11.1985 – VIII R 25/​85, BFHE 146, 32, BStBl II 1986, 520, und vom 19.05.1983 – IV R 125/​82, BFHE 139, 1, BStBl II 1984, 15; BFH, Beschluss vom 23.01.2009 – IV B 149/​07, juris[]
  4. BFH, Urteil vom 28.03.2000 – VIII R 6/​99, BFH/​NV 2000, 1074[]
  5. BFH, Urteil in BFH/​NV 2009, 1650[]