Kör­per­schaft­steu­er­be­scheid und Gewinn­fest­stel­lung bei einer KGaA

Die Fra­ge, ob an kör­per­schaft­steu­er­pflich­ti­gen Ein­künf­ten und mit ihnen in Zusam­men­hang ste­hen­den ande­ren Besteue­rungs­grund­la­gen meh­re­re Per­so­nen betei­ligt sind und ob die Ein­künf­te die­sen Per­so­nen steu­er­lich zuzu­rech­nen sind, ist grund­sätz­lich im Gewinn­fest­stel­lungs­ver­fah­ren gemäß § 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AO zu beant­wor­ten.

Kör­per­schaft­steu­er­be­scheid und Gewinn­fest­stel­lung bei einer KGaA

Ein Fest­stel­lungs­ver­fah­ren ist bereits dann durch­zu­füh­ren, wenn zwei­fel­haft ist, ob die hier­für erfor­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen. Die Ent­schei­dung über das Erfor­der­nis oder Nicht­er­for­der­nis einer geson­der­ten Fest­stel­lung kann ver­bind­lich nur in dem ‑vor­lie­gend noch ein­zu­lei­ten­den- Grund­la­gen­ver­fah­ren getrof­fen wer­den. Dem­entspre­chend ist ein posi­ti­ver oder nega­ti­ver Fest­stel­lungs­be­scheid gemäß § 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AO dann zu erlas­sen, wenn eine geson­der­te Fest­stel­lung auf­grund des (ggf. strei­ti­gen) Sach­ver­halts mög­lich erscheint 1. Die­se (posi­ti­ven oder nega­ti­ven) Fest­stel­lun­gen sind für einen Fol­ge­be­scheid ‑wie den Kör­per­schaft­steu­er­be­scheid- bin­dend (§ 182 Abs. 1 Satz 1 AO).

Aus die­sem Grund hat das Finanz­ge­richt das Ver­fah­ren betref­fend den Fol­ge­be­scheid (hier: Kör­per­schaft­steu­er­be­scheid) gemäß § 74 FGO aus­zu­set­zen, wenn in ihm Ein­wen­dun­gen erho­ben wer­den, über die in einem Grund­la­gen­be­scheid zu ent­schei­den ist. Dabei spielt es kei­ne Rol­le, ob der Grund­la­gen­be­scheid bereits ergan­gen und ange­foch­ten ist oder ob ein sol­cher erst noch erge­hen muss 2.

Nach die­sen Grund­sät­zen ist auch die Fra­ge, ob die Ergeb­nis­an­tei­le des per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters einer KGaA Gegen­stand eines Ver­fah­rens zur geson­der­ten und ein­heit­li­chen Fest­stel­lung sind, in dem Fest­stel­lungs­ver­fah­ren zu klä­ren 3. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat die­se Fra­ge aus­drück­lich offen gelas­sen 4. Hin­zu kommt, dass sich dem Schrift­tum kein ein­heit­li­ches Mei­nungs­bild ent­neh­men lässt 5.

Dies gilt auch, wenn neben der kla­gen­den per­sön­lich haf­ten­den Gesell­scchaf­te­rin kei­ne wei­te­ren per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ter an der KGaA betei­ligt waren. Ob eine geson­der­te Fest­stel­lung gemäß der Aus­nah­me­vor­schrift des § 180 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 AO nicht erfor­der­lich ist, kann bei Zwei­feln eben­falls nur durch das für die geson­der­te Fest­stel­lung zustän­di­ge Finanz­amt ent­schie­den wer­den 6.

Ent­ge­gen der Ansicht des Hes­si­schen Finanz­ge­richts 7 kann in der Ein­spruchs­ent­schei­dung des Finanz­amt hin­sicht­lich des Kör­per­schaft­steu­er­be­schei­des kei­ne bin­den­de Ableh­nung einer Fest­stel­lung gese­hen wer­den. Selbst wenn man dem Ein­spruchs­be­scheid eine schlüs­si­ge Ableh­nung der Durch­füh­rung eines Fest­stel­lungs­ver­fah­rens ent­neh­men woll­te, fehlt es an dem in einem förm­li­chen Ver­fah­ren zu erlas­sen­den nega­ti­ven Fest­stel­lungs­be­scheid 8. Das gilt grund­sätz­lich auch dann, wenn das für die­ses Ver­fah­ren zustän­di­ge Finanz­amt gleich­zei­tig auch für die Fest­set­zung der Kör­per­schaft­steu­er aller an den Ein­künf­ten betei­lig­ten Steu­er­pflich­ti­gen zustän­dig ist 9.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 15. März 2017 – I R 41/​16

  1. BFH, Urtei­le vom 09.05.1984 – I R 25/​81, BFHE 141, 252, BSt­Bl II 1984, 726; in BFH/​NV 1996, 592; vom 17.12 2003 – I R 47/​02, BFH/​NV 2004, 771; BFH, Beschluss vom 29.06.2016 – I B 32/​16, BFH/​NV 2016, 1679; s.a. BFH, Beschlüs­se vom 16.11.2006 – XI B 156/​05, BFH/​NV 2007, 401; vom 22.08.2013 – X B 16 – 17/​13, BFH/​NV 2013, 1763[]
  2. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 16.04.1993 – I B 173/​92, BFH/​NV 1993, 745; BFH, Urtei­le vom 19.04.1989 – X R 3/​86, BFHE 156, 383, BSt­Bl II 1989, 596; in BFH/​NV 1994, 868[]
  3. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2016, 1679[]
  4. BFH, Urteil vom 07.12 2011 – I R 5/​11, BFH/​NV 2012, 556; eben­so BFH, Urteil vom 21.06.1989 – X R 14/​88, BFHE 157, 382, BSt­Bl II 1989, 881[]
  5. die Not­wen­dig­keit eines Fest­stel­lungs­ver­fah­rens beja­hend z.B. Bran­dis in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 180 AO Rz 17; Drüen/​van Heek, Deut­sches Steu­er­recht ‑DStR- 2012, 541, 547; Desens/​Blischke in Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 15 Rz D 17; ver­nei­nend z.B. Klein/​Ratschow, AO, 13. Aufl., § 180 Rz 6; Koenig, Abga­ben­ord­nung, 3. Aufl., § 180 Rz 16[]
  6. BFH, Urteil vom 18.07.1990 – I R 39/​89, BFH/​NV 1991, 498; BFH, Beschluss vom 12.07.1988 – IX B 28/​88, BFH/​NV 1989, 87; s.a. BFH, Urteil in BFHE 145, 308, BSt­Bl II 1986, 239[]
  7. Hess. FG, Urteil vom 31.05.2016 – 4 K 1879/​13[]
  8. vgl. BFH, Urteil vom 19.07.1990 – IV R 11/​89, BFH/​NV 1991, 649[]
  9. BFH, Urtei­le vom 09.09.2010 – IV R 31/​08, BFH/​NV 2011, 413; vom 14.02.2008 – IV R 44/​05, BFH/​NV 2008, 1156[]