Land­wirts­e­he­gat­ten – und die kon­klu­den­te Mit­un­ter­neh­mer­schaft

Ehe­gat­ten kön­nen in der Land- und Forst­wirt­schaft ohne aus­drück­li­chen Gesell­schafts­ver­trag eine Mit­un­ter­neh­mer­schaft bil­den, wenn jeder der Ehe­gat­ten einen erheb­li­chen Teil der selbst bewirt­schaf­te­ten land- und forst­wirt­schaft­li­chen Grund­stü­cke zur Ver­fü­gung stellt 1.

Land­wirts­e­he­gat­ten – und die kon­klu­den­te Mit­un­ter­neh­mer­schaft

Bei der Ermitt­lung des selbst bewirt­schaf­te­ten land- und forst­wirt­schaft­li­chen Grund­be­sit­zes, den jeder Ehe­gat­te zur Ver­fü­gung stellt, sind nicht nur land­wirt­schaft­lich, son­dern auch forst­wirt­schaft­lich genutz­te Flä­chen ein­zu­be­zie­hen.

Unter­hält jeder Ehe­gat­te einen eige­nen land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betrieb, genügt die Selbst­be­wirt­schaf­tung von land- und forst­wirt­schaft­li­chen Flä­chen der Ehe­gat­ten nicht, um eine kon­klu­den­te Mit­un­ter­neh­mer­schaft zu begrün­den. Erfor­der­lich ist, dass die Ehe­gat­ten die Grund­stü­cke gemein­sam in einem Betrieb bewirt­schaf­ten, so dass von einer gemein­sa­men Zweck­ver­fol­gung aus­ge­gan­gen wer­den kann 2.

Unter­neh­mer einer Land- und Forst­wirt­schaft ist der­je­ni­ge, der sie betreibt; das ist der­je­ni­ge, auf des­sen Rech­nung und Gefahr der Betrieb geführt wird 3. Soweit der Betrieb auf die Nut­zung des Grund und Bodens durch Frucht­zie­hung gerich­tet ist, geht er auf Rech­nung und Gefahr des­sen, dem die Nut­zun­gen durch Ver­wer­tung der Früch­te zuste­hen. Denn auf des­sen Risi­ko wird die Land- und Forst­wirt­schaft betrie­ben. In der Regel ist das der Eigen­tü­mer des land- und forst­wirt­schaft­li­chen Grund­be­sit­zes, falls er nicht auf­grund steu­er­recht­lich anzu Rechts­be­zie­hun­gen die Nut­zun­gen die­ses Ver­mö­gens einem ande­ren über­las­sen hat oder mit einem ande­ren tei­len muss 4.

Auch eine Mit­un­ter­neh­mer­schaft kann Inha­be­rin eines land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betriebs sein 5.

Mit­un­ter­neh­mer i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG, der gemäß § 13 Abs. 7 EStG bei den Ein­künf­ten aus Land- und Forst­wirt­schaft ent­spre­chend anzu­wen­den ist, kann nur sein, wer zivil­recht­lich Gesell­schaf­ter einer Per­so­nen­ge­sell­schaft ist oder ‑in Aus­nah­me­fäl­len- auf­grund eines wirt­schaft­lich dem Gesell­schafts­ver­hält­nis ver­gleich­ba­ren Gemein­schafts­ver­hält­nis­ses Unter­neh­mer­ri­si­ko trägt und Unter­neh­mer­initia­ti­ve ent­fal­ten kann 6. Vor­aus­set­zung eines zivil­recht­li­chen Gesell­schafts­ver­hält­nis­ses (§ 705 BGB) ist, dass sich meh­re­re Per­so­nen zur Errei­chung eines gemein­sa­men Zwecks ver­trag­lich zusam­men­schlie­ßen und sich gegen­sei­tig ver­pflich­ten, die­sen durch ihre Bei­trä­ge (§ 706 BGB) zu för­dern.

Für die Annah­me einer Mit­un­ter­neh­mer­schaft genügt auch ein ver­deck­tes Gesell­schafts­ver­hält­nis; eine nach außen nicht in Erschei­nung tre­ten­de und nicht über Gesamt­hands­ver­mö­gen ver­fü­gen­de Innen­ge­sell­schaft reicht aus 7. Eine sol­che kann aller­dings nur dann ange­nom­men wer­den, wenn sich der Ver­pflich­tungs­wil­le der Betei­lig­ten zur Errei­chung eines gemein­sa­men Zwecks (§ 705 BGB) fest­stel­len lässt 8. Ein dem­entspre­chen­der Wil­le der Betei­lig­ten, der auch durch schlüs­si­ges Han­deln zum Aus­druck gebracht wer­den kann, darf dabei nicht fik­tiv unter­stellt wer­den 9.

Ob ein sol­ches (ver­deck­tes) Gesell­schafts­ver­hält­nis vor­liegt, ist unab­hän­gig von der for­ma­len Bezeich­nung der zwi­schen den Betei­lig­ten bestehen­den Rechts­be­zie­hun­gen nach dem Gesamt­bild der Ver­hält­nis­se zu beur­tei­len 10.

Von den Fäl­len eines wirt­schaft­lich ver­gleich­ba­ren Gemein­schafts­ver­hält­nis­ses abge­se­hen kön­nen auch Ehe­gat­ten Mit­un­ter­neh­mer eines Betriebs sein, wenn zwi­schen ihnen ein Gesell­schafts­ver­trag ‑etwa durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten- zustan­de gekom­men ist.

Ver­trä­ge zwi­schen Ehe­leu­ten kön­nen grund­sätz­lich aller­dings nur dann der Besteue­rung zugrun­de gelegt wer­den, wenn sie rechts­wirk­sam zustan­de gekom­men sind, einem Fremd­ver­gleich stand­hal­ten und tat­säch­lich voll­zo­gen wer­den. Die­se Vor­aus­set­zun­gen gel­ten auch für Gesell­schafts­ver­trä­ge 11. Sie bezie­hen sich aber nur auf die Ver­trä­ge, die die Ehe­leu­te nach außen hin wie Frem­de abge­schlos­sen und zum Gegen­stand ihrer Rechts­be­zie­hun­gen gemacht haben 12. Hin­ge­gen kön­nen die­se Vor­aus­set­zun­gen natur­ge­mäß kei­ne Anwen­dung auf die Rechts­ver­hält­nis­se fin­den, die durch die äußer­lich getrof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen gera­de ver­deckt wer­den sol­len. Eine ver­deck­te Mit­un­ter­neh­mer­schaft in Form einer Innen­ge­sell­schaft unter­liegt daher kei­nem Fremd­ver­gleich 13.

Land­wirts­e­he­gat­ten sind nach stän­di­ger Recht­spre­chung auch dann Mit­un­ter­neh­mer, wenn der selbst bewirt­schaf­te­te land- und forst­wirt­schaft­li­che Grund­be­sitz ent­we­der den Ehe­leu­ten gemein­sam oder ein erheb­li­cher Teil des land­wirt­schaft­li­chen Grund­be­sit­zes jedem Ehe­gat­ten zu Allein­ei­gen­tum oder zu Mit­ei­gen­tum gehört und die Ehe­leu­te in der Land­wirt­schaft gemein­sam arbei­ten 14. Das gilt auch dann, wenn kein aus­drück­li­cher Gesell­schafts­ver­trag und kein der Per­so­nen­ge­sell­schaft wirt­schaft­lich ver­gleich­ba­res Gemein­schafts­ver­hält­nis vor­liegt 15. In sol­chen Fäl­len ist von einem durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten (kon­klu­dent) zustan­de gekom­me­nen Gesell­schafts­ver­trag aus­zu­ge­hen. Denn eine Gesell­schaft i.S. von § 705 BGB kann ‑wie oben bereits dar­ge­legt- in Form einer durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten (kon­klu­dent) zustan­de gekom­me­nen Innen­ge­sell­schaft auch dann bestehen, wenn kein Gesell­schafts­ver­hält­nis zwi­schen den Betei­lig­ten aus­drück­lich ver­ein­bart wur­de. Maß­geb­lich ist, dass weder ein gegen­sei­ti­ger Leis­tungs­aus­tausch noch ein blo­ßer fami­liä­rer Bei­stand das Ver­hal­ten bestimmt, son­dern dass ein part­ner­schaft­li­ches Zusam­men­wir­ken auf unter­neh­me­ri­scher Grund­la­ge zur Errei­chung eines gemein­sa­men wirt­schaft­li­chen Zie­les vor­liegt 16.

Die­se Recht­spre­chung beruht ‑wor­auf der BFH wie­der­holt hin­ge­wie­sen hat 17- auf der beson­de­ren Funk­ti­on des Grund und Bodens für die Land- und Forst­wirt­schaft. Denn der Eigen­tü­mer eines land- bzw. forst­wirt­schaft­lich genutz­ten Grund­stücks erhält nicht nur die Gebrauchs­vor­tei­le des Grund­stücks, son­dern er wird auch Eigen­tü­mer der erzeug­ten und wei­ter zu ver­wer­ten­den Früch­te i.S. von § 99 Abs. 1 BGB, falls er nicht einem ande­ren die Aneig­nung gestat­tet hat (§§ 953, 956 BGB). Des­halb betä­tigt sich der Eigen­tü­mer als land- und forst­wirt­schaft­li­cher Unter­neh­mer, wenn er ein land- bzw. forst­wirt­schaft­li­ches Grund­stück selbst bewirt­schaf­tet oder für sich bewirt­schaf­ten lässt, das nach Grö­ße und Boni­tät nach­hal­ti­ge Erträ­ge abwer­fen kann, so dass es ‑anders als z.B. Haus­gär­ten- eine Ein­nah­me­quel­le von Gewicht sein kann 18. Die gemein­sa­me Frucht­zie­hung aus dem selbst bewirt­schaf­te­ten land- und forst­wirt­schaft­li­chen Grund­be­sitz ver­mit­telt den Land­wirts­e­he­gat­ten dabei die für das Bestehen einer Mit­un­ter­neh­mer­schaft nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen erfor­der­li­che Mit­un­ter­neh­mer­initia­ti­ve und das Mit­un­ter­neh­mer­ri­si­ko.

Der Anteil des selbst bewirt­schaf­te­ten land- und forst­wirt­schaft­li­chen Grund­be­sit­zes, den jeder Ehe­gat­te zur Ver­fü­gung gestellt hat, ist in der Regel aber nicht erheb­lich und daher zur Begrün­dung einer kon­klu­den­ten Mit­un­ter­neh­mer­schaft bei Land­wirts­e­he­gat­ten nicht geeig­net, wenn er weni­ger als 10 % der ins­ge­samt land- und forst­wirt­schaft­lich genutz­ten Eigen­tums- und Pacht­flä­chen beträgt 19. Dabei kommt es nicht dar­auf an, ob dem Ehe­gat­ten das Frucht­zie­hungs­recht an den zur Ver­fü­gung gestell­ten Grund­stü­cken als Allein­ei­gen­tü­mer, als Mit­ei­gen­tü­mer oder als Päch­ter zusteht 20.

Die­se Recht­spre­chung, der sich der Bun­des­fi­nanz­hof anschließt, bedeu­tet ‑ent­ge­gen der Ansicht der Ehe­gat­ten- kei­ne gegen Art. 6 des Grund­ge­set­zes ver­sto­ßen­de Benach­tei­li­gung von Ehe­leu­ten. Viel­mehr führt die auf einem kon­klu­dent geschlos­se­nen Gesell­schafts­ver­trag beru­hen­de Mit­un­ter­neh­mer­schaft bei Land­wirts­e­he­gat­ten gera­de zur Anwen­dung der auch unter Frem­den gel­ten­den Maß­stä­be für das Zustan­de­kom­men eines Gesell­schafts­ver­hält­nis­ses durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten 20. Stel­len meh­re­re Per­so­nen Eigen­tums- oder Pacht­flä­chen zu dem gemein­sa­men Zweck zur Ver­fü­gung, die­se in einem Betrieb der Land- und Forst­wirt zu bewirt­schaf­ten, betrei­ben sie als Mit­un­ter­neh­mer­schaft auch ohne aus­drück­li­chen Gesell­schafts­ver­trag Land- und Forst­wirt­schaft, weil auf ihre Rech­nung und Gefahr der Betrieb geführt wird. Dies begrün­det Mit­un­ter­neh­mer­initia­ti­ve und Mit­un­ter­neh­mer­ri­si­ko der Betei­lig­ten. Ehe­leu­te wer­den durch die Annah­me einer Ehe­gat­ten­in­nen­ge­sell­schaft folg­lich nicht benach­tei­ligt, son­dern mit ande­ren Per­so­nen gleich behan­delt, die sich (still­schwei­gend) zur Errei­chung eines gemein­sa­men Zwecks ‑ins­be­son­de­re zu einer gemein­sa­men beruf­li­chen, gewerb­li­chen oder land- und forst­wirt­schaft­li­chen Tätig­keit- zusam­men­ge­schlos­sen haben.

Die Recht­spre­chung der Zivil­ge­rich­te geht eben­falls davon aus, dass ein kon­klu­dent abge­schlos­se­ner Gesell­schafts­ver­trag auch zwi­schen Ehe­gat­ten bestehen kann 21. In neue­rer Zeit hat der BGH die Vor­aus­set­zun­gen für das Vor­lie­gen einer Ehe­gat­ten­in­nen­ge­sell­schaft prä­zi­siert 22 und eine Ehe­gat­ten­in­nen­ge­sell­schaft auch wei­ter­hin aus­drück­lich für mög­lich und zuläs­sig erach­tet 23.

Hin­ge­gen genügt für die Annah­me einer kon­klu­dent begrün­de­ten Mit­un­ter­neh­mer­schaft von Ehe­gat­ten nicht, dass der eine Ehe­gat­te die in sei­nem Allein­ei­gen­tum ste­hen­den land- und forst­wirt­schaft­li­chen Flä­chen zur Bewirt­schaf­tung über­lässt, wäh­rend der ande­re nur sei­ne Arbeits­kraft und Kapi­tal­bei­trä­ge ein­bringt 24. Eben­so wenig reicht es aus, dass der ande­re Ehe­gat­te das für eine Bewirt­schaf­tung des Hofes erfor­der­li­che Inven­tar 25, die ihm zu Eigen­tum über­tra­ge­ne Hof­stel­le 26 oder sons­ti­ge Grund­stü­cke, bei denen die Beson­der­hei­ten der Nut­zung land- und forst­wirt­schaft­li­cher Grund­stü­cke nicht gege­ben sind 27, zur Ver­fü­gung stellt.

Ent­spre­chen­des gilt, wenn jeder Ehe­gat­te einen eige­nen land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betrieb unter­hält. Denn das Frucht­zie­hungs­recht des Eigen­tü­mers oder Päch­ters land- und forst­wirt­schaft­li­cher Grund­stü­cke recht­fer­tigt es zwar, jeweils von einem unter­neh­me­ri­schen Tätig­wer­den der Ehe­gat­ten aus­zu­ge­hen. Die Grund­stü­cke kön­nen daher nicht als Pri­vat­ver­mö­gen behan­delt wer­den, soweit sie im Eigen­tum eines der Ehe­gat­ten ste­hen. Eine kon­klu­dent begrün­de­te Mit­un­ter­neh­mer­schaft liegt jedoch nur dann vor, wenn die Ehe­gat­ten die Grund­stü­cke ‑ohne aus­drück­li­chen Gesell­schafts­ver­trag- gemein­sam in einem Betrieb bewirt­schaf­ten, so dass von einer gemein­sa­men Zweck­ver­fol­gung aus­ge­gan­gen wer­den kann 20.

Nach die­sen Maß­stä­ben rei­chen dem Bun­des­fi­nanz­hof im hier ent­schie­de­nen Fall die Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richts nicht aus, um zu ent­schei­den, ob die Ehe­gat­ten als Mit­un­ter­neh­mer eines land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betriebs anzu­se­hen sind.

Das Finanz­ge­richt Mün­chen 28 war in der Vor­in­stanz der Auf­fas­sung, der Anteil der Ehe­frau an dem gemein­sam bewirt­schaf­te­ten land- und forst­wirt­schaft­li­chen Grund­be­sitz habe in den Streit­jah­ren ca. 28 % betra­gen und sei damit als erheb­lich anzu­se­hen, da er die 10 %-Gren­ze über­schrit­ten habe.

Die­se Annah­me ist nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs jedoch nicht frei von Rechts­feh­lern.

Das Finanz­ge­richt hat im Aus­gangs­punkt aller­dings zutref­fend ange­nom­men, dass bei der Ermitt­lung des gemein­sam bewirt­schaf­te­ten land- und forst­wirt­schaft­li­chen Grund­be­sit­zes, den jeder Ehe­gat­te zur Ver­fü­gung gestellt hat, nicht nur land­wirt­schaft­lich, son­dern auch forst­wirt­schaft­lich genutz­te Flä­chen ein­be­zo­gen wer­den kön­nen 29. Denn auch ein Forst­be­trieb oder ein forst­wirt­schaft­li­cher Teil­be­trieb kann Betriebs­ver­mö­gen einer (kon­klu­den­ten) Mit­un­ter­neh­mer­schaft von Land­wirts­e­he­gat­ten oder Son­der­be­triebs­ver­mö­gen eines Land­wirts­e­he­gat­ten als Mit­un­ter­neh­mer sein 30. Es gibt kei­nen Grund, eine kon­klu­den­te Mit­un­ter­neh­mer­schaft nur bei rein land­wirt­schaft­li­chen Betrie­ben anzu­neh­men. Eine kon­klu­den­te Mit­un­ter­neh­mer­schaft zwi­schen Ehe­gat­ten kann z.B. auch bestehen, wenn sie aus­schließ­lich Forst­wirt­schaft betreibt oder eine Land­wirt­schaft mit einem forst­wirt­schaft­li­chen Teil­be­trieb unter­hält. Der tra­gen­de Gesichts­punkt für die Annah­me einer kon­klu­den­ten Mit­un­ter­neh­mer­schaft, näm­lich die beson­de­re Bedeu­tung des Grund und Bodens, der das ori­gi­nä­re Frucht­zie­hungs­recht (§ 99 Abs. 1 BGB) ver­mit­telt, ist in der Forst­wirt­schaft glei­cher­ma­ßen von Bedeu­tung wie in der Land­wirt­schaft.

Das Finanz­ge­richt hat aber nicht beach­tet, dass eine kon­klu­den­te Mit­un­ter­neh­mer­schaft zwi­schen Land­wirts­e­he­gat­ten nicht in Betracht kommt, wenn jeder Ehe­gat­te einen eige­nen land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betrieb unter­hält. Das Finanz­ge­richt hat zwar aus­ge­führt, die Ehe­gat­ten hät­ten bei­de "den Betrieb der Land- und Forst­wirt­schaft … gemein­sam in Voll­zeit" bewirt­schaf­tet. Dar­in liegt aber kei­ne tatrich­ter­li­che Fest­stel­lung 31; viel­mehr han­delt es sich um eine recht­li­che Schluss­fol­ge­rung des Finanz­ge­richt, die wohl auf der Mei­nung grün­det, ein selb­stän­di­ger forst­wirt­schaft­li­cher Betrieb der Ehe­frau habe nicht bestehen kön­nen, weil im Forst­be­trieb kei­ne Maschi­nen und Gerä­te vor­han­den gewe­sen sei­en, Betriebs­aus­ga­ben aus der Bewirt­schaf­tung des Fors­tes teil­wei­se im land­wirt­schaft­li­chen Betrieb berück­sich­tigt wor­den sei­en, der Ehe­mann im Forst gehol­fen und die Ehe­frau in der Land­wirt­schaft mit­ge­ar­bei­tet habe.

Die Vor­in­stanz hät­te des­sen unge­ach­tet jedoch prü­fen müs­sen, ob die forst­wirt­schaft­lich genutz­ten Grund­stü­cke der Ehe­frau einen eige­nen Betrieb dar­stell­ten 32. Die­se Prü­fung hat das Finanz­ge­richt rechts­feh­ler­haft unter­las­sen. Es wird sie nun­mehr im zwei­ten Rechts­gang nach­zu­ho­len haben. Denn ohne die forst­wirt­schaft­li­chen Grund­stü­cke im Allein­ei­gen­tum der Ehe­frau betrug ihr Anteil des gemein­sam bewirt­schaf­te­ten land- und forst­wirt­schaft­li­chen Grund­be­sit­zes, den sie in den Streit­jah­ren der (angeb­li­chen) Mit­un­ter­neh­mer­schaft zur Ver­fü­gung stell­te, nach den Fest­stel­lun­gen der Vor­in­stanz weni­ger als 10 % der ins­ge­samt land- und forst­wirt­schaft­lich genutz­ten Flä­chen.

Das Finanz­ge­richt wird im zwei­ten Rechts­gang neben nähe­ren Fest­stel­lun­gen zum Wald­be­stand der Ehe­frau und etwai­gen Bewirt­schaf­tungs­maß­nah­men in die­sem Zusam­men­hang zu unter­su­chen haben, ob die Ehe­frau in Bezug auf die in ihrem Eigen­tum ste­hen­den forst­wirt­schaft­li­chen Flä­chen allein nach außen als Betriebs­in­ha­be­rin auf­trat, etwai­ge Betriebs­ein­nah­men an die Ehe­frau geleis­tet wur­den und sie etwai­ge Betriebs­aus­ga­ben trug. Die Ehe­gat­ten haben hier­zu vor­ge­tra­gen, die Ehe­frau habe die Holz­ver­ar­bei­tungs­be­trie­be beauf­tragt, sie sei Abrech­nungs­emp­fän­ge­rin gewe­sen bzw. habe selbst abge­rech­net und die "finan­zi­el­le Abwick­lung" des Forst­be­triebs sei über das eige­ne Bank­kon­to der Ehe­frau erfolgt. Trä­fe die­ser Vor­trag zu, wird im Streit­fall ange­sichts der im Eigen­tum der Ehe­frau ste­hen­den Wald­flä­chen von einem eige­nen Forst­be­trieb der Ehe­frau aus­zu­ge­hen sein. Hier­für spricht des Wei­te­ren, dass die Ehe­frau für den Forst­be­trieb eine vom Betrieb des Ehe­manns getrenn­te Gewinn­ermitt­lung durch­ge­führt und in den Ein­kom­men­steu­er­erklä­run­gen eige­ne Ein­künf­te aus Land- und Forst­wirt­schaft erklärt hat. Das Finanz­ge­richt wird dar­über hin­aus ‑bei Feh­len etwai­ger Bewirt­schaf­tungs­maß­nah­men- auch die Grund­sät­ze zum aus­set­zen­den Forst­be­trieb zu berück­sich­ti­gen haben, den die Ehe­frau im Streit­fall eben­falls geführt haben kann.

Unter­hielt die Ehe­frau einen eige­nen Forst­be­trieb, deu­tet der Umstand, dass der Ehe­mann im Forst der Ehe­frau mit­half und ggf. ein­zel­ne Betriebs­aus­ga­ben über­nahm, ohne aus­drück­lich ver­ein­bar­ten Gesell­schafts­ver­trag oder ander­wei­ti­ge ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen der Ehe­gat­ten unter­ein­an­der nur auf eine rein fak­ti­sche Bewirt­schaf­tung auf fami­liä­rer Grund­la­ge im Rah­men der ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft hin 33.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. Mai 2018 – VI R 45/​16

  1. Bestä­ti­gung des BFH, Urteils vom 25.09.2008 – IV R 16/​07, BFHE 224, 490, BSt­Bl II 2009, 989[]
  2. Anschluss an BFH, Urteil in BFHE 224, 490, BSt­Bl II 2009, 989[]
  3. BFH, Urteil vom 25.09.2008 – IV R 16/​07, BFHE 224, 490, BSt­Bl II 2009, 989[]
  4. BFH, Beschluss vom 07.10.1982 – IV R 186/​79, BFHE 136, 537, BSt­Bl II 1983, 73, und BFH, Urteil vom 02.02.1989 – IV R 96/​87, BFHE 156, 163, BSt­Bl II 1989, 504[]
  5. s. BFH, Beschluss vom 15.11.2017 – VI R 44/​16, BFHE 260, 131, und BFH, Urteil in BFHE 224, 490, BSt­Bl II 2009, 989; Leingärtner/​Wendt, Besteue­rung der Land­wir­te, Kap. 3, Rz 31[]
  6. BFH, Beschlüs­se vom 25.06.1984 – GrS 4/​82, BFHE 141, 405, BSt­Bl II 1984, 751, 768; und vom 25.02.1991 – GrS 7/​89, BFHE 163, 1, BSt­Bl II 1991, 691[]
  7. BFH, Urtei­le vom 22.10.1987 – IV R 17/​84, BFHE 151, 163, BSt­Bl II 1988, 62; und vom 16.12 1997 – VIII R 32/​90, BFHE 185, 190, BSt­Bl II 1998, 480; BGH, Beschluss vom 17.05.1993 – II ZR 175/​92, DStR 1993, 956[]
  8. s. BFH, Urteil vom 08.05.2008 – VI R 50/​05, BFHE 221, 157, BSt­Bl II 2008, 868[]
  9. BFH, Urteil vom 07.04.1987 – VIII R 259/​84, BFHE 150, 331, BSt­Bl II 1987, 766[]
  10. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Urtei­le vom 13.07.1993 – VIII R 50/​92, BFHE 173, 28, BSt­Bl II 1994, 282, m.w.N.; vom 01.08.1996 – VIII R 12/​94, BFHE 181, 423, BSt­Bl II 1997, 272, und in BFHE 185, 190, BSt­Bl II 1998, 480[]
  11. BFH, Urtei­le vom 10.11.1992 – VIII R 100/​90, BFH/​NV 1993, 538; vom 26.11.1992 – IV R 53/​92, BFHE 170, 94, BSt­Bl II 1993, 395; und vom 08.11.1995 – XI R 14/​95, BFHE 179, 100, BSt­Bl II 1996, 133; Schmidt/​Wacker, EStG, 37. Aufl., § 15 Rz 740 ff.[]
  12. z.B. zur Ver­ein­ba­rung über eine stil­le Gesell­schaft BFH, Urteil vom 13.06.1989 – VIII R 47/​85, BFHE 157, 192, BSt­Bl II 1989, 720; zu einer Gewinn­ver­tei­lungs­ab­re­de BFH, Urteil vom 19.01.1993 – VIII R 128/​84, BFHE 170, 511, BSt­Bl II 1993, 594; zu einer Unter­be­tei­li­gungs­ab­re­de zwi­schen Vater und Kin­dern BFH, Urteil vom 27.01.1994 – IV R 114/​91, BFHE 174, 219, BSt­Bl II 1994, 635[]
  13. BFH, Urteil in BFHE 179, 100, BSt­Bl II 1996, 133; Schmidt/​Wacker, a.a.O., § 15 Rz 280[]
  14. zuletzt BFH, Urteil vom 21.12 2016 – IV R 45/​13, BFH/​NV 2017, 459[]
  15. BFH, Urteil vom 22.01.2004 – IV R 44/​02, BFHE 205, 157, BSt­Bl II 2004, 500[]
  16. BFH, Urtei­le vom 14.08.1986 – IV R 248/​84, BFHE 147, 438, BSt­Bl II 1987, 17, und in BFHE 224, 490, BSt­Bl II 2009, 989[]
  17. u.a. BFH, Urteil in BFHE 205, 157, BSt­Bl II 2004, 500, unter 1.c., m.w.N.[]
  18. BFH, Urtei­le in BFHE 156, 163, BSt­Bl II 1989, 504; und vom 26.06.1985 – IV R 149/​83, BFHE 144, 67, BSt­Bl II 1985, 549, für einen Forst­be­trieb[]
  19. BFH, Urtei­le in BFHE 224, 490, BSt­Bl II 2009, 989, und in BFH/​NV 2017, 459[]
  20. BFH, Urteil in BFHE 224, 490, BSt­Bl II 2009, 989[][][]
  21. z.B. BGH, Urtei­le vom 08.07.1982 – IX ZR 99/​80, BGHZ 84, 361; und vom 13.07.1994 XII ZR 1/​93, BGHZ 127, 48[]
  22. BGH, Urteil vom 30.06.1999 XII ZR 230/​96, BGHZ 142, 137[]
  23. z.B. BGH, Urtei­le vom 25.06.2003 XII ZR 161/​01, BGHZ 155, 249; und vom 28.09.2005 XII ZR 189/​02, BGHZ 165, 1[]
  24. BFH, Beschluss in BFHE 136, 537, BSt­Bl II 1983, 73[]
  25. BFH, Urteil in BFHE 170, 94, BSt­Bl II 1993, 395[]
  26. BFH, Urteil vom 27.01.1994 – IV R 26/​93, BFHE 173, 543, BSt­Bl II 1994, 462[]
  27. BFH, Urteil vom 14.08.1986 – IV R 341/​84, BFHE 147, 449, BSt­Bl II 1987, 23[]
  28. FG Mün­chen, Urteil vom 21.04.2016 – 10 K 1375/​15[]
  29. eben­so z.B. Schmidt/​Kulosa, a.a.O., § 13 Rz 167[]
  30. s. BFH, Urteil vom 16.02.1995 – IV R 62/​94, BFHE 177, 100, BSt­Bl II 1995, 592[]
  31. s. dazu BFH, Urteil in BFHE 156, 163, BSt­Bl II 1989, 504[]
  32. zu den Anfor­de­run­gen an das Vor­lie­gen eines Forst­be­triebs s. BFH, Urtei­le vom 09.03.2017 – VI R 86/​14, BFHE 257, 561, BSt­Bl II 2017, 981; und vom 07.04.2016 – IV R 38/​13, BFHE 253, 390, BSt­Bl II 2016, 765, m.w.N.[]
  33. s. BFH, Urteil vom 16.06.1994 – IV R 71 – 72/​93, BFH/​NV 1995, 762[]