Meh­re­re Betrie­ben des­sel­ben Steu­er­pflich­ti­gen – und die For­de­rungs­aus­bu­chung bei fehl­ge­lei­te­ter Zah­lung

Führt ein Steu­er­pflich­ti­ger mit zwei Betrie­ben Ver­rech­nungs­kon­ten, die dazu die­nen, Zah­lun­gen dem­je­ni­gen Betrieb zuzu­ord­nen, an den sie zwar tat­säch­lich nicht geleis­tet sind, zu dem sie aber wirt­schaft­lich gehö­ren, so sind die Sal­den die­ser Ver­rech­nungs­kon­ten in die Ermitt­lung der Betriebs­ver­mö­gen der bei­den Betrie­be ein­zu­be­zie­hen.

Meh­re­re Betrie­ben des­sel­ben Steu­er­pflich­ti­gen – und die For­de­rungs­aus­bu­chung bei fehl­ge­lei­te­ter Zah­lung

Es ent­spricht all­ge­mei­ner Auf­fas­sung und ist z.B. zwin­gen­de Vor­aus­set­zung des § 6 Abs. 5 EStG, dass ein Steu­er­pflich­ti­ger als Ein­zel­un­ter­neh­mer meh­re­re Betrie­be haben kann [1]. Für jeden Betrieb ist eine eige­ne Gewinn­ermitt­lung zu erstel­len. Im Fal­le des Betriebs­ver­mö­gens­ver­gleichs ist folg­lich für jeden Betrieb zu bilan­zie­ren.

Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de i.S. des § 246 Abs. 1 HGB bzw. Wirt­schafts­gü­ter i.S. der §§ 4 Abs. 1, 5 EStG und damit auch For­de­run­gen, die zum Betriebs­ver­mö­gen zäh­len, sind in dem­je­ni­gen Betrieb zu akti­vie­ren, zu dem sie wirt­schaft­lich gehö­ren. For­de­run­gen gegen den Kun­den eines Betriebs sind daher grund­sätz­lich unab­hän­gig von des­sen Zah­lungs­ge­pflo­gen­hei­ten in die­sem Betrieb zu akti­vie­ren. Im Streit­fall hat daher bereits die Akti­vie­rung der For­de­rung das Betriebs­ver­mö­gen des Fuhr­be­triebs erhöht.

Wenn die­ser Kun­de tat­säch­lich sei­ne Schuld begleicht, so ist die For­de­rung aus­zu­bu­chen, auch wenn er mit Bil­li­gung des Steu­er­pflich­ti­gen auf ein dem ande­ren Betrieb zuzu­ord­nen­des Kon­to zahlt. Für die Gegen­bu­chung ist zu dif­fe­ren­zie­ren. Will der Steu­er­pflich­ti­ge die ent­spre­chen­den Mit­tel dem Betrieb, in den sie eigent­lich gehö­ren, nicht zufüh­ren, kann eine Ent­nah­me aus die­sem Betrieb und ggf. eine Ein­la­ge in den Betrieb, an den die Zah­lung geflos­sen ist, vor­lie­gen. Fehlt es dar­an ‑wie hier; der Unter­neh­mer hat nie­mals vor­ge­tra­gen, er habe Mit­tel aus dem Fuhr­be­trieb entnommen‑, so sind die Mit­tel wirt­schaft­lich dem Betrieb zuzu­rech­nen, in dem die For­de­rung ent­stan­den ist.

Hier­an ändert sich nicht allein des­halb etwas, weil die Zah­lung fehl­ge­lei­tet wur­de. Es liegt wei­ter­hin ein zu akti­vie­ren­des Wirt­schafts­gut vor. Gegen die Aus­bu­chung der For­de­rung ist daher ein ande­rer Aktiv­pos­ten ein­zu­bu­chen, der die wirt­schaft­li­che Zuge­hö­rig­keit der Mit­tel bilan­zi­ell abbil­det. Ent­spre­chend ist in dem ande­ren Betrieb zu ver­fah­ren.

Dem ste­hen auch nicht die Über­le­gun­gen des Unter­neh­mers ent­ge­gen, er hät­te statt­des­sen die ent­spre­chen­den Mit­tel im Werk­statt­be­trieb ent­neh­men, in den Fuhr­be­trieb ein­le­gen und so die nach­tei­li­gen Ergeb­nis­se ver­mei­den kön­nen. Eine Gestal­tungs­mög­lich­keit für Inha­ber meh­re­rer Betrie­be, die Zwei­fel an der dar­ge­stell­ten bilan­zi­el­len Behand­lung der fehl­ge­lei­te­ten Zah­lung begrün­den könn­te, bie­tet sich so nicht, da auch Ent­nah­me und Ein­la­ge das Betriebs­ver­mö­gen min­dern bzw. erhö­hen.

Wäre der Unter­neh­mer nach dem von ihm dar­ge­stell­ten, jedoch nicht ver­wirk­lich­ten, Mus­ter vor­ge­gan­gen, so wäre das Betriebs­ver­mö­gen des Werk­statt­be­triebs zwar ver­min­dert wor­den, wäh­rend sich das Betriebs­ver­mö­gen des Fuhr­be­triebs erhöht hät­te. Damit wäre hin­sicht­lich der Grö­ßen­merk­ma­le des Fuhr­be­triebs eine gegen­tei­li­ge Wir­kung als die­je­ni­ge erzielt wor­den, die der Unter­neh­mer wünscht.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 22. April 2015 – X B 156/​14

  1. vgl. etwa das BFH, Urteil vom 24.10.2012 – X R 36/​10, BFH/​NV 2013, 252[]