Mit­tel­ba­rer Sperr­be­trag bei Auf­wärts­ver­schmel­zung

Der Bun­des­fi­nanz­hof setzt das "Gla­xo Wellcome"-Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten 1 um:

Mit­tel­ba­rer Sperr­be­trag bei Auf­wärts­ver­schmel­zung

Kommt es im Rah­men einer kon­zern­in­ter­nen Umstruk­tu­rie­rung zum Erwerb einer Betei­li­gung an einer inlän­di­schen GmbH I von der aus­län­di­schen Mut­ter­ge­sell­schaft durch die inlän­di­sche Toch­ter­ka­pi­tal­ge­sell­schaft II (GmbH II), wird durch die­sen Erwerb ein sog. Sperr­be­trag nach § 50c Abs. 1 EStG 1990 aus­ge­löst; wird die GmbH I als­dann auf die GmbH II ver­schmol­zen (sog. Auf­wärts­ver­schmel­zung), geht der Sperr­be­trag nicht unter, er setzt sich viel­mehr –als mit­tel­ba­rer Sperr­be­trag– an den Antei­len der GmbH II gemäß § 50c Abs. 7 EStG 1990 2 fort 3. Kommt es schließ­lich zu einer form­wech­seln­den Umwand­lung der GmbH II in eine GmbH & Co. KG, sind bei der Ermitt­lung des Übernahmegewinns/​Übernahmeverlusts (§ 4 Abs. 4 und 5 UmwStG 1995) sowohl der mit­tel­ba­re Sperr­be­trag an den Antei­len der GmbH II als auch ein etwai­ger unmit­tel­ba­rer Sperr­be­trag an den Antei­len der GmbH II zu berück­sich­ti­gen, der aus einem Anteils­er­werb an der GmbH II durch eine wei­te­re inlän­di­sche Toch­ter­ge­sell­schaft von der aus­län­di­schen Mut­ter­ge­sell­schaft her­rühr­te 4.

Dass danach eine Wert­min­de­rung von Antei­len durch Gewinn­aus­schüt­tun­gen bei der Gewinn­ermitt­lung nicht zu berück­sich­ti­gen ist (§ 50c EStG 1990), ver­stößt im Grund­satz nicht gegen Gemein­schafts­recht. Dem Steu­er­pflich­ti­gen ist jedoch im Wege einer sog. gel­tungs­er­hal­ten­den Reduk­ti­on des Wort­lauts des § 50c Abs. 4 Satz 1 EStG 1990 die Mög­lich­keit ein­zu­räu­men, den Nach­weis zu erbrin­gen, dass die Anschaf­fungs­kos­ten der Antei­le eine Abgel­tung eines Kör­per­schaft­steu­er­gut­ha­bens an den nicht anrech­nungs­be­rech­tig­ten Ver­äu­ße­rer der Antei­le nicht ein­schlie­ßen 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 3. Febru­ar 2010 – I R 21/​06

  1. EuGH, Urteil vom 17.09.2009 C‑182/​08 "Gla­xo Well­co­me", IStR 2009, 691[]
  2. i.d.F. des Stan­dOG[]
  3. Bestä­ti­gung von BFH, Urteil vom 07.11.2007 – I R 41/​05, BFHE 219, 549, BSt­Bl II 2008, 604[]
  4. Bestä­ti­gung von BFH, Urteil vom 12.11.2008 – I R 77/​07, BFHE 224, 32, BSt­Bl II 2009, 831[]
  5. Anschluss an EuGH, Urteil vom 17.09.2009 C‑182/​08 "Gla­xo Well­co­me", IStR 2009, 691[]