Pri­vat­an­teil nach der 1-%-Methode – und die tat­säch­lich ent­stan­de­nen Kfz-Kos­ten

Im Rah­men der pau­scha­len Bewer­tung der Pri­vat­nut­zung eines betrieb­li­chen Kfz nach der sog. 1-%-Methode ist der pri­va­te Nut­zungs­an­teil nicht auf 50 % der tat­säch­lich ent­stan­de­nen Kos­ten zu begren­zen. Der Gesetz­ge­ber hat mit der Rege­lung in § 6 Abs. 1 Nr. 4 S. 2 EStG nicht sei­nen ihm im Steu­er­recht für Typi­sie­run­gen zur Ver­fü­gung ste­hen­den Gestal­tungs­spiel­raum über­schrit­ten.

Pri­vat­an­teil nach der 1-%-Methode – und die tat­säch­lich ent­stan­de­nen Kfz-Kos­ten

Nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG ist die pri­va­te Nut­zung eines Kraft­fahr­zeugs, das zu mehr als 50 % betrieb­lich genutzt wird, für jeden Kalen­der­mo­nat mit 1 Pro­zent des inlän­di­schen

Lis­ten­prei­ses im Zeit­punkt der Erst­zu­las­sung zuzüg­lich der Kos­ten für Son­der­aus­stat­tung ein­schließ­lich Umsatz­steu­er anzu­set­zen. Dies ist im Streit­fall – dem Grun­de nach unstrei­tig – gesche­hen.

Abwei­chend von die­ser soge­nann­ten 1 %-Rege­lung kann nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 3 EStG die pri­va­te Nut­zung mit den auf die Pri­vat­fahr­ten ent­fal­len­den Auf­wen­dun­gen ange­setzt wer­den, wenn die für das Kfz ins­ge­samt ent­ste­hen­den Auf­wen­dun­gen durch Bele­ge und das Ver­hält­nis der pri­va­ten zu den übri­gen Fahr­ten durch ein ord­nungs­ge­mä­ßes Fahr­ten­buch nach­ge­wie­sen wer­den. Da der Unter­neh­mer im Streit­jahr jedoch kein Fahr­ten­buch geführt hat, ist die 1-%-Regelung zu Recht ange­wen­det wor­den.

Die­se Rege­lung ist nicht unlo­gisch und ver­fas­sungs­ge­mäß 1. Für die vom Unter­neh­mer begehr­te Begren­zung des pri­va­ten Nut­zungs­an­teils auf 50% der tat­säch­lich ent­stan­de­nen Kos­ten fehlt es an einer gesetz­li­chen Grund­la­ge.

Die Lis­ten­preis­re­ge­lung ist auch in der Fas­sung, die für nach dem 31.12.2005 begin­nen­de Wirt­schafts­jah­re gilt (§ 52 Abs. 16 Satz 11 EStG a.F.2009: Ein­füh­rung der 50 %-Gren­ze in § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG), ver­fas­sungs­ge­mäß.

Bei der Beur­tei­lung der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Ansat­zes der Nut­zungs­ent­nah­me des Kfz mit 1% des Lis­ten­prei­ses ist zu berück­sich­ti­gen, dass die­se Rege­lung der Abgren­zung der Auf­wen­dun­gen des Unter­neh­mers für die pri­va­te Lebens­füh­rung von den Betriebs­aus­ga­ben bei der Nut­zung des Kfz dient. Nach der Rege­lung in § 4 Abs. 4 EStG sind Betriebs­aus­ga­ben die Auf­wen­dun­gen, die durch den Betrieb ver­an­lasst sind. Nicht betrieb­lich, d.h. pri­vat ver­an­lass­te Auf­wen­dun­gen stel­len kei­ne Betriebs­aus­ga­ben dar und dür­fen den Gewinn nicht beein­flus­sen. Der Steu­er­pflich­ti­ge trägt die objek­ti­ve Beweis­last (Fest­stel­lungs­last) für eine von ihm behaup­te­te betrieb­li­che Ver­an­las­sung getä­tig­ter Auf­wen­dun­gen 2. Ist bei Ermitt­lung von als Betriebs­aus­ga­ben gel­tend gemach­ten Kos­ten zudem eine Abgren­zung betrieb­li­cher Auf­wen­dun­gen von pri­va­ten Auf­wen­dun­gen erfor­der­lich, trifft den Steu­er­pflich­ti­gen eine gegen­über der Rege­lung in § 90 der Abga­ben­ord­nung 3 erhöh­te Mit­wir­kungs­pflicht bei der Bestim­mung des betrieb­li­chen Auf­wands­an­teils 4.

Anhand vom Steu­er­pflich­ti­gen dar­zu­le­gen­der objek­ti­ver Tat­sa­chen muss dem­nach fest­ste­hen, dass gel­tend gemach­te Auf­wen­dun­gen in tat­säch­li­chem oder wirt­schaft­li­chem Zusam­men­hang mit einer kon­kre­ten Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht ange­fal­len sind und eine ggf. vor­lie­gen­de pri­va­te Mit­ver­an­las­sung unbe­deu­tend ist 5. Fer­ner sind auf Ver­lan­gen ent­spre­chen­de Nach­wei­se bzw. Unter­la­gen vor­zu­le­gen.

Von die­sem Aus­gangs­punkt her ist es gerecht­fer­tigt, zum Nach­weis des betrieb­li­chen Anteils an der Nut­zung des Kfz die Füh­rung eines Fahr­ten­buchs zu ver­lan­gen. Eine ande­re Nach­prü­fung die­ses Nut­zungs­an­teils durch die Finanz­be­hör­den ist wegen des engen Zusam­men­hangs mit der Sphä­re der pri­va­ten Lebens­füh­rung kaum oder gar nicht mög­lich 1. Dem steht auch der Umstand nicht ent­ge­gen, dass es bei der Prü­fung, ob ein Kfz zum not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen gehört, auf ein ord­nungs­ge­mä­ßes Fahr­ten­buch, das min­des­tens 50 % betrieb­li­che Fahr­ten aus­weist, nicht ankommt.

Die in § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG erfolg­te Typi­sie­rung begeg­net auch der Höhe nach kei­nen durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen oder logi­schen Beden­ken. Der Gesetz­ge­ber hat damit nicht sei­nen ihm im Steu­er­recht für Typi­sie­run­gen zur Ver­fü­gung ste­hen­den Gestal­tungs­spiel­raum über­schrit­ten.

Obwohl dem Gesetz­ge­ber bei Typi­sie­run­gen ein wei­ter Spiel­raum zur Ver­fü­gung steht, sind auch ihm gewis­se Gren­zen gesetzt. Die­se sind jedoch erst dann erreicht, wenn die mit der Typi­sie­rung ein­her­ge­hen­den Vor­tei­le nicht mehr im rech­ten Ver­hält­nis zu der mit der Typi­sie­rung not­wen­dig ver­bun­de­nen Ungleich­heit der steu­er­li­chen Belas­tung ste­hen.

Für Typi­sie­run­gen, die vom Steu­er­pflich­ti­gen nicht durch die Erbrin­gung von Nach­wei­sen wider­legt wer­den kön­nen, hat es das BVerfG aller­dings als wesent­lich ange­se­hen, dass davon nur eine klei­ne Zahl von betrof­fe­nen Steu­er­pflich­ti­gen benach­tei­ligt wird, weil sie einen für sie güns­ti­ge­ren Sach­ver­halt als den in der Typi­sie­rung unter­stell­ten ver­wirk­licht haben und dass die­ser Ver­stoß gegen den Gleich­heits­satz im Ein­zel­fall nicht sehr inten­siv ist. Soweit ersicht­lich ist, bezie­hen sich die­se Ein­schrän­kun­gen aber nur auf unwi­der­leg­ba­re Typi­sie­run­gen.

Bei der sog. Ein-Pro­zent-Rege­lung han­delt es sich nicht um eine unwi­der­leg­ba­re Typi­sie­rung, son­dern der Steu­er­pflich­ti­ge kann der Anwen­dung der typi­sie­ren­den Rege­lung durch den Nach­weis des tat­säch­li­chen Sach­ver­halts ent­ge­hen. Hier kann es nicht dar­auf ankom­men, ob sich die Typi­sie­rung nur für eine klei­ne Zahl von Steu­er­pflich­ti­gen nach­tei­lig aus­wirkt; denn der Steu­er­pflich­ti­ge muss die Typi­sie­rung nicht gegen sich gel­ten las­sen, wenn er den tat­säch­li­chen Sach­ver­halt nach­weist. Denn der Bür­ger hat kein sich aus der Ver­fas­sung erge­ben­des Recht dar­auf, dass ihm eine Rege­lung mit den für ihn güns­tigs­ten Mög­lich­kei­ten 6 zur Aus­wahl ange­bo­ten wird 7. Die­se Rege­lung ist in sich fol­ge­rich­tig und nicht will­kür­lich.

Die Gegen­an­sicht begrün­det ihren Vor­wurf der feh­len­den Logik ver­fas­sungs­recht­lich damit, dass Fol­ge­rich­tig­keit ein Ver­fas­sungs­grund­satz ist 8. Indes gibt es kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­satz dahin, dass bei gemischt pri­vat und beruf­lich ver­an­lass­ten Aus­ga­ben eine letzt­lich durch Schät­zung ermit­tel­te pro­zen­tua­le Quo­te beruf­li­cher Nut­zung einen ent­spre­chen­den quo­ta­len Abzug von Auf­wen­dun­gen nach sich zie­hen muss. Viel­mehr gilt der Grund­satz, dass eine Ver­let­zung des Gleich­heits­sat­zes bei jeder Sach­ver­halts­kon­stel­la­ti­on nach jeweils sach­ge­rech­ten Kri­te­ri­en 9 fest­ge­stellt wer­den muss, ohne Ein­schrän­kung. Auch zwingt die Ver­fas­sung den Gesetz­ge­ber nicht dazu, bei der Prü­fung, ob not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen vor­liegt, die glei­chen Kri­te­ri­en anzu­wen­den, wie bei der Ermitt­lung der Höhe der pri­va­ten Auf­wen­dun­gen.

Die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist auch auf die Fas­sung des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG für Wirt­schafts­jah­re, die nach dem 31.12.2005 begin­nen, ohne Beson­der­hei­ten anzu­wen­den. Denn durch die Geset­zes­än­de­rung ab dem Jahr 1996 hat sich die Rechts­la­ge betref­fend die Streit­fra­ge nicht wesent­lich geän­dert. Auch bereits zuvor war bei not­wen­di­gem Betriebs­ver­mö­gen die Lis­ten­preis­me­tho­de anzu­wen­den.

Im Übri­gen kommt es nicht dar­auf an, ob bei iso­lier­ter Betrach­tung eines ein­zel­nen Ver­an­la­gungs­zeit­raums der pau­scha­le Wert der Nut­zungs­ent­nah­me nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG die für das genutz­te Kfz ins­ge­samt tat­säch­lich ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen über­steigt. Ein sol­cher Sach­ver­halt liegt nicht vor. Der vom Unter­neh­mer errech­ne­te Kos­ten­an­teil liegt bei 70 % und nicht über 100 % der Gesamt­kos­ten 10.

Finanz­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 9. Dezem­ber 2014 – – 6 K 2338/​11

  1. BFH, Urteil vom 24.02.2000 – III R 59/​98, BSt­Bl II 2000, 273[][]
  2. BFH, Urteil vom 24.06.1976 – IV R 101/​75, BSt­Bl II 1976, 562[]
  3. AO 1977[]
  4. BFH, Beschluss vom 04.07.1990 – GrS 2 – 3/​88, BSt­Bl II 1990, 817, 828[]
  5. BFH, Urtei­le vom 25.11.1993 – IV R 37/​93, BSt­Bl II 1994, 350; vom 26.11.1997 – X R 146/​94, BFH/​NV 1998, 961[]
  6. im Streit­fall: kei­ne Fahr­ten­buch­füh­rung und eine dem jewei­li­gen Ein­zel­fall ange­pass­te Abgren­zung der Betriebs­aus­ga­ben von den Auf­wen­dun­gen für die pri­va­te Kfz-Nut­zung[]
  7. BFH, Urtei­le vom 13.12.2012 – VI R 51/​11, BSt­Bl II 2013, 385; und vom 24.02.2000 – III R 59/​98, BSt­Bl II 2000, 273[]
  8. vgl. zur Fol­ge­rich­tig­keit den Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts – BVerfG – vom 06.07.2010 2 BvL 13/​09, BSt­Bl II 2011, 318[]
  9. vgl. zur Viel­falt gemisch­ter Auf­wen­dun­gen die unter­schied­li­chen Abzugs­re­ge­lun­gen in § 4 Abs. 5 EStG[]
  10. BFH, Urteil vom 23.02.2000 – III R 59/​98, BSt­Bl II 2000, 273[]