Pri­va­te Dach­ge­schoss­nut­zung in der Betriebs­auf­spal­tung

Ein Gebäu­de kann aus meh­re­ren Wirt­schafts­gü­tern bestehen; maß­ge­bend ist der jewei­li­ge Nut­zungs- und Funk­ti­ons­zu­sam­men­hang 1; wird ein Gebäu­de teils eigen­be­trieb­lich, teils fremd­be­trieb­lich, teils zu eige­nen Wohn­zwe­cken, teils zu frem­den Wohn­zwe­cken genutzt, ist jeder der vier unter­schied­lich genutz­ten Gebäu­de­tei­le ein beson­de­res Wirt­schafts­gut 2.

Pri­va­te Dach­ge­schoss­nut­zung in der Betriebs­auf­spal­tung

Im Streit­fall ist das Dach­ge­schoss betrieb­lich genutzt, da es –unab­hän­gig von der tat­säch­li­chen pri­va­ten Mit­be­nut­zung– an die GmbH im Zuge einer Betriebs­auf­spal­tung gewerb­lich ver­mie­tet wur­de. Die pri­va­te Nut­zung des Dach­ge­schos­ses ist eine ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung der GmbH an den Klä­ger, die der Klä­ger nach § 15 EStG i.V.m. § 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 und Abs. 3 EStG im Rah­men sei­nes Besitz­un­ter­neh­mens zu ver­steu­ern hat. Die pri­va­te Nut­zung der Dach­ge­schoss­räu­me lässt die betrieb­li­che Ver­an­las­sung der Ver­mie­tung an die GmbH unbe­rührt, ist aber als gesell­schaft­lich ver­an­lass­te Vor­teils­ge­wäh­rung der GmbH an den Klä­ger zu erfas­sen.

Eine ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung i.S. des § 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG liegt vor, wenn die Kapi­tal­ge­sell­schaft ihrem Gesell­schaf­ter außer­halb der gesell­schafts­recht­li­chen Gewinn­ver­tei­lung einen Ver­mö­gens­vor­teil zuwen­det und die­se Zuwen­dung ihren Anlass im Gesell­schafts­ver­hält­nis hat. Im Rah­men des § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG ist die ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung beim Gesell­schaf­ter zu erfas­sen, wenn ihm der Ver­mö­gens­vor­teil zufließt 3. Eine gesell­schaft­li­che Ver­an­las­sung ist gege­ben, wenn ein ordent­li­cher und gewis­sen­haf­ter Geschäfts­füh­rer die­sen Vor­teil unter sonst glei­chen Umstän­den einem Nicht­ge­sell­schaf­ter nicht zuge­wen­det hät­te 4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 9. Dezem­ber 2009 – X R 52/​06

  1. BFH, Urteil vom 14.02.2007 – XI R 18/​06, BFHE 216, 566, BSt­Bl II 2009, 957, zu Mie­ter­ein­bau­ten; R 7.2 Abs. 3 EStR 2008[]
  2. vgl. BFH, Beschluss vom 26.11.1973 – GrS 5/​71, BFHE 111, 242, BSt­Bl II 1974, 132; Plü­ckebaum, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 4 Rz B 78; Schmidt/​Heinicke, a.a.O., § 4 Rz 193[]
  3. BFH, Urteil vom 19.06.2007 – VIII R 34/​06, BFH/​NV 2007, 2291[]
  4. BFH, Urtei­le vom 25.05.2004 – VIII R 4/​01, BFHE 207, 103; und vom 13.12.2006 – VIII R 31/​05, BFHE 216, 214, BSt­Bl II 2007, 393; Wre­de in Herrman/​Heuer/​Raupach, § 20 EStG Rz 240; Blümich/​Stuhrmann, § 20 EStG Rz 75; Schmidt/​Weber-Grel­let, a.a.O., § 20 Rz 60 f.[]