Pri­va­te Pkw-Nut­zung im Taxi­ge­wer­be

Auch die Pri­vat­nut­zung von Taxen unter­fällt dem Anwen­dungs­be­reich des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG. Lis­ten­preis i.S. des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG ist nur der Preis, zu dem der Steu­er­pflich­ti­ge das Fahr­zeug als Pri­vat­kun­de erwer­ben könn­te.

Pri­va­te Pkw-Nut­zung im Taxi­ge­wer­be

Die Besteue­rung der Pri­vat­nut­zung von Taxen nach der sog. 1 %-Rege­lung erfolgt mit­hin auf der Grund­la­ge des all­ge­mei­nen Lis­ten­prei­ses, nicht aber nach beson­de­ren Her­stel­ler­preis­lis­ten für Taxen und Miet­wa­gen. Lis­ten­preis ist dabei nur der Preis, zu dem ein Steu­er­pflich­ti­ger das Fahr­zeug auch als Pri­vat­kun­de erwer­ben kann.

In dem vom Bun­des­fi­nanz­hof beur­teil­ten Fall nutz­te der Taxi­un­ter­neh­mer sein Taxi nicht nur für sein Taxi­un­ter­neh­men, son­dern auch pri­vat. Ein­kom­men­steu­er­recht­lich ent­schied er sich für die sog. 1 %-Rege­lung, d.h. er ver­steu­er­te für die Pri­vat­nut­zung monat­lich 1 % des Lis­ten­prei­ses gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes. Maß­geb­lich ist dabei der inlän­di­sche Lis­ten­preis im Zeit­punkt der Erst­zu­las­sung zuzüg­lich der Kos­ten für Son­der­aus­stat­tung ein­schließ­lich Umsatz­steu­er. Im Streit­fall leg­te der Taxi­un­ter­neh­mer den Brut­to­lis­ten­preis aus einer vom Her­stel­ler her­aus­ge­ge­be­nen Preis­lis­te für Taxen und Miet­wa­gen zugrun­de. Das Finanz­amt war jedoch der Ansicht, dass der höhe­re, mit Hil­fe der Fahr­zeug-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer abge­frag­te Lis­ten­preis her­an­zu­zie­hen sei.

Vor dem Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf hat­te der Taxi­un­ter­neh­mer zunächst Erfolg 1. Anders nun jedoch der Bun­des­fi­nanz­hof: Die­ser hob das Urteil des Finanz­ge­richts auf und ent­schied, dass der für die 1 %-Rege­lung maß­geb­li­che Lis­ten­preis der­je­ni­ge ist, zu dem ein Steu­er­pflich­ti­ger das Fahr­zeug als Pri­vat­kun­de erwer­ben könn­te. Denn der im Gesetz erwähn­te Lis­ten­preis soll nicht die Neu­an­schaf­fungs­kos­ten und auch nicht den gegen­wär­ti­gen Wert des Fahr­zeugs abbil­den, viel­mehr han­delt es sich um eine gene­ra­li­sie­ren­de Bemes­sungs­grund­la­ge für die Bewer­tung der Pri­vat­nut­zung eines Betriebs-Pkw.

Das Urteil betrifft einen Taxi­un­ter­neh­mer. Es hat dar­über hin­aus auch Bedeu­tung für alle Son­der­preis­lis­ten mit Son­der­ra­bat­ten, die ein Fahr­zeug­her­stel­ler bestimm­ten Berufs­grup­pen gewährt.

Nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG ist die pri­va­te Nut­zung eines Kraft­fahr­zeugs, das zu mehr als 50 % betrieb­lich genutzt wird, für jeden Kalen­der­mo­nat mit 1 % des inlän­di­schen Lis­ten­prei­ses im Zeit­punkt der Erst­zu­las­sung zuzüg­lich der Kos­ten für Son­der­aus­stat­tung ein­schließ­lich Umsatz­steu­er anzu­set­zen.

§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG bezweckt die ver­ein­fach­te Bewer­tung der pri­va­ten Nut­zung betrieb­li­cher Kraft­fahr­zeu­ge 2 und ent­hält des­halb mit der dar­in sta­tu­ier­ten 1 %-Metho­de eine grund­sätz­lich zwin­gen­de, grob typi­sie­ren­de und pau­scha­lie­ren­de Bewer­tungs­re­ge­lung 3.

Auch Taxen unter­fal­len dem Anwen­dungs­be­reich des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG. Denn bei Taxen han­delt es sich typi­scher­wei­se um Fahr­zeu­ge, die für den Trans­port von Per­so­nen nebst einer gewis­sen Men­ge Gepäck und damit für pri­va­te Zwe­cke ver­schie­dens­ter Art geeig­net sind. Es han­delt sich somit um Fahr­zeu­ge, die typi­scher­wei­se auch für pri­va­te Zwe­cke genutzt wer­den kön­nen 4.

Unter dem inlän­di­schen Lis­ten­preis im Zeit­punkt der Erst­zu­las­sung ist die an die­sem Stich­tag maß­geb­li­che Preis­emp­feh­lung des Her­stel­lers zu ver­ste­hen, die für den End­ver­kauf des tat­säch­lich genutz­ten Fahr­zeug­mo­dells auf dem inlän­di­schen Neu­wa­gen­markt gilt 5.

Bestehen meh­re­re Preis­emp­feh­lun­gen des Her­stel­lers für ein Fahr­zeug, müs­sen die betrieb­li­chen Beson­der­hei­ten auf Käu­fer­sei­te (z.B. Unter­neh­mens­ge­gen­stand) unbe­rück­sich­tigt blei­ben. Preis­lis­te i.S. des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG ist nur die­je­ni­ge, die einen Preis aus­weist, zu dem der Steu­er­pflich­ti­ge das Fahr­zeug auch als Pri­vat­kun­de erwer­ben könn­te.

Dies ergibt sich aus dem Zweck des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG. Die vom Gesetz­ge­ber zu Grun­de geleg­te Bemes­sungs­grund­la­ge des Brut­to­lis­ten­neu­prei­ses soll nicht die tat­säch­li­chen Neu­an­schaf­fungs­kos­ten des Fahr­zeugs und erst recht nicht des­sen gegen­wär­ti­gen Wert im Zeit­punkt der Über­las­sung mög­lichst rea­li­täts­ge­recht abbil­den. Der Brut­to­lis­ten­neu­preis ist viel­mehr eine gene­ra­li­sie­ren­de Bemes­sungs­grund­la­ge, die den Nut­zungs­vor­teil ins­ge­samt zu gewin­nen sucht, der indes­sen ungleich mehr umfasst als die Über­las­sung des genutz­ten Fahr­zeugs selbst. Denn der tat­säch­li­che geld­wer­te Vor­teil ent­spricht dem Betrag, der vom Steu­er­pflich­ti­gen als Pri­vat­per­son für eine ver­gleich­ba­re Nut­zung auf­ge­wandt wer­den müss­te und den er durch die Nut­zung des betrieb­li­chen Fahr­zeugs erspart 6. Der Ansatz des Lis­ten­prei­ses statt der Anschaf­fungs­kos­ten ent­spricht dem Erfor­der­nis, die Ent­nah­me des Steu­er­pflich­ti­gen für die pri­va­te Lebens­füh­rung nach dem Nut­zungs­vor­teil zu bemes­sen, der dem Steu­er­pflich­ti­gen zukommt 7. Aus die­sem Grund kann auch nur die­je­ni­ge Preis­emp­feh­lung des Her­stel­lers für die Beur­tei­lung als Brut­to­lis­ten­neu­preis maß­geb­lich sein, die für den Steu­er­pflich­ti­gen als Pri­vat­per­son gel­ten wür­de.

Ent­spre­chend die­ser objek­ti­vie­ren­den Aus­le­gung des Merk­mals Lis­ten­preis i.S. des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG wird auch nicht zwi­schen neu und gebraucht erwor­be­nen Fahr­zeu­gen dif­fe­ren­ziert. Viel­mehr ist auch bei gebraucht erwor­be­nen Fahr­zeu­gen der Brut­to­lis­ten­neu­preis im Zeit­punkt der Erst­zu­las­sung des Kraft­fahr­zeugs maß­geb­lich 8, und zwar unab­hän­gig davon, ob das Fahr­zeug ursprüng­lich von einem Taxi­un­ter­neh­mer oder von einer Pri­vat­per­son gekauft wur­de.

Zu die­sen Grund­sät­zen steht die Vor­ent­schei­dung des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf 1 im Wider­spruch. Das Finanz­ge­richt ist zu Unrecht davon aus­ge­gan­gen, dass nicht der fest­ge­stell­te rech­ne­ri­sche Lis­ten­preis, son­dern ‑bei meh­re­ren vom Her­stel­ler am Markt bekannt gemach­ten Preis­lis­ten- die vom Ver­käu­fer tat­säch­lich zugrun­de geleg­te Preis­lis­te zur Anwen­dung kommt.

Im hier ent­schie­de­nen Streit­fall han­del­te es sich um ein Fahr­zeug, für das ohne tat­säch­li­che Unter­schie­de hin­sicht­lich Aus­stat­tung und Tech­nik zwei unter­schied­li­che Preis­emp­feh­lun­gen des Her­stel­lers vor­la­gen.

Als Pri­vat­per­son hät­te der Taxi­un­ter­neh­mer das Fahr­zeug, den PKW der Mar­ke A, nicht auf­grund der Preis­lis­te "Taxi und Miet­wa­gen" bezie­hen kön­nen. Grund­la­ge für den Kauf­preis wäre viel­mehr die all­ge­mei­ne Preis­emp­feh­lung des Her­stel­lers gewe­sen, wie sie im Streit­fall von der Fir­maNie­der­las­sung mit­ge­teilt wor­den ist. Daher ist auch die­se für die Bewer­tung des pri­va­ten Nut­zen­vor­teils i.S. des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG maß­geb­lich. Nur die­se all­ge­mei­ne Preis­emp­feh­lung ist Lis­ten­preis i.S. des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 8. Novem­ber 2018 – III R 13/​16

  1. FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 23.10.2015 – 14 K 2436/​14 E, G, U[][]
  2. vgl. die amt­li­che Geset­zes­be­grün­dung in BT-Drs. 13/​1686, S. 8[]
  3. BFH, Urtei­le vom 13.02.2003 – X R 23/​01, BFHE 201, 499, BSt­Bl II 2003, 472, unter II. 1.a; vom 16.02.2005 – VI R 37/​04, BFHE 209, 221, BSt­Bl II 2005, 563, unter II. 2.a; vom 07.11.2006 – VI R 19/​05, BFHE 215, 256, BSt­Bl II 2007, 116, unter II. 2.a; vom 13.10.2010 – VI R 12/​09, BFHE 231, 540, BSt­Bl II 2011, 361, Rz 11; vom 13.12 2012 – VI R 51/​11, BFHE 240, 69, BSt­Bl II 2013, 385, Rz 12, und BFH, Urteil vom 09.11.2017 – III R 20/​16, BFHE 260, 113, BSt­Bl II 2018, 278, Rz 13[]
  4. BFH, Beschluss vom 18.04.2013 – X B 18/​12, BFH/​NV 2013, 1401, m.w.N.[]
  5. BFH, Urtei­le in BFHE 260, 113, BSt­Bl II 2018, 278, Rz 16; in BFHE 209, 221, BSt­Bl II 2005, 563, unter II. 2.a[]
  6. BFH, Urteil in BFHE 260, 113, BSt­Bl II 2018, 278, Rz 15[]
  7. BFH, Urtei­le vom 24.02.2000 – III R 59/​98, BFHE 191, 286, BSt­Bl II 2000, 273, unter II. 4.b cc, und in BFHE 260, 113, BSt­Bl II 2018, 278, Rz 15[]
  8. BFH, Urteil vom 01.03.2001 – IV R 27/​00, BFHE 195, 200, BSt­Bl II 2001, 403[]