Prü­fung der Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht in der Anlauf­pha­se bei Ver­lust­be­trie­ben

Bei der Unter­schei­dung zwi­schen einer auf Gewinn­erzie­lung aus­ge­rich­te­ten unter­neh­me­ri­schen Tätig­keit und der der Pri­vat­sphä­re zuzu­rech­nen­den Lieb­ha­be­rei stellt der Bun­des­fi­nanz­hof auf die Beson­der­hei­ten der jeweils zu wür­di­gen­den Ver­hält­nis­se ab [1]. Die Anlauf­zeit eines neu auf­ge­bau­ten Betriebs ist daher je nach der Eigen­art betriebs­spe­zi­fisch fest­zu­le­gen [2]. Eben­so hängt es von der Eigen­art des Betriebs ab, wann eine wesent­li­che Aus­wei­tung der geschäft­li­chen Tätig­keit vor­liegt und ab wann von einer Ver­än­de­rung des Unter­neh­mens­ge­gen­stan­des gespro­chen wer­den kann. Eine Ant­wort auf die von den Klä­gern gestell­te Rechts­fra­ge hängt daher maß­geb­lich von den Ver­hält­nis­sen des Ein­zel­falls ab und kann nicht gene­rell und abs­trakt beant­wor­tet wer­den.

Prü­fung der Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht in der Anlauf­pha­se bei Ver­lust­be­trie­ben

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs kann einer unter­neh­me­ri­schen Tätig­keit in Aus­nah­me­fäl­len die steu­er­li­che Aner­ken­nung ver­sagt wer­den, auch wenn der Anlauf­zeit­raum noch nicht abge­schlos­sen ist. Dies gilt u.a. in Fäl­len, in denen auf­grund der bekann­ten Ent­wick­lung des Betriebs ein­deu­tig fest­steht, dass er so, wie er vom Steu­er­pflich­ti­gen betrie­ben wur­de, von vorn­her­ein nicht in der Lage war, nach­hal­ti­ge Gewin­ne zu erzie­len und des­halb nach objek­ti­ver Beur­tei­lung von Anfang an kei­ne Ein­kunfts­quel­le im Sin­ne des Ein­kom­men­steu­er­rechts dar­ge­stellt hat [3].

In sei­nem Urteil in BFHE 218, 163, BStBl II 2007, 874 hat der Bun­des­fi­nanz­hof dar­auf hin­ge­wie­sen, dass solan­ge der Anlauf­zeit­raum noch nicht abge­schlos­sen sei, einer unter­neh­me­ri­schen Tätig­keit, selbst wenn sie von Beginn an nur Ver­lus­te ein­ge­bracht habe und nach der Art, wie sie betrie­ben wer­de, auch auf Dau­er gese­hen nicht geeig­net sei, Gewin­ne abzu­wer­fen, nur in Aus­nah­me­fäl­len die steu­er­li­che Aner­ken­nung ver­sagt wer­den kön­ne.

In sei­nem Urteil in BFHE 181, 133, BStBl II 1997, 202 hat der Bun­des­fi­nanz­hof zwar dar­auf hin­ge­wie­sen, dass bei neu gegrün­de­ten Gewer­be­be­trie­ben der Beweis des ers­ten Anscheins grund­sätz­lich für eine Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht spre­che. Er macht aber eben­falls für die Sach­ver­hal­te eine Ein­schrän­kung, in denen die Art des Betriebs bzw. sei­ne Bewirt­schaf­tung von vorn­her­ein gegen eine Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht sprä­chen, weil das Unter­neh­men nach der Lebens­er­fah­rung typi­scher­wei­se dazu bestimmt und geeig­net sei, per­sön­li­chen Nei­gun­gen der Steu­er­pflich­ti­gen oder der Erlan­gung wirt­schaft­li­cher Vor­tei­le außer­halb der Ein­kom­mens­sphä­re zu die­nen. Ver­lus­te der Anlauf­zeit könn­ten nur dann steu­er­recht­lich nicht aner­kannt wer­den, wenn auf­grund der bekann­ten Ent­wick­lung des Betriebs ein­deu­tig fest­ste­he, dass der Betrieb, so wie ihn der Steu­er­pflich­ti­ge betrie­ben habe, von vorn­her­ein nicht in der Lage gewe­sen sei, nach­hal­ti­ge Gewin­ne zu erzie­len und des­halb nach objek­ti­ver Beur­tei­lung von Anfang an kei­ne Ein­kunfts­quel­le im Sin­ne des Ein­kom­men­steu­er­rechts dar­ge­stellt habe.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat in sei­nen Ent­schei­dun­gen vom 6. Novem­ber 2001 und vom 5. März 2007 [4] auch kei­nes­wegs für jed­we­de Tätig­keit einen Pro­gno­se­zeit­raum (Total­ge­winn­pe­ri­ode) von typi­sie­rend 30 Jah­ren ange­setzt. Er hat die­sen viel­mehr von der Art der jewei­li­gen Betä­ti­gung abhän­gig gemacht und zur Begrün­dung des Pro­gno­se­zeit­raums von 30 Jah­ren die Über­le­gung her­an­ge­zo­gen, dass bei einer Immo­bi­li­en­fi­nan­zie­rung zu Stan­dard­kon­di­tio­nen die Kre­di­te inner­halb einer Lauf­zeit von 25 bis 30 Jah­ren getilgt wür­den [5]. Es ist nicht ohne wei­te­res erkenn­bar, inwie­weit die­ser Gedan­ke auf ande­re gewerb­li­chen Akti­vi­tä­ten über­tra­gen wer­den könn­te.

Zudem ist höchst­rich­ter­lich geklärt, dass sich der zeit­li­che Maß­stab für die Beur­tei­lung der Ein­kunfts­er­zie­lungs­ab­sicht anhand des Stre­bens nach einem Total­ge­winn bzw. einem Total­über­schuss im Regel­fall aus der jewei­li­gen Gesamt­dau­er der Betä­ti­gung ergibt [6].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 10. April 2013 – X B 106/​12

  1. z.B. BFH, Urteil vom 14.03.1985 – IV R 8/​84, BFHE 143, 355, BStBl II 1985, 424[]
  2. BFH, Urteil vom 25.06.1996 – VIII R 28/​94, BFHE 181, 133, BStBl II 1997, 202[]
  3. vgl. auch BFH, Urtei­le vom 15.11.1984 – IV R 139/​81, BFHE 142, 464, BStBl II 1985, 205; in BFHE 181, 133, BStBl II 1997, 202, unter II.3.a, jeweils m.w.N.; vom 14.12.2004 – XI R 6/​02, BFHE 208, 557, BStBl II 2005, 392, unter II.2.c, und vom 23.05.2007 – X R 33/​04, BFHE 218, 163, BStBl II 2007, 874[]
  4. BFH, Urteil vom 06.11.2001 – IX R 97/​00, BFHE 197, 151, BStBl II 2002, 726; und vom 05.03.2007 – X B 146/​05, BFH/​NV 2007, 1125[]
  5. vgl. BFH, Urteil in BFHE 197, 151, BStBl II 2002, 726, unter II.1.e cc[]
  6. vgl. BFH, Urteil vom 15.12.1999 – X R 23/​95, BFHE 190, 460, BStBl II 2000, 267, m.w.N. aus der Recht­spre­chung[]