Radio-Wer­be­spots und ihre Spre­cher

Spre­cher für Radio-Wer­be­spots sind, zumin­dest steu­er­lich gese­hen, nach Ansicht des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz nicht künst­le­risch tätig.

Radio-Wer­be­spots und ihre Spre­cher

In einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil hat das FG zu der Fra­ge Stel­lung genom­men, ob die Erstel­lung von Sprach­auf­nah­men für den Rund­funk (Wer­be­tex­te) als künst­le­ri­sche Tätig­keit zu betrach­ten ist und daher bei der Ein­kom­men­steu­er zu Ein­künf­ten aus frei­be­ruf­li­cher Tätig­keit führt oder ob – bei feh­len­dem künst­le­ri­schem Ele­ment – (nur) Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb gege­ben sind. Bei Ein­künf­ten aus Gewer­be­be­trieb wer­den die erziel­ten Gewin­ne noch zusätz­lich der Gewer­be­steu­er unter­wor­fen, bei Ein­künf­ten aus frei­be­ruf­li­cher Tätig­keit nicht.

Der Klä­ger war der Ansicht, sei­ne Tätig­keit als Spre­cher sei kein Zufalls­pro­dukt, son­dern Ergeb­nis einer lau­fen­den Schu­lung und Übung des Spre­chens. Das Spre­chen sei als Kunst anzu­se­hen, weil durch Beto­nun­gen, Sen­ken, Erhe­ben und Ver­än­de­rung der Stim­me, Stimm­la­ge und Spra­che aus einem Text erst ein Kunst­werk ent­ste­he. Nur ein Künst­ler habe in die­sem Métier Erfolg. Die Künst­ler­so­zi­al­kas­se und die Bun­des­ver­si­che­rungs­an­stalt sähen den Spre­cher als Künst­ler. In der Regel hät­ten die heu­ti­gen Funk­spots ein so hohes Niveau erreicht, dass der eigent­li­chen Wer­be­aus­sa­ge ein „Kurz­hör­spiel” vor­aus­ge­he. Hör­spiel­spre­cher sei­en als Künst­ler aner­kannt.

Das Finanz­amt war dem­ge­gen­über der Ansicht, die Erstel­lung von Tex­ten für die Radio­wer­bung sei kei­ne künst­le­ri­sche Tätig­keit und ver­an­lag­te den erklär­ten Gewinn bei den Ein­künf­ten aus Gewer­be­be­trieb. Allein in der Stimm­be­herr­schung sei noch kei­ne künst­le­ri­sche Tätig­keit zu sehen, viel­mehr müss­ten für die Annah­me einer künst­le­ri­schen Betä­ti­gung noch ande­re Ele­men­te hin­zu­tre­ten, wie z.B. ein ernst­haf­ter schau­spie­le­ri­scher Ein­satz. Dies sei nicht der Fall bei einem Schau­spie­ler als Spre­cher von Wer­be­tex­ten oder einem Rund­funk­spre­cher, der ledig­lich Nach­rich­ten lese. Anders hin­ge­gen ver­hal­te es sich bei einer Tätig­keit in einer Sprech­rol­le z.B. in einem Hör­spiel, die eine eige­ne schöp­fe­ri­sche Gestal­tung erlau­be. Die­ser Fall sei hier jedoch nicht gege­ben.

Die dage­gen ange­streng­te Kla­ge hat­te kei­nen Erfolg. Das FG Rhein­land-Pfalz führ­te u.a. aus, das Spre­chen von Wer­be­tex­ten im Rah­men der Hör­funk und Fern­seh­wer­bung kön­ne nur dann im Ein­zel­fall als eigen­schöp­fe­ri­sche Leis­tung von künst­le­ri­schem Rang ange­se­hen wer­den, wenn der jewei­li­ge Spre­cher eine grö­ße­re Rol­le zu ver­kör­pern habe, die ihrer Art und in ihrem Umfang nach mit einer typi­schen schau­spie­le­ri­schen oder sons­ti­gen künst­le­ri­schen Tätig­keit ver­gleich­bar sei. An einem künst­le­ri­schen Gestal­tungs­spiel­raum feh­le es, wenn sich die Tätig­keit ledig­lich dar­auf beschrän­ke, die Rol­le eines nor­ma­len Pro­dukt­be­nut­zers zu spre­chen oder zu spie­len, sowie ledig­lich den Gegen­stand der Wer­bung anzu­prei­sen. Bei den zu beur­tei­len­den Leis­tun­gen han­de­le es sich um sol­che, die nicht über Art und Umfang sons­ti­ger im Radio und Fern­se­hen übli­cher­wei­se gesen­de­ter Wer­be­spots hin­aus­gin­gen. Die von dem Klä­ger in Form einer CD vor­ge­leg­ten Arbeits­pro­ben hät­ten eine durch­schnitt­li­che Dau­er von 26 Sekun­den und wür­den die von ihrem Inhalt her die für Wer­be­sen­dun­gen typi­schen Anprei­sun­gen ent­hal­ten. Der Schwer­punkt der Leis­tung lie­ge dar­in, dass der jewei­li­ge Wer­be­ge­gen­stand ledig­lich emp­foh­len wer­de. Bei den vor­ge­leg­ten Arbeits­pro­ben habe der ent­schei­den­de Senat kei­ne beson­de­re „eige­ne Hand­schrift” des Klä­gers und damit kei­ne eigen­schöp­fe­ri­sche Leis­tung zu erken­nen ver­mocht. Das Gericht habe sich auch nicht davon über­zeu­gen kön­nen, dass mit der Fort­ent­wick­lung der tech­ni­schen Möglichkeiten im Bereich der neu­en Medi­en in Bezug auf Auf­trags­er­tei­lung, Her­stel­lung der Tex­te, deren Über­mitt­lung an die Auf­trags­ge­ber sowie die Ver­brei­tung der gespro­che­nen Tex­te etc. zugleich auch Ände­run­gen hin­sicht­lich der künst­le­ri­schen Gestal­tungs­hö­he ein­her­gin­gen. Die sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che und arbeits­recht­li­che Ein­schät­zung der Tätig­kei­ten des Klä­gers sei für die hier vor­zu­neh­men­de steu­er­recht­li­che Qua­li­fi­zie­rung nicht von Bedeu­tung, da sie nach ande­ren – außer­steu­er­li­chen – Kri­te­ri­en erfol­ge.

Ob die­se Ein­ord­nung bei einer sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Prü­fung durch die Künst­ler­so­zi­al­kas­se (bzw. bei einer Betriebs­prü­fung durch die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung) eben­so aus­fal­len wür­de, steht frei­lich auf einem ande­ren Blatt, hier­über hat­te das FG nicht zu ent­schei­den.

Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 2. April 2008 – 3 K 2240/​04