Rück­for­de­rung einer Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge nach Pro­duk­ti­ons­ver­la­ge­rung

Die Grund­sät­ze über das zula­gen­un­schäd­li­che Aus­schei­den tech­nisch abge­nutz­ter oder wirt­schaft­lich ver­brauch­ter Wirt­schafts­gü­ter vor Ablauf der gesetz­li­chen Bin­dungs­frist sind nicht anwend­bar, wenn der Betrieb, in dem die geför­der­ten Wirt­schafts­gü­ter ver­blei­ben sol­len, noch vor dem Ende des Bin­dungs­zeit­raums sei­ne Pro­duk­ti­on in das Aus­land ver­la­gert und des­halb nicht mehr zu einem Betrieb des ver­ar­bei­ten­den Gewer­bes im För­der­ge­biet gehört.

Rück­for­de­rung einer Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge nach Pro­duk­ti­ons­ver­la­ge­rung

Nach § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Nr. 2, Abs. 2 Satz 1 InvZulG 1999 sind neue abnutz­ba­re beweg­li­che Wirt­schafts­gü­ter des Anla­ge­ver­mö­gens u.a. dann begüns­tigt, wenn sie min­des­tens fünf Jah­re nach ihrer Anschaf­fung oder Her­stel­lung zum Anla­ge­ver­mö­gen eines Betriebs oder einer Betriebs­stät­te im För­der­ge­biet gehö­ren und wäh­rend des Fünf­jah­res­zeit­raums im För­der­ge­biet in einem Betrieb des ver­ar­bei­ten­den Gewer­bes oder der pro­duk­ti­ons­na­hen Dienst­leis­tun­gen ver­blei­ben. Über die gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Bin­dungs­vor­schrif­ten hin­aus müs­sen die geför­der­ten Wirt­schafts­gü­ter ent­spre­chend dem Zweck der Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge, die Wirt­schafts­tä­tig­keit durch den Ein­satz der mit der Zula­ge geför­der­ten Wirt­schafts­gü­ter zu stär­ken, wäh­rend des Bin­dungs­zeit­raums in dem Betrieb tat­säch­lich ein­ge­setzt wer­den oder zumin­dest ein­setz­bar sein 1.

Ein Anspruch auf Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge kann nicht bereits des­halb ver­neint, weil der Klä­ger im Rah­men einer Betriebs­auf­spal­tung einen Ver­pach­tungs­be­trieb unter­hielt und nicht etwa einen Betrieb des ver­ar­bei­ten­den Gewer­bes. Wegen der lang­fris­ti­gen Nut­zungs­über­las­sung ver­blie­ben die Werk­zeu­ge nicht im Betrieb des Klä­gers, son­dern in dem der GmbH 2, der unstrei­tig dem ver­ar­bei­ten­den Gewer­be zuzu­rech­nen war. Die Grund­sät­ze über die zula­gen­recht­li­che Merk­mals­über­tra­gung in Fäl­len der Betriebs­auf­spal­tung brau­chen nicht her­an­ge­zo­gen zu wer­den 3.

Erfüllt ein durch Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge geför­der­tes Wirt­schafts­gut nicht wäh­rend des gesam­ten Bin­dungs­zeit­raums die zula­gen­recht­li­chen Verbleibens‑, Zuge­hö­rig­keits- und Nut­zungs­vor­aus­set­zun­gen, so führt dies grund­sätz­lich zu einem Erlö­schen des Anspruchs auf Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge. Für ein­zel­ne Fall­grup­pen hat der Bun­des­fi­nanz­hof jedoch eng begrenz­te Aus­nah­men zuge­las­sen und einen Zula­gen­an­spruch bejaht, obwohl die Bin­dungs­vor­aus­set­zun­gen nicht (mehr) erfüllt waren. So ist das Aus­schei­den eines Wirt­schafts­guts aus dem Betrieb des Inves­tors vor Ablauf der Bin­dungs­frist zula­gen­un­schäd­lich, wenn es ent­we­der tech­nisch abge­nutzt oder wirt­schaft­lich ver­braucht ist und auch für Drit­te kei­nen oder nur noch einen sehr gerin­gen Wert hat 4. Ent­spre­chen­des gilt, wenn ein Wirt­schafts­gut wegen tech­ni­scher Abnut­zung oder wirt­schaft­li­chen Ver­brauchs nicht mehr genutzt wer­den kann 5. Eine Aus­nah­me von den Bin­dungs­vor­aus­set­zun­gen kommt nur in Betracht, wenn das Wirt­schafts­gut auf­grund eines unvor­her­ge­se­he­nen und unab­wend­ba­ren Ereig­nis­ses, das dem übli­chen unter­neh­me­ri­schen Bereich nicht zuge­ord­net wer­den kann, vor­zei­tig tech­nisch oder wirt­schaft­lich ver­braucht ist 6.

Die Grund­sät­ze über das zula­gen­un­schäd­li­che Aus­schei­den kom­men jedoch nicht zur Anwen­dung, wenn der Betrieb, in dem das durch Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge geför­der­te Wirt­schafts­gut für die Dau­er der Bin­dungs­frist ver­blei­ben soll, noch wäh­rend des Bin­dungs­zeit­raums sei­ne Eigen­schaft als Betrieb des ver­ar­bei­ten­den Gewer­bes im För­der­ge­biet ver­liert. Dar­auf, ob ein Wirt­schafts­gut noch vor die­sem Zeit­punkt tech­nisch abge­nutzt oder wirt­schaft­lich ver­braucht war, kommt es dann nicht an. Das InvZulG 1999 macht die För­de­rung von Wirt­schafts­gü­tern durch Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge von Vor­aus­set­zun­gen abhän­gig, die ent­we­der das Wirt­schafts­gut selbst betref­fen oder den Betrieb, zu dem es gehört. Nach § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Nr. 2, Abs. 2 Satz 1 InvZulG 1999 sol­len nur sol­che beweg­li­chen Wirt­schafts­gü­ter des Anla­ge­ver­mö­gens geför­dert wer­den, bei denen eine län­ge­re Bin­dung an einen Betrieb des ver­ar­bei­ten­den Gewer­bes oder der pro­duk­ti­ons­na­hen Dienst­leis­tun­gen im För­der­ge­biet besteht. Die­ser Bin­dungs­zeit­raum beträgt bei Inves­ti­tio­nen, die ‑wie im Streit­fall- nach dem 31.12 1999 begon­nen wor­den sind, fünf Jah­re (§ 10 Abs. 4a InvZulG 1999). Der Gesetz­ge­ber ging davon aus, dass der Betrieb, an den die geför­der­ten Wirt­schafts­gü­ter gebun­den sein sol­len, noch min­des­tens fünf Jah­re nach der Anschaf­fung oder Her­stel­lung exis­tiert und zum ver­ar­bei­ten­den Gewer­be gehört oder pro­duk­ti­ons­na­he Dienst­leis­tun­gen erbringt. Auch muss es sich um einen aktiv am Wirt­schafts­le­ben teil­neh­men­den Betrieb han­deln 7. Nur dann wird ein nach­hal­ti­ger Bei­trag der Inves­ti­ti­on zur Regio­nal­ent­wick­lung geleis­tet, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die Schaf­fung von Arbeits­plät­zen 8. Ist dies nicht der Fall, z.B. weil der Betrieb inner­halb des Bin­dungs­zeit­raums sei­ne Eigen­schaft als Betrieb des ver­ar­bei­ten­den Gewer­bes ver­lo­ren hat, so ent­fällt nach­träg­lich die Zula­gen­be­güns­ti­gung. Sofern das BFH-Urteil vom 27. April 1999 9 dahin zu ver­ste­hen sein soll­te, dass ein zula­gen­un­schäd­li­ches Aus­schei­den bei tech­ni­scher Abnut­zung oder wirt­schaft­li­chem Ver­brauch unab­hän­gig vom spä­te­ren zula­gen­recht­li­chen „Schick­sal” des Betriebs mög­lich ist, hält der Bun­des­fi­nanz­hof hier­an nicht mehr fest.

Im Streit­fall ver­blie­ben die in den Jah­ren 2003 und 2004 ange­schaff­ten Werk­zeu­ge nur bis zur Pro­duk­ti­ons­ver­la­ge­rung in das Aus­land im Janu­ar 2006 in einem Betrieb des ver­ar­bei­ten­den Gewer­bes im För­der­ge­biet (§ 2 Abs. 2 Satz 1 InvZulG 1999). Die Bin­dungs­frist von fünf Jah­ren wur­de nicht ein­ge­hal­ten. Es ist somit kei­ne Unter­schei­dung zu tref­fen zwi­schen den hier strei­ti­gen Werk­zeu­gen und den ande­ren Wirt­schafts­gü­tern, für die das Finanz­amt eben­falls die Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge wegen der Pro­duk­ti­ons­ver­la­ge­rung zurück­ge­for­dert hat. Die vom Klä­ger pro­ble­ma­ti­sier­te Fra­ge, ob das Finanz­ge­richt zu Unrecht einen wirt­schaft­li­chen Ver­brauch der Werk­zeu­ge ver­neint hat, ist nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. Novem­ber 2013 – III R 17/​12

  1. BFH, Urteil vom 07.02.2002 – III R 14/​00, BFHE 198, 164, BSt­Bl II 2002, 312
  2. s. BFH, Urtei­le vom 07.03.2002 – III R 44/​97, BFHE 198, 169, BSt­Bl II 2002, 545; und vom 19.02.2004 – III R 14/​02, BFHE 204, 537, BSt­Bl II 2004, 570
  3. s. hier­zu z.B. BFH, Urteil vom 10.12 1998 – III R 50/​95, BFHE 188, 176, BSt­Bl II 1999, 607
  4. BFH, Urteil vom 09.12 1999 – III R 49/​97, BFHE 190, 559, BSt­Bl II 2000, 434, m.w.N., sowie BFH, Beschluss vom 29.03.2006 – III B 180/​05, BFH/​NV 2006, 1512
  5. BFH, Urteil vom 31.08.2006 – III R 26/​04, BFH/​NV 2007, 103
  6. BFH, Urtei­le vom 19.09.2001 – III R 84/​97, BFHE 196, 447, BSt­Bl II 2002, 106, sowie vom 29.05.2008 – III R 45/​05, BFH/​NV 2008, 1878
  7. BFH, Urteil in BFH/​NV 2007, 103, m.w.N.
  8. vgl. BT-Drs. 16/​1409, S. 8, zum InvZulG 2007
  9. BFH, Urteil vom 27.04.1999 – III R 32/​98, BFHE 188, 475, BSt­Bl II 1999, 615