Nach­sor­ge­ver­pflich­tun­gen – und die Rück­stel­lun­gen

Ob bezo­gen auf die Abzin­sung von Rück­stel­lun­gen für Nach­sor­ge­ver­pflich­tun­gen nach § 6 Abs. 1 Nr. 3a Buchst. e Satz 2 EStG sepa­ra­te Abzin­sungs­zeit­räu­me für die sog. Still­le­gungs- und die Nach­sor­ge­pha­se zu bil­den sind, ist anhand der Rechts­grund­la­gen der jewei­li­gen Nach­sor­ge­ver­pflich­tung zu beur­tei­len.

Nach­sor­ge­ver­pflich­tun­gen – und die Rück­stel­lun­gen

Nach § 249 Abs. 1 Satz 1 HGB sind Rück­stel­lun­gen u.a. für unge­wis­se Ver­bind­lich­kei­ten zu bil­den. Nach die­ser Vor­schrift, die als Grund­satz ord­nungs­mä­ßi­ger Buch­füh­rung (GoB) gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 EStG i.V.m. § 8 Abs. 1 KStG und § 7 Satz 1 des Gewer­be­steu­er­ge­set­zes auch bei der Fest­set­zung der Kör­per­schaft­steu­er und des Gewer­be­steu­er­mess­be­trags zu beach­ten ist 1, ist Vor­aus­set­zung für die Bil­dung einer Rück­stel­lung für unge­wis­se Ver­bind­lich­kei­ten das Bestehen einer nur ihrer Höhe nach unge­wis­sen Ver­bind­lich­keit oder die hin­rei­chen­de Wahr­schein­lich­keit des künf­ti­gen Ent­ste­hens einer Ver­bind­lich­keit dem Grun­de nach ‑deren Höhe zudem unge­wiss sein kann- sowie ihre wirt­schaft­li­che Ver­ur­sa­chung in der Zeit vor dem Bilanz­stich­tag. Zudem muss der Schuld­ner ernst­haft mit sei­ner Inan­spruch­nah­me rech­nen. Die­se Vor­aus­set­zun­gen gel­ten auch für Ver­pflich­tun­gen aus öffent­li­chem Recht, die auf ein bestimm­tes Han­deln in Form einer Geld­zah­lung oder eines ande­ren Leis­tungs­in­halts gerich­tet sind, sofern die öffent­lich-recht­li­che Ver­pflich­tung bereits kon­kre­ti­siert, d.h. inhalt­lich hin­rei­chend bestimmt, in zeit­li­cher Nähe zum Bilanz­stich­tag zu erfül­len sowie sank­ti­ons­be­wehrt ist 2.

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall war zwar zwi­schen den Betei­lig­ten nicht strei­tig, dass die Klä­ge­rin dem Grun­de nach berech­tigt war, zu den hier zu beur­tei­len­den Bilanz­stich­ta­gen Nach­sor­ge­rück­stel­lun­gen zu bil­den. Indes­sen feh­len jeg­li­che Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt dazu, auf wel­cher Rechts­grund­la­ge die Nach­sor­ge­ver­pflich­tun­gen der Klä­ge­rin über­haupt beru­hen. § 36 Abs. 2 Satz 1 des Geset­zes zur För­de­rung der Kreis­lauf­wirt­schaft und Siche­rung der umwelt­ver­träg­li­chen Besei­ti­gung von Abfäl­len in der in den Streit­jah­ren gül­ti­gen Fas­sung (KrW-/Ab­fG) kann ent­nom­men wer­den, dass sich die ent­spre­chen­de Ver­pflich­tung ent­we­der aus einem Plan­fest­stel­lungs­be­schluss nach § 31 Abs. 2 KrW-/Ab­fG, der Geneh­mi­gung nach § 31 Abs. 3 KrW-/Ab­fG, den Bedin­gun­gen und Auf­la­gen nach § 35 KrW-/Ab­fG, den für die Depo­nie gel­ten­den umwelt­recht­li­chen Vor­schrif­ten oder einer beson­de­ren behörd­li­chen Anord­nung gemäß § 31 Abs. 2 KrW-/Ab­fG erge­ben kann. Nur auf Grund­la­ge der Fest­stel­lung der im Streit­fall ein­schlä­gi­gen Rechts­grund­la­ge kann aber beur­teilt wer­den, ob die Klä­ge­rin auf­grund der erfolg­ten Nut­zung der Depo­ni­en A, B und C ver­pflich­tet war, für die­se Still­le­gungs- und Nach­sor­ge­maß­nah­men durch­zu­füh­ren. Schon aus die­sem Grund ist das Finanz­ge­richt, Urteil auf­zu­he­ben und der Rechts­streit zur ander­wei­ti­gen Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Finanz­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 8. Novem­ber 2016 – I R 35/​15

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, BFH, Beschluss vom 16.12 2009 – I R 43/​08, BFHE 227, 469, BSt­Bl II 2012, 688; BFH, Urtei­le vom 06.02.2013 – I R 8/​12, BFHE 240, 252, BSt­Bl II 2013, 686; vom 02.07.2014 – I R 46/​12, BFHE 246, 339, BSt­Bl II 2014, 979[]
  2. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH, Urteil in BFHE 240, 252, BSt­Bl II 2013, 686; BFH, Urtei­le vom 08.09.2011 – IV R 5/​09, BFHE 235, 241, BSt­Bl II 2012, 122; vom 17.10.2013 – IV R 7/​11, BFHE 243, 256, BSt­Bl II 2014, 302[]