Schuld­zin­sen in einem Cash-Pool

Wer einen als Dar­le­hen emp­fan­ge­nen Geld­be­trag nicht dazu nutzt, Auf­wen­dun­gen im Zusam­men­hang mit sei­ner Ver­mie­tungs­tä­tig­keit zu beglei­chen, son­dern ihn in einen Cash-Pool ein­bringt, aus dem her­aus er spä­ter sei­ne Kos­ten bestrei­tet, kann nach einem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs Schuld­zin­sen aus die­sem Dar­le­hen nicht als Wer­bungs­kos­ten von sei­nen Ein­nah­men aus Ver­mie­tung abzie­hen.

Schuld­zin­sen in einem Cash-Pool

Im Streit­fall gehör­te die kla­gen­de GbR zu einer Fir­men­grup­pe, in der – zur Ver­rin­ge­rung von Finan­zie­rungs­kos­ten – ein Cash-Pool-Ver­fah­ren prak­ti­ziert wur­de. Auf der Grund­la­ge eines Gene­ral­dar­le­hens­ver­trags wur­den alle Sal­den der Bank­kon­ten der Grup­pe täg­lich auf einem Kon­to einer kon­zern­an­ge­hö­ri­gen Gesell­schaft zusam­men­ge­führt, indem Gut­ha­ben abge­zo­gen und Schul­den aus­ge­gli­chen wur­den. Nahm ein Grup­pen­mit­glied – wie die GbR – extern ein Dar­le­hen auf, wur­de die Dar­le­hens­va­lu­ta am Ende des Aus­zah­lungs­tags auto­ma­tisch vom Kon­to des Mit­glieds der Fir­men­grup­pe abge­zo­gen und dem Pool gut­ge­schrie­ben. Fiel eine Aus­ga­be bei dem­sel­ben Grup­pen­mit­glied an, über­wies der Pool Geld zurück. Zivil­recht­lich wer­den die Geld­be­we­gun­gen inner­halb des Cash-Pools als Dar­le­hen qua­li­fi­ziert. Im Streit­fall muss­te die GbR aber nach dem Gene­ral­dar­le­hens­ver­trag für aus dem Pool erhal­te­ne Mit­tel kei­ne Zin­sen zah­len; umge­kehrt bekam sie auch kei­ne Zin­sen für den von ihr in den Pool (als Dar­le­hen) ein­ge­brach­ten Geld­be­trag, den sie ihrer­seits als Dar­le­hen emp­fan­gen hat­te.

Hier­aus ergab sich für den BFH auch die steu­er­recht­li­che Lösung des Fal­les. Da die GbR kei­ne Zin­sen ver­ein­nahm­te, konn­te sie des­halb auch kei­ne Schuld­zin­sen aus dem extern auf­ge­nom­me­nen Dar­le­hen als Wer­bungs­kos­ten abset­zen. Ein Zusam­men­hang mit ihrer Ver­mie­tungs­tä­tig­keit bestand nicht, denn die GbR hat­te kei­ne Mit­tel aus dem extern auf­ge­nom­me­nen Dar­le­hen dazu ein­ge­setzt, ihre mit der Ein­künf­te­er­zie­lung zusam­men­hän­gen­den Auf­wen­dun­gen zu beglei­chen, son­dern Mit­tel aus dem Cash-Pool.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 29. März 2007 – IX R 10/​06