Son­der­be­triebs­ver­mö­gen bei der Besitz­ge­sell­schaft

Die Annah­me, ein vom Gesell­schaf­ter der Besitz­per­so­nen­ge­sell­schaft erwor­be­nes Grund­stück sei für eine "betrieb­li­che Nut­zung" durch die Betriebs-GmbH bestimmt, recht­fer­tigt nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs für sich genom­men nicht den Schluss, dass es sich um Son­der­be­triebs­ver­mö­gen des Gesell­schaf­ters bei der Besitz­per­so­nen­ge­sell­schaft han­delt.

Son­der­be­triebs­ver­mö­gen bei der Besitz­ge­sell­schaft

Zum Betriebs­ver­mö­gen einer Per­so­nen­ge­sell­schaft zäh­len auch Wirt­schafts­gü­ter, die einem ein­zel­nen Mit­un­ter­neh­mer gehö­ren, die jedoch dazu geeig­net und bestimmt sind, dem Betrieb der Per­so­nen­ge­sell­schaft (Son­der­be­triebs­ver­mö­gen I) oder der Betei­li­gung des Gesell­schaf­ters an der Per­so­nen­ge­sell­schaft (Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II) zu die­nen 1. Nur mit­tel­ba­re güns­ti­ge Wir­kun­gen auf den Betrieb der Per­so­nen­ge­sell­schaft rei­chen hin­ge­gen nicht aus 2.

Akti­ves Son­der­be­triebs­ver­mö­gen I erfor­dert, dass das Wirt­schafts­gut objek­tiv erkenn­bar zum unmit­tel­ba­ren Ein­satz im Betrieb der Per­so­nen­ge­sell­schaft selbst bestimmt ist 3. Dazu gehö­ren ins­be­son­de­re sol­che Wirt­schafts­gü­ter, die ein Gesell­schaf­ter der Per­so­nen­ge­sell­schaft zur Nut­zung für ihre eigen­ge­werb­li­che Tätig­keit über­lässt 4, und zwar unab­hän­gig davon, ob die Wirt­schafts­gü­ter für die Zwe­cke der Per­so­nen­ge­sell­schaft not­wen­dig sind 5.

Akti­ves Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II kommt grund­sätz­lich nur in Betracht, wenn – wie im Fal­le der Betei­li­gung eines Kom­man­di­tis­ten an der Kom­ple­men­tär-GmbH – das Wirt­schafts­gut ein Mit­tel dar­stellt, um beson­de­ren Ein­fluss auf die Per­so­nen­ge­sell­schaft aus­zu­üben und damit unmit­tel­bar die Stel­lung des Gesell­schaf­ters in der Per­so­nen­ge­sell­schaft zu stär­ken 6. Die Betei­li­gung des Gesell­schaf­ters an der Per­so­nen­ge­sell­schaft kann sowohl dadurch gestärkt wer­den, dass der Besitz des Wirt­schafts­guts für das Unter­neh­men der Per­so­nen­ge­sell­schaft wirt­schaft­lich vor­teil­haft ist, als auch dadurch, dass es der Mit­un­ter­neh­merstel­lung des Gesell­schaf­ters selbst dient 7. Das kann auch für Grund­stü­cke oder Grund­stücks­tei­le gel­ten, die zwar nicht in den Ver­fü­gungs­be­reich der Per­so­nen­ge­sell­schaft über­ge­hen, die der Gesell­schaf­ter aber für eine Tätig­keit benö­tigt, die er aus­schließ­lich im Inter­es­se der Gesell­schaft aus­übt 8.

Anders ver­hält es sich, wenn Grund­stü­cke oder Grund­stücks­tei­le nicht nur für Zwe­cke der Gesell­schaft, son­dern in erheb­li­chem Umfang auch für eine ander­wei­ti­ge geschäft­li­che oder pri­va­te Tätig­keit des Gesell­schaf­ters ein­ge­setzt wer­den. Bei ihrer sach­li­chen Zuord­nung zu der einen oder ande­ren Tätig­keit ist zu berück­sich­ti­gen, dass der Gesell­schaf­ter einen gleich­ran­gi­gen, neben dem Inter­es­sen­be­reich der Gesell­schaft ste­hen­den eige­nen (pri­va­ten oder betrieb­li­chen) Inter­es­sen­be­reich haben kann. Das kann dazu füh­ren, dass Wirt­schafts­gü­ter des Gesell­schaf­ters nicht sei­nem Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II bei der Per­so­nen­ge­sell­schaft, son­dern sei­nem gesell­schafts­un­ab­hän­gi­gen Bereich zuzu­ord­nen sind 9.

Ob der Gesell­schaf­ter der Besitz-Per­so­nen­ge­sell­schaft mit der ent­gelt­li­chen Über­las­sung eines Wirt­schafts­guts an die Betriebs-GmbH sei­ne eige­nen wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen ver­folgt oder damit sei­ne Betei­li­gung an der Besitz-Per­so­nen­ge­sell­schaft stärkt, bestimmt sich danach, ob der Ein­satz des betref­fen­den Wirt­schafts­guts in der Betriebs-GmbH letzt­lich durch den Betrieb der Besitz-Per­so­nen­ge­sell­schaft oder durch die ander­wei­ti­ge (eigen­be­trieb­li­che oder pri­va­te) Tätig­keit des Gesell­schaf­ters ver­an­lasst ist. Für die Zuord­nung zum einen oder ande­ren Bereich sind alle erkenn­ba­ren Umstän­de des ein­zel­nen Fal­les her­an­zu­zie­hen 10.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Dezem­ber 2008 – IV R 65/​07

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH, Urtei­le vom 30. März 1993 VIII R 8/​91, BFHE 172, 19, BSt­Bl II 1993, 864; vom 3. März 1998 VIII R 66/​96, BFHE 185, 422, BSt­Bl II 1998, 383, jeweils m.w.N.[]
  2. BFH, Urteil vom 23. Janu­ar 1992 XI R 36/​88, BFHE 167, 491, BSt­Bl II 1992, 721, m.w.N.[]
  3. BFH, Urteil vom 13. Mai 1976 IV R 4/​75, BFHE 119, 256, BSt­Bl II 1976, 617, stän­di­ge Recht­spre­chung[]
  4. BFH, Urteil vom 19. Febru­ar 1991 VIII R 65/​89, BFHE 164, 315, BSt­Bl II 1991, 789[]
  5. BFH, Urtei­le vom 23. Mai 1991 IV R 94/​90, BFHE 164, 540, BSt­Bl II 1991, 800, und vom 13. Okto­ber 1998 VIII R 46/​95, BFHE 187, 425, BSt­Bl II 1999, 357, unter II.2.b der Grün­de[]
  6. BFH, Urtei­le in BFHE 172, 19, BSt­Bl II 1993, 864, m.w.N., und vom 1. Okto­ber 1996 VIII R 44/​95, BFHE 182, 327, BSt­Bl II 1997, 530[]
  7. BFH, Urteil in BFHE 185, 422, BSt­Bl II 1998, 383[]
  8. BFH, Urtei­le vom 14. April 1988 IV R 271/​84, BFHE 153, 125, BSt­Bl II 1988, 667, und in BFHE 187, 425, BSt­Bl II 1999, 357[]
  9. vgl. hier­zu BFH, Urtei­le vom 23. Janu­ar 1980 I R 33/​77, BFHE 130, 173, BSt­Bl II 1980, 356, a.E., und in BFHE 187, 425, BSt­Bl II 1999, 357[]
  10. BFH, Urtei­le in BFHE 187, 425, BSt­Bl II 1999, 357, und vom 10. Juni 1999 IV R 21/​98, BFHE 189, 117, BSt­Bl II 1999, 715, unter II.2. der Grün­de[]
  11. BFH BSt­Bl II 2006, 415[]