Steu­er­pflich­ti­ge Dau­er­ver­lus­te kom­mu­na­ler Eigen­be­trie­be

Dau­er­ver­lus­te kom­mu­na­ler Eigen­be­trie­be sind steu­er­pflich­tig. Mit die­ser Ent­schei­dung hat der Bun­des­fi­nanz­hof nun wohl für Sor­gen­fal­ten bei eini­gen städ­ti­schen Käm­me­rern gesorgt.

Steu­er­pflich­ti­ge Dau­er­ver­lus­te kom­mu­na­ler Eigen­be­trie­be

Es liegt seit gerau­mer Zeit "im Trend", dass Städ­te und Gemein­den ihre Betrie­be der Daseins­vor­sor­ge, wenn die­se Dau­er­ver­lus­te erlei­den, in selb­stän­di­ge Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten "aus­la­gern". Betrof­fen sind hier­von z.B. kom­mu­na­le Bäder­be­trie­be oder Büche­rei­en. Oft­mals wer­den in sol­che Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten zugleich Antei­le an gewinn­träch­ti­gen Betrie­ben ein­ge­legt, so dass sich die Ver­lus­te und Gewin­ne aus­glei­chen. Man spricht hier von kom­mu­na­ler "Quer­fi­nan­zie­rung".

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat jetzt ent­schie­den, dass sol­che Quer­fi­nan­zie­run­gen aus steu­er­li­cher Sicht nicht zu bean­stan­den sind. Aller­dings zieht die Hin­nah­me von Dau­er­ver­lus­ten ohne Ver­lust­aus­gleich und ggf. Gewinn­auf­schlä­gen bei den Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten regel­mä­ßig ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tun­gen (vGA) und damit eine ent­spre­chen­de Belas­tung mit Kör­per­schaft­steu­er- und Gewer­be­steu­er nach sich. Denn die Über­nah­me der Ver­lus­te erfolgt im Inter­es­se der Städ­te und Gemein­den als Gesell­schaf­te­rin­nen; die­sen wer­den durch die Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten in Gestalt des erspar­ten Auf­wands gesell­schaft­lich ver­an­lass­te Vor­tei­le zuge­wen­det. Die mit der Pri­va­ti­sie­rung erhoff­ten Kos­ten­vor­tei­le, ins­be­son­de­re die Ent­las­tung der kom­mu­na­len Haus­hal­te sowie die Ver­bil­li­gung von Ein­tritts­ge­büh­ren, wer­den infol­ge­des­sen teil­wei­se zunich­te gemacht.

Im kon­kre­ten Fall ging es um eine kom­mu­na­le Hol­ding-GmbH, die allei­ni­ge Anteils­eig­ne­rin eines in eine GmbH aus­ge­la­ger­ten dau­er­de­fi­zi­tä­ren kom­mu­na­len Bäder­be­triebs sowie einer mit Gewinn arbei­ten­den kom­mu­na­len Woh­nungs­bau-GmbH war und mit bei­den Toch­ter­ge­sell­schaf­ten jeweils ein Organ­schafts­ver­hält­nis begrün­det hat­te. Nach Mei­nung des BFH liegt in einer sol­chen Gestal­tung zwar regel­mä­ßig kein Gestal­tungs­miss­brauch i.S. des § 42 Abs. 1 AO. Jedoch ist der im Rah­men des Ergeb­nis­ab­füh­rungs­ver­trags zu über­neh­men­de Ver­lust der dau­er­de­fi­zi­tä­ren Gesell­schaft steu­er­lich als vGA zu behan­deln, die von der Hol­ding-GmbH an die Gemein­de als Trä­ger­kör­per­schaft wei­ter­ge­lei­tet wird, und zwar ohne mit den eben­falls abzu­füh­ren­den Gewin­nen der wei­te­ren Eigen­ge­sell­schaft ver­rech­net und um die­se gemin­dert zu wer­den.

Zugleich hat der BFH in sei­nem Urteil klar­ge­stellt, dass er auch unter der Gel­tung des sog. Halb­ein­künf­te­ver­fah­rens an sei­ner stän­di­gen Recht­spre­chung fest­hält, nach der eine Kapi­tal­ge­sell­schaft über kei­ne außer­be­trieb­li­che Sphä­re ver­fügt und durch das Gesell­schafts­ver­hält­nis (mit-)veranlasste ver­lust­brin­gen­de Akti­vi­tä­ten unter den Vor­aus­set­zun­gen einer ein­kom­men­steu­er­recht­li­chen sog. Lieb­ha­be­rei eine vGA aus­lö­sen kön­nen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 22.08.07 – I R 32/​06