Stil­le Gesell­schaft oder Genuss­rechts­ver­hält­nis?

Für die Annah­me einer stil­len Gesell­schaft kön­nen –vor allem in Grenz­fäl­len– von den Ver­trags­par­tei­en gewähl­te For­mu­lie­run­gen indi­zi­el­le Bedeu­tung haben; ent­schei­dend ist, was die Ver­trags­par­tei­en wirt­schaft­lich gewollt haben und ob der –unter Her­an­zie­hung aller Umstän­de zu ermit­teln­de– Ver­trags­wil­le auf die Merk­ma­le einer (stil­len) Gesell­schaft gerich­tet ist. Dabei darf der für eine stil­le Gesell­schaft erfor­der­li­che gemein­sa­me Zweck der Gesell­schaf­ter nicht mit deren Moti­ven für ihre Betei­li­gung ver­mengt wer­den.

Stil­le Gesell­schaft oder Genuss­rechts­ver­hält­nis?

Dass Kapi­tal­an­le­ger und Fonds­ge­sell­schaft bei­de das Ziel ver­fol­gen, durch Han­del an inter­na­tio­na­len Finanz­ter­min­märk­ten mit­tel­fris­tig einen Kapi­tal­zu­wachs zu errei­chen, reicht für die Annah­me eines gemein­sa­men Zwecks nicht aus. Näm­li­ches gilt für die Kapi­tal­ein­zah­lung des Anle­gers und die anschlie­ßen­de Ver­wen­dung des gezeich­ne­ten Kapi­tals. Ein gemein­sa­mer Zweck ver­langt zwi­schen Anle­ger und Anla­ge­ge­sell­schaft ein sub­stan­ti­el­les „Mehr“ als die blo­ße Kapi­tal­hin­ga­be und des­sen Ver­wen­dung.

Ein Genuss­recht liegt vor, wenn dem Rechts­in­ha­ber zwar schuld­recht­li­che Ansprü­che, nicht aber gesell­schafts­recht­lich gepräg­te Mit­glied­schafts­rech­te ver­mit­telt wer­den, ihm Ver­mö­gens­rech­te zuge­stan­den wer­den, die typi­scher­wei­se nur Gesell­schaf­tern zuste­hen, die Rech­te in gro­ßer Zahl und nicht nur ver­ein­zelt bege­ben und dem Rechts­in­ha­ber kei­ne akti­ven Mit­ver­wal­tungs­rech­te ein­ge­räumt wer­den.

Ein­nah­men aus Genuss­rech­ten, mit denen sowohl eine Betei­li­gung am Gewinn als auch am Auf­ga­be- bzw. Liqui­da­ti­ons­er­lös ver­bun­den ist, fal­len unter § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 8. April 2008 – VIII R 3/​05