Stil­len Ein­la­ge per For­de­rungs­ab­tre­tung

Nach § 15a Abs. 4 Satz 1 EStG ist der nach Absatz 1 der Vor­schrift nicht aus­gleichs- oder abzugs­fä­hi­ge Ver­lust eines Kom­man­di­tis­ten, ver­min­dert um die nach Absatz 2 abzu­zie­hen­den und ver­mehrt um die nach Absatz 3 hin­zu­zu­rech­nen­den Beträ­ge (ver­re­chen­ba­rer Ver­lust) jähr­lich geson­dert fest­zu­stel­len. Nach § 15a Abs. 1 Satz 1 EStG darf der einem Kom­man­di­tis­ten zuzu­rech­nen­de Anteil am Ver­lust der KG nicht mit ande­ren Ein­künf­ten des Kom­man­di­tis­ten aus­ge­gli­chen oder nach § 10d EStG abge­zo­gen wer­den, soweit ein nega­ti­ves Kapi­tal­kon­to des Kom­man­di­tis­ten ent­steht oder sich erhöht. § 15a Abs. 1 Satz 1 und Abs. 4 EStG gel­ten nach § 15a Abs. 5 Nr. 1 EStG sinn­ge­mäß auch für stil­le Gesell­schaf­ter einer stil­len Gesell­schaft i.S. des § 230 HGB, bei der der stil­le Gesell­schaf­ter als Unter­neh­mer (Mit­un­ter­neh­mer) anzu­se­hen ist.

Stil­len Ein­la­ge per For­de­rungs­ab­tre­tung

Ein stil­ler Gesell­schaf­ter kann Mit­un­ter­neh­mer i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG sein. Vor­aus­set­zung für eine Mit­un­ter­neh­mer­schaft ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs, dass der Betei­lig­te Mit­un­ter­neh­mer­initia­ti­ve ent­fal­ten kann und Mit­un­ter­neh­mer­ri­si­ko trägt [1]. Mit­un­ter­neh­mer­initia­ti­ve bedeu­tet dabei Teil­ha­be an unter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dun­gen zumin­dest in dem Umfang der Stimm, Kon­troll- und Wider­spruchs­rech­te eines Kom­man­di­tis­ten nach den Rege­lun­gen des HGB. Mit­un­ter­neh­mer­ri­si­ko bedeu­tet gesell­schafts­recht­li­che oder eine die­ser wirt­schaft­lich ver­gleich­ba­re Teil­nah­me am Erfolg oder Miss­erfolg des Unter­neh­mens. Die­ses Risi­ko wird regel­mä­ßig durch die Betei­li­gung am Gewinn und Ver­lust sowie an den stil­len Reser­ven des Anla­ge­ver­mö­gens ein­schließ­lich des Geschäfts­werts ver­mit­telt [2]. Erfüllt der stil­le Gesell­schaf­ter die­se Vor­aus­set­zun­gen nach dem Gesamt­bild der Ver­hält­nis­se (sog. aty­pi­sche stil­le Gesell­schaft), besteht zwi­schen ihm und dem Inha­ber des Han­dels­ge­wer­bes eine Mit­un­ter­neh­mer­schaft.

Den Begriff des Kapi­tal­kon­tos defi­niert das Gesetz nicht. Nach der Recht­spre­chung ist bei einem Kom­man­di­tis­ten des­sen nach steu­er­recht­li­chen Grund­sät­zen ermit­tel­tes Kapi­tal­kon­to in der Gesamt­hand­s­bi­lanz der Gesell­schaft zuzüg­lich ggf. bestehen­der Ergän­zungs­bi­lan­zen des Kom­man­di­tis­ten gemeint, das durch Ein­la­gen in das Gesell­schafts­ver­mö­gen bzw. durch Ent­nah­men aus dem Gesell­schafts­ver­mö­gen bestimmt wird [3]. Auch das Kapi­tal­kon­to eines aty­pisch stil­len Gesell­schaf­ters wird durch die Ein­la­ge bestimmt [4]. Das Kapi­tal­kon­to des stil­len Gesell­schaf­ters wird danach nega­tiv, wenn der Ver­lust­an­teil die geleis­te­te Ein­la­ge über­steigt.

Eine Ein­la­ge ist dann „geleis­tet“, wenn sie tat­säch­lich erbracht ist. Dem Ver­mö­gen des Inha­bers des Han­dels­ge­wer­bes muss etwas für Rech­nung des stil­len Gesell­schaf­ters zuge­flos­sen sein, was den bilan­zi­el­len Unter­neh­mens­wert mehrt, also die Akti­va des Unter­neh­mens erhöht oder die Pas­si­va min­dert [5]. Dies gilt nicht nur für Ein­la­ge­ver­pflich­tun­gen, die auf eine Bar­ein­zah­lung in das Ver­mö­gen des Inha­bers des Han­dels­ge­wer­bes gerich­tet sind, son­dern auch für Ver­pflich­tun­gen zur Leis­tung einer Sach­ein­la­ge, wie etwa einer For­de­rungs­ab­tre­tung [6].

Die zivil­recht­li­che Gestal­tung ist der steu­er­li­chen Beur­tei­lung zugrun­de zu legen. Das Kapi­tal­kon­to der stil­len Gesell­schaf­te­rin hat sich infol­ge der Abtre­tung um den Wert der abge­tre­te­nen For­de­rung erhöht.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 24. April 2014 – IV R 18/​10

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. etwa BFH, Beschluss vom 25.06.1984 – GrS 4/​82, BFHE 141, 405, BStBl II 1984, 751, unter C.V.3.c der Grün­de; BFH, Urteil vom 22.08.2002 – IV R 6/​01, BFH/​NV 2003, 36[]
  2. BFH, Beschluss in BFHE 141, 405, BStBl II 1984, 751, unter C.V.3.c der Grün­de[]
  3. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 07.10.2004 – IV R 50/​02, BFH/​NV 2005, 533, m.w.N.[]
  4. BFH, Urteil vom 07.10.1997 – VIII R 22/​94, BFH/​NV 1998, 823; BFH, Beschluss vom 06.03.2007 – IV B 147/​05, BFH/​NV 2007, 1130[]
  5. vgl. zum Kom­man­di­tis­ten BFH, Urteil in BFH/​NV 2005, 533, m.w.N.[]
  6. vgl. zum Kom­man­di­tis­ten BFH, Urteil in BFH/​NV 2005, 533, m.w.N.; zur han­dels­recht­li­chen Zuläs­sig­keit einer Sach­ein­la­ge des stil­len Gesell­schaf­ters vgl. Blau­rock, Hand­buch Stil­le Gesell­schaft, 7. Aufl., Rz 6.15; MünchKommHGB/​Schmidt, 3. Aufl., § 230 Rz 149[]