Streit­wert bei der steu­er­li­chen Gewinn­fest­stel­lung

Der Streit­wert ist in der Kos­ten­rech­nung nach der sich für die Erin­ne­rungs­füh­rer erge­ben­den Bedeu­tung der Sache zu bemes­sen (§ 52 Abs. 1 GKG). Im Ver­fah­ren der ein­heit­li­chen und geson­der­ten Gewinn­fest­stel­lung bemisst sich der Streit­wert nach der typi­sier­ten ein­kom­men­steu­er­li­chen Bedeu­tung für die Gesell­schaf­ter. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist die­se grund­sätz­lich mit 25 % des strei­ti­gen Gewinns oder Ver­lus­tes zu bemes­sen [1]. Die ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen bei den ein­zel­nen Gesell­schaf­tern wer­den nicht ermit­telt. Selbst wenn im Ver­fah­ren über die geson­der­te und ein­heit­li­che Gewinn­fest­stel­lung die tat­säch­li­chen ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen bei den Fest­stel­lungs­be­tei­lig­ten bekannt wer­den, bleibt es im Grund­satz bei der pau­scha­len Ermitt­lung des Streit­werts. Auch für Streit­jah­re nach 1999 und damit ab der Absen­kung des Spit­zen­steu­er­sat­zes durch das Steu­er­ent­las­tungs­ge­setz 1999/​2000/​2002 vom 24.03.1999 sowie ab der Ein­füh­rung der Gewer­be­steu­er­an­rech­nung (§ 35 EStG) ab 2001 durch das Gesetz zur Sen­kung der Steu­er­sät­ze und zur Reform der Unter­neh­mens­be­steue­rung vom 23.10.2000 ist im Regel­fall von einem Streit­wert in Höhe von 25 % des strei­ti­gen Gewinn- oder Ver­lust­be­tra­ges aus­zu­ge­hen [2].

Streit­wert bei der steu­er­li­chen Gewinn­fest­stel­lung

Dem pau­scha­len Ansatz von 25 % der strei­ti­gen Gewin­ne steht vor­lie­gend auch nicht der Ein­wand ent­ge­gen, dass letzt­lich nur um die Ein­kunfts­art der erwirt­schaf­te­ten Gewin­ne gestrit­ten wor­den sei. Denn die Erin­ne­rungs­füh­rer begehr­ten vor­lie­gend über die Umqua­li­fi­zie­rung der Ein­künf­te hin­aus die Fest­stel­lung, dass es die Gesell­schaft als sol­che nicht gege­ben habe. Strei­ten die Betei­lig­ten jedoch über die Exis­tenz einer Gesell­schaft und begeh­ren des­we­gen die ersatz­lo­se Auf­he­bung von Fest­stel­lungs­be­schei­den, so kommt es auf die ein­kom­men­steu­er­recht­li­chen Fol­gen bei den Gesell­schaf­tern im Fall der Auf­he­bung nicht an [3]. Die Betei­lig­ten sind durch den Fest­stel­lungs­be­scheid als Gan­zen beschwert, da eine Ver­let­zung der steu­er­li­chen Grund­ord­nung durch den Erlass der Fest­stel­lungs­be­schei­de gel­tend gemacht wird [4]. Zudem spricht im vor­lie­gen­den Fall gegen eine rei­ne Umqua­li­fi­zie­rung von Ein­künf­ten, dass nach der Auf­he­bung der Fest­stel­lungs­be­schei­de auch der Gewinn nur dem Erin­ne­rungs­füh­rer zu 1. zuge­rech­net wer­den soll­te und gera­de nicht bei­den Betei­lig­ten in dem bis­he­ri­gen Gewinn­ver­tei­lungs­ver­hält­nis. Schließ­lich ist die tat­säch­li­che Höhe des Gewinns als Ein­zel­un­ter­neh­mer nicht abseh­bar, da der Abzug wei­te­rer Betriebs­aus­ga­ben Lohn­auf­wand- beab­sich­tigt wäre.

Bei die­ser Sach­la­ge kommt es auch nicht in Betracht, den Streit­wert aus­nahms­wei­se mit 1 % der fest­ge­stell­ten Gewin­ne zu ermit­teln [5]. Denn Vor­aus­set­zung dafür wäre die Gewiss­heit, dass die Umqua­li­fi­zie­rung von Ein­künf­ten kei­ne ein­kom­men­steu­er­recht­li­chen Aus­wir­kun­gen bei den bis­he­ri­gen Gesell­schaf­tern hat.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 26. Sep­tem­ber 2011 – VIII E 2/​11

  1. BFH, Beschluss vom 10.10.2006 – VIII B 177/​05, BFHE 214, 208, BStBl II 2007, 54, m.w.N.[]
  2. BFH, Beschluss in BFHE 214, 208, BStBl II 2007, 54[]
  3. BFH, Beschluss vom 11.09.1975 – IV B 22/​71, BFHE 116, 530, BStBl II 1976, 22[]
  4. BFH, Beschluss vom 01.06.1989 – IV R 95/​88, BFH/​NV 1990, 183[]
  5. s. dazu BFH, Beschluss vom 30.07.1985 – VIII R 239/​81, BFH/​NV 1986, 174; FG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 23.09.2008 – 7 KO 1955/​08, EFG 2009, 686[]