Streit­wert im Gewinn­fest­stel­lungs­ver­fah­ren

Die Höhe des Streit­werts in Ver­fah­ren vor den Gerich­ten der Finanz­ge­richts­bar­keit ist gemäß § 52 Abs. 1 GKG nach der sich aus dem Antrag des Klä­gers für ihn erge­ben­den Bedeu­tung der Sache nach Ermes­sen zu bestim­men. Im Ver­fah­ren der geson­der­ten und ein­heit­li­chen Gewinn­fest­stel­lung gemäß § 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AO bemisst sich der Streit­wert nach der typi­sier­ten ein­kom­men­steu­er­li­chen Bedeu­tung für die Gesell­schaf­ter.

Streit­wert im Gewinn­fest­stel­lungs­ver­fah­ren

Die­se ist grund­sätz­lich ‑im Sin­ne einer Ver­ein­fa­chungs­re­ge­lung- mit 25% des strei­ti­gen Gewinns oder Ver­lusts zu bemes­sen 1. Die tat­säch­li­chen steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen bei den ein­zel­nen Gesell­schaf­tern wer­den nicht ermit­telt 2. Der vor­ge­nann­te Pro­zent­satz ist aller­dings kei­ne fes­te Grö­ße. Aus­nahms­wei­se kommt der Ansatz eines höhe­ren Pro­zent­sat­zes in Betracht, wenn ohne beson­de­re Ermitt­lun­gen im Gewinn­fest­stel­lungs­ver­fah­ren erkenn­bar ist, dass der Pau­schal­satz der tat­säch­li­chen ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kung nicht gerecht wird 3. Daher ist der Satz von 25% bei höhe­ren Gewinn- bzw. Ver­lust­an­tei­len wegen der infol­ge des pro­gres­si­ven Ein­kom­men­steu­er­ta­rifs zu erwar­ten­den höhe­ren ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kung ange­mes­sen zu erhö­hen 4. Ande­rer­seits ist an der pau­scha­len Ermitt­lung des Streit­werts selbst dann fest­zu­hal­ten, wenn im Ver­fah­ren über die geson­der­te und ein­heit­li­che Gewinn­fest­stel­lung die tat­säch­li­chen ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen bei den Fest­stel­lungs­be­tei­lig­ten bekannt gewor­den sind 5.

Der Satz ist von 25% auf 35% zu erhö­hen, wenn der strei­ti­ge Gewinn nahe­zu zu 100% zwei natür­li­chen Per­so­nen (Gesell­schaf­tern) zuzu­rech­nen ist und deren Gewinn­an­tei­le ein­deu­tig im Bereich der Spit­zen­pro­gres­si­on lie­gen. Im Hin­blick auf die Höhe der damit strei­ti­gen Gewinn­an­tei­le durf­te der Kos­ten­be­am­te davon aus­ge­hen, dass infol­ge des pro­gres­si­ven Ein­kom­men­steu­er­ta­rifs die typi­sier­te ein­kom­men­steu­er­li­che Bedeu­tung für die Gesell­schaf­ter der Kos­ten­schuld­ne­rin mit einem Pau­schal­satz von 25% nicht zutref­fend abzu­bil­den sei. Des­halb hat er unter Berück­sich­ti­gung gewer­be­steu­er­li­cher Fol­gen den Pro­zent­satz im Hin­blick auf die zu erwar­ten­den höhe­ren ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen ange­mes­sen erhöht. Dass inso­weit ein typi­sie­ren­der Ansatz von 35% über­mä­ßig wäre, ist im Hin­blick auf den pro­gres­si­ven Ein­kom­men­steu­er­ta­rif und die Höhe der strei­ti­gen Gewinn­an­tei­le nicht erkenn­bar.

Die Kos­ten­stel­le hat ‑anders als die Kos­ten­schuld­ne­rin meint- auch zu Recht bei der Bemes­sung des Streit­werts nicht berück­sich­tigt, ob und inwie­weit der strei­ti­ge Gewinn the­sau­ri­ert wor­den ist oder ob im Fal­le des Obsie­gens die streit­be­fan­ge­ne Steu­er im Wege der Ein­la­ge der Kos­ten­schuld­ne­rin ver­blie­ben wäre. Der Ver­weis der Kos­ten­schuld­ne­rin auf die Fol­gen des § 34a EStG geht schon des­halb fehl, weil sich die tarif­be­güns­tig­te Besteue­rung nicht ent­nom­me­ner Gewin­ne nicht auf die Belas­tung von 28, 25% zuzüg­lich Soli­da­ri­täts­zu­schlag beschränkt, son­dern inso­weit auch die Belas­tung durch die Nach­be­steue­rung mit­ein­zu­be­zie­hen ist. Die­se Nach­be­steue­rung stellt zwar nicht ‑wie der Kos­ten­be­am­te aus­ge­führt hat- auf den indi­vi­du­el­len Steu­er­satz des Gesell­schaf­ters ab. Viel­mehr unter­lie­gen begüns­tigt besteu­er­te Beträ­ge bei ihrer spä­te­ren Ent­nah­me einer Ein­kom­mens­be­steue­rung von 25% zuzüg­lich Soli­da­ri­täts­zu­schlag. Ins­ge­samt ergibt sich damit aber eine Gesamt­steu­er­be­las­tung the­sau­ri­er­ter Gewin­ne, die deut­lich über dem vom Kos­ten­be­am­ten zugrun­de geleg­ten Satz von 35% liegt 6.

Soweit die Kos­ten­schuld­ne­rin eine Ungleich­be­hand­lung gegen­über Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten gel­tend macht, ist dem eben­falls nicht zu fol­gen. Denn bei der Bemes­sung des Streit­werts sind die jewei­li­gen steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen des Streits zu berück­sich­ti­gen. Soweit im Rah­men der Gewinn­fest­stel­lung auf die typi­sier­ten ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen abzu­stel­len ist, folgt dies dar­aus, dass im Gewinn­fest­stel­lungs­ver­fah­ren kei­ne Steu­er fest­ge­setzt wird. Soweit für unter­schied­li­che Steu­er­ar­ten unter­schied­li­che Steu­er­sät­ze gere­gelt sind, fin­det dies bei Streit über die­se Steu­ern auch in der Fest­set­zung des Streit­werts sei­nen Nie­der­schlag. Die Rechts­form des jewei­li­gen Kos­ten­schuld­ners ist für die Streit­wert­fest­set­zung jedoch ohne Bedeu­tung.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 31. Juli 2014 – IV E 2/​14

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Beschlüs­se vom 28.02.2001 – VIII E 5/​00, BFH/​NV 2001, 1035; vom 27.05.2002 – XI E 2/​02, BFH/​NV 2002, 1323; vom 29.09.2005 – IV E 5/​05, BFH/​NV 2006, 315; vom 10.10.2006 – VIII B 177/​05, BFHE 214, 208, BSt­Bl II 2007, 54; vom 10.11.2005 – VIII E 5/​05, BFH/​NV 2006, 576; vom 26.09.2011 – VIII E 2/​11, BFH/​NV 2012, 444; vom 29.02.2012 – IV E 1/​12, BFH/​NV 2012, 1153, jeweils m.w.N.[]
  2. z.B. BFH, Beschluss vom 29.11.2011 – IV E 9/​11, BFH/​NV 2012, 434, m.w.N.[]
  3. z.B. BFH, Beschlüs­se in BFH/​NV 2006, 315, m.w.N., und in BFH/​NV 2012, 1153[]
  4. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2012, 1153, m.w.N.[]
  5. z.B. BFH, Beschlüs­se in BFHE 214, 208, BSt­Bl II 2007, 54; in BFH/​NV 2012, 1153, m.w.N.[]
  6. näher dazu Blümich/​Ratschow, § 34a EStG Rz 4[]