Taxi­un­ter­neh­mer und ihre Schwarz­fah­rer

Die Schät­zung von Besteue­rungs­grund­la­gen eines Taxi­un­ter­neh­mens war in der jüngs­ten Zeit wie­der­holt Gegen­stand gericht­li­cher Ent­schei­dun­gen. Ein "beson­de­rer" Fall lag nun einem Urteil des Finanz­ge­richts Ham­burg zugrun­de:

Taxi­un­ter­neh­mer und ihre Schwarz­fah­rer

Der Klä­ger betreibt in Ham­burg ein Taxi­un­ter­neh­men mit fünf Kon­zes­sio­nen und Fahr­zeu­gen. Für die Streit­jah­re gab der Klä­ger jeweils Umsät­ze und einen jähr­li­chen Gewinn in einer Grö­ßen­ord­nung an, dass die Ein­kom­men­steu­er auf­grund der per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se des Klä­gers jeweils auf 0 € fest­ge­setzt wur­de. Nach­dem eine beim Klä­ger durch­ge­führ­te Betriebs­prü­fung ver­schie­de­ne Bean­stan­dun­gen – u.a. feh­len­de Schicht­zet­tel und Unre­gel­mä­ßig­kei­ten hin­sicht­lich der Lauf­leis­tun­gen der Fahr­zeu­ge – erge­ben hat­te, erließ das Finanz­amt für die Jah­re 2004 bis 2006 geän­der­te Ein­kom­men­steu­er­be­schei­de, die zu einer Steu­er­nach­zah­lung von ins­ge­samt 114.000 € führ­ten.

Dabei war das Finanz­amt in zwei "Stu­fen" vor­ge­gan­gen: Zunächst hat­te das Finanz­amt sei­ner Hin­zu­schät­zung ein Gut­ach­ten des Sach­ver­stän­di­gen­bü­ros Linn + Krau­se über die wirt­schaft­li­che Lage des Ham­bur­ger Taxi­ge­wer­bes zugrun­de gelegt. Dann hat­te das Finanz­amt den Klä­ger unter Hin­weis auf § 160 AO unter ande­rem auf­ge­for­dert, für die vom Finanz­amt hin­zu­ge­schätz­ten Umsät­ze wei­te­re Fah­rer und die an die­se gezahl­ten Löh­ne zu benen­nen; die­ser Auf­for­de­rung war der Klä­ger aller­dings nicht nach­ge­kom­men, so dass das Finanz­amt inso­weit den (ansons­ten not­falls auch per Schät­zung vor­zu­neh­men­den) Betriebs­kos­ten­ab­zug aus­schloss.

Das Finanz­ge­richt Ham­burg hat die Kla­ge des Taxi­un­ter­neh­mers im Wesent­li­chen abge­wie­sen und damit nicht nur die von der Finanz­ver­wal­tung in Bezug auf das Taxi­ge­wer­be ange­wand­te Schät­zungs­grund­la­ge bestä­tigt, son­dern auch klar­ge­stellt, dass Emp­fän­ger­be­nen­nungs­ver­lan­gen nach § 160 AO betref­fend hin­zu geschätz­te Per­so­nal­kos­ten und Repa­ra­tu­ren in der Regel gerecht­fer­tigt sind. Nach Ansicht des Finanz­ge­richts Ham­burg ist bei der Ermes­sens­ent­schei­dung über die Ver­sa­gung des Betriebs­aus­ga­ben­ab­zugs bei Nicht­be­nen­nung (§ 160 AO) neben dem Steu­er­aus­fall auch der Gedan­ke des Aus­falls von Sozi­al­ab­ga­ben bzw. eines Sozi­al­leis­tungs­be­trugs durch den Emp­fän­ger ergän­zend zu berück­sich­ti­gen.

In einem frü­he­ren Urteil 1 hat­te ein ande­rer Senat des Finanz­ge­richts Ham­burg sich bei der Prü­fung der Ermes­sens­ent­schei­dung noch auf eine Ein­stel­lung des Steu­er­aus­falls beschränkt, die jet­zi­ge Ein­be­zie­hung auch der even­tu­ell ver­kürz­ten Sozi­al­ab­ga­ben bedeu­tet dem­ge­gen­über eine Ver­schär­fung zulas­ten des Steu­er­pflich­ti­gen.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 7. Sep­tem­ber 2010 – 3 K 13/​09

  1. FG Ham­burg, Urteil vom 03.06.2009 – 5 K 140/​07, Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de beim BFH ein­ge­legt – X B 103/​09[]