Teil­wert = Buch­wert?

Bei Wirt­schafts­gü­tern, die nicht der Abnut­zung unter­lie­gen, besteht die wider­leg­ba­re Ver­mu­tung, dass sich ihr Teil­wert mit den Anschaf­fungs­kos­ten (Buch­wert) deckt.

Teil­wert = Buch­wert?

Danach ist die Bewer­tung einer Betei­li­gung mit den Anschaf­fungs­kos­ten die Regel und die mit einem davon abwei­chen­den Teil­wert die Aus­nah­me 1. Des­halb ist es Sache der Klä­ge­rin, wel­che die Bewer­tung der Betei­li­gung mit einem nied­ri­ge­ren Teil­wert gel­tend macht, die Vor­aus­set­zun­gen dafür dar­zu­le­gen. Sie trägt die objek­ti­ve Beweis­last (Fest­stel­lungs­last) für einen nied­ri­ge­ren Teil­wert.

Der im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall fest­ge­stell­te Sach­ver­halt unter­schei­det sich von dem dem BFH, Urteil vom 21.09.2011 2 zugrun­de­lie­gen­den Sach­ver­halt. Abwei­chend von jenem Urteil steht durch den Bör­sen­wert im Zeit­punkt des Betei­li­gungs­er­werbs nicht fest, dass die Teil­wert­ver­mu­tung erschüt­tert ist, weil im Streit­fall mit der Höhe der zu bewer­ten­den Betei­li­gung in Höhe von 55, 414 % geld­wer­te Vor­tei­le ver­bun­den sein kön­nen, die auch ein gedach­ter Erwer­ber durch Zah­lung eines sog. Paket­zu­schla­ges ent­gel­ten wür­de. Im Streit­fall spricht das objek­ti­ve Markt­ver­hal­ten der OHG bei ihrem Betei­li­gungs­er­werb dafür, dass sich der Teil­wert nicht nur nach dem Bör­sen­kurs­wert rich­tet, weil sie selbst in zeit­li­cher Nähe zu der Ver­äu­ße­rung einen Kauf­preis zahl­te, der über dem Bör­sen­kurs­wert lag 3.

Da an der Bör­se nur Antei­le gehan­delt wur­den, die dem Umfang nach der zu bewer­ten­den Betei­li­gung an der X‑AG nicht ent­spre­chen, hat das Finanz­ge­richt Fest­stel­lun­gen nach­zu­ho­len, ob bei der Ver­äu­ße­rung mit der Höhe der zu bewer­ten­den Betei­li­gung an der X‑AG geld­wer­te Vor­tei­le ver­bun­den waren, die ein gedach­ter Erwer­ber durch Zah­lung eines Paket­zu­schla­ges ent­gol­ten hät­te. Das Finanz­ge­richt hat in die­sem Zusam­men­hang zudem Fest­stel­lun­gen zu dem Ein­wand der Klä­ge­rin zu tref­fen, dass dem Stich­tags­kurs für Zwe­cke des Ver­gleichs mit dem Kauf­preis kein Paket­zu­schlag hin­zu­zu­rech­nen sei, weil sich im Kurs­wert der ein­zel­nen Aktie bereits der wert­er­hö­hen­de Betei­li­gungs­cha­rak­ter der von der OHG gehal­te­nen Mehr­heits­be­tei­li­gung wider­spie­ge­le. Dies erge­be sich aus der Ent­wick­lung des Bör­sen­kur­ses inner­halb von sechs Mona­ten vor dem 29.09.2000. Der Kurs der Aktie sei von … EUR am 20.07.2000 auf 97, 60 EUR am 29.09.2000 gestie­gen.

Der Teil­wert der X‑Beteiligung in Höhe von 55, 414 % ist ein Wert, der sich nicht in ein­zel­ne Berech­nungs­fak­to­ren zer­le­gen lässt 4. Sinkt oder steigt der Bör­sen­kurs­wert einer Aktie, so müs­sen des­halb nicht zwin­gend auch die Wie­der­be­schaf­fungs­kos­ten einer "Betei­li­gung" an der­sel­ben AG sin­ken oder stei­gen. Dies ergibt sich schon dar­aus, dass die "Betei­li­gung" nicht an der Bör­se gehan­delt wird und die Bör­sen­kurs­wer­te auch von Spe­ku­la­ti­ons­ab­sich­ten der Akti­en­er­wer­ber und ‑ver­äu­ße­rer sowie von all­ge­mei­nen poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen, Erwar­tun­gen und Ten­den­zen beein­flusst wer­den. Die­se Fak­to­ren haben nicht den glei­chen Ein­fluss auf den Wert einer Betei­li­gung. Deren inne­rer Wert muss sich des­halb bei einem sin­ken­den oder stei­gen­den Bör­sen­kurs­wert nicht zwin­gend ver­än­dern. Eine ent­spre­chen­de Wert­min­de­rung kann nur dann ange­nom­men wer­den, wenn sie sich auch in ande­ren den inne­ren Wert der Betei­li­gung bil­den­den Fak­to­ren nie­der­schlägt. Dazu gehört der Ertrags­wert der Betei­li­gung, der nach den Ertrags­aus­sich­ten der Gesell­schaft zu ermit­teln ist. Auch hier­zu wird das Finanz­ge­richt im zwei­ten Rechts­gang sub­stan­ti­ier­te Fest­stel­lun­gen zu tref­fen haben.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. Dezem­ber 2015 – IV R 18/​12

  1. BFH, Urteil in BFHE 162, 552, BSt­Bl II 1991, 342, unter II. 3. der Grün­de[]
  2. BFH, Urteil vom 21.09.2011 – I R 89/​10, BFHE 235, 263, BSt­Bl II 2014, 612, zur Teil­wert­ab­schrei­bung auf bör­sen­no­tier­te Akti­en im Anla­ge­ver­mö­gen[]
  3. vgl. BFH, Urteil in BFHE 162, 552, BSt­Bl II 1991, 342; Schmidt/​Kulosa, EStG, 34. Aufl., § 6 Rz 278[]
  4. vgl. BFH, Urteil in BFHE 162, 552, BSt­Bl II 1991, 342, unter II. 6.c aa der Grün­de[]