Teilwertabschreibung auf eine verbürgte Darlehensforderung

Wird für eine Darlehensforderung eine Sicherheit (in Form einer Bürgschaft) gestellt, ist eine Wertberichtigung der Forderung nur insoweit zulässig, als die Forderung im Falle einer Verwertung der Sicherheit durch den auf sie entfallenden Erlös voraussichtlich nicht gedeckt werden wird. Der zu erwartende Erlös ist ggf. abzuzinsen. Die Bewertung der Bürgschaft richtet sich nach der Zahlungswilligkeit und Zahlungsfähigkeit des Bürgen.

Teilwertabschreibung auf eine verbürgte Darlehensforderung

Forderungen sind gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 EStG (i. V. m. § 8 Abs. 1 Satz 1 KStG, § 7 Satz 1 GewStG)) grundsätzlich mit den Anschaffungskosten zu bewerten. Bei Begründung einer Forderung durch Vertrag entsprechen die Anschaffungskoten dem Nennwert1.

Ist der Teilwert einer Forderung aufgrund einer voraussichtlich dauernden Wertminderung niedriger, so kann nach Satz 2 der Vorschrift dieser angesetzt werden. Der Teilwert ist gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 i. V. m. Nr. 1 Satz 3 EStG der Betrag, den ein Erwerber des Betriebs für das einzelne Wirtschaftsgut ansetzen würde; dabei ist davon auszugehen, dass der Erwerber den Betrieb fortführt. Der Teilwert einer Darlehensforderung ist im Wege der Schätzung aufgrund der am Bilanzstichtag gegebenen objektiven Verhältnisse zu ermitteln und wird durch die Zahlungsfähigkeit und Zahlungswilligkeit des Schuldners und durch ihre Verzinslichkeit beeinflusst. Maßgebend ist, ob nach der allgemeinen Lebenserfahrung aufgrund der Zahlungsfähigkeit und Zahlungswilligkeit des Schuldners mit einem (teilweisen) Forderungsausfall zu rechnen ist2. Indizien können eine schleppende Zahlungsweise, fehlende flüssige Mittel sowie die negative Auskunft der Hausbank sein3.

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Das Bestehen einer Sicherheit ist im Rahmen der Ermittlung des Teilwertes einer Forderung zu berücksichtigen. Besteht für die fragliche Forderung eine Sicherheit, ist eine Wertberichtigung nur insoweit zulässig, als die Forderung im Falle einer Verwertung der Sicherheit durch den auf sie entfallenden Erlös voraussichtlich nicht gedeckt werden wird4. Das gilt auch für eine Besicherung durch eine Bürgschaft5. Ist mit der Realisierung des Erlöses aus der Sicherheitenverwertung nicht kurzfristig, sondern erst nach geraumer Zeit zu rechnen, ist der zu erwartende Erlös bei der Teilwertermittlung entsprechend abzuzinsen6.

Finanzgericht Hamburg, Urteil vom 12. Juni 2014 – 3 K 189/13

  1. Kulosa in Schmidt, EStG, 33. Aufl., § 6 Rz. 140 „Forderungen“[]
  2. BFH, Urteil vom 20.08.2003 – I R 49/02, BFHE 203, 319, BStBl II 2003, 941; FG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 30.01.2013 – 12 K 12056/12, EFG 2013, 1560; Revision anhängig beim BFH – I R 23/13[]
  3. BFH, Urteil vom 20.08.2003 – I R 49/02, BFHE 203, 319, BStBl II 2003, 941[]
  4. BFH, Urteil vom 07.05.1998 – IV R 24/97, BFH/NV 1998, 1471[]
  5. FG Hessen, Urteil vom 13.09.2011 4 K 2577/07, EFG 2012, 812; Kulosa in Schmidt, EStG, 33. Aufl., § 6 Rz. 303[]
  6. BFH, Urteil vom 24.10.2006 – I R 2/06, BFHE 215, 230, BStBl II 2007, 469[]