Treu­hän­der – und gleich­zei­tig Mit­un­ter­neh­mer

Der an einer Gesell­schaft zivil­recht­lich allein betei­lig­te Treu­hän­der kann dem Treu­ge­ber aus ertrag­steu­er­li­cher Sicht als mit­tel­ba­rem Mit­un­ter­neh­mer des­sen Mit­un­ter­neh­merstel­lung ver­mit­telt und dane­ben selbst unmit­tel­ba­rer Mit­un­ter­neh­mer der Gesell­schaft sein.

Treu­hän­der – und gleich­zei­tig Mit­un­ter­neh­mer

er für Rech­nung des Treu­ge­bers an einer Per­so­nen­ge­sell­schaft zivil­recht­lich als Gesell­schaf­ter betei­lig­te Treu­hän­der muss zur Begrün­dung einer Mit­un­ter­neh­merstel­lung des Treu­ge­bers in einem recht­li­chen und tat­säch­li­chen Ver­hält­nis zur Per­so­nen­ge­sell­schaft und ihren Gesell­schaf­tern ste­hen, das ihn selbst als Mit­un­ter­neh­mer erschei­nen lie­ße, wenn er auf eige­ne Rech­nung han­deln wür­de. Ist dies der Fall, ver­mit­telt der Treu­hän­der dem Treu­ge­ber Ein­künf­te als (mit­tel­ba­rem) Mit­un­ter­neh­mer, weil der Treu­ge­ber unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen einem unmit­tel­bar an der Gesell­schaft betei­lig­ten Mit­un­ter­neh­mer gleich­zu­stel­len ist [1]. Die zivil­recht­li­che Stel­lung des Treu­hän­ders als Gesell­schaf­ter wird steu­er­recht­lich dem Treu­ge­ber zuge­rech­net, soweit der Treu­hän­der für Rech­nung des Treu­ge­bers betei­ligt ist [2]. Der Treu­hän­der ist dane­ben als Gesell­schaf­ter selbst Mit­un­ter­neh­mer, soweit er auf eige­ne Rech­nung Mit­un­ter­neh­mer­ri­si­ko trägt und ‑initia­ti­ve ent­fal­tet.

Dem Treu­ge­ber sind die durch den treu­hän­de­risch gehal­te­nen Mit­un­ter­neh­mer­an­teil auf ihn ent­fal­len­den akti­ven und pas­si­ven Wirt­schafts­gü­ter im Gesamt­hand­s­ver­mö­gen der Per­so­nen­ge­sell­schaft steu­er­recht­lich zuzu­rech­nen [3]. Ver­äu­ßert der Treu­hän­der den treu­hän­de­risch gehal­te­nen Gesell­schafts­an­teil, erzielt unmit­tel­bar der Treu­ge­ber den Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung des Mit­un­ter­neh­mer­an­teils i.S. des § 16 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG. Nur ver­fah­rens­recht­lich ist im ers­ten Fest­stel­lungs­ver­fah­ren auf Ebe­ne der Gesell­schaft dem Treu­hän­der der Gewinn zuzu­rech­nen. In einer zwei­ten Fest­stel­lung ist die­ser Ver­äu­ße­rungs­ge­winn für den Treu­ge­ber als lau­fen­der Gewinn oder Anteils­ver­äu­ße­rungs­ge­winn fest­zu­stel­len und über die Anwen­dung der Tarif­be­güns­ti­gung zu ent­schei­den [4]. Hier­von ist im Ergeb­nis auch das Finanz­ge­richt auf Sei­te 10 bis 13 der Vor­ent­schei­dung aus­ge­gan­gen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 19. Janu­ar 2016 – VIII B 75/​14

  1. BFH, Beschluss vom 25.06.1984 – GrS 4/​82, BFHE 141, 405, BStBl II 1984, 751, unter C.V.03.b bb; BFH, Urtei­le vom 21.04.1988 – IV R 47/​85, BFHE 153, 543, BStBl II 1989, 722, m.w.N.; vom 16.05.2013 – IV R 35/​10, BFH/​NV 2013, 1945[]
  2. BFH, Beschluss vom 25.02.1991 – GrS 7/​89, BFHE 163, 1, BStBl II 1991, 691, unter C.III. 3.b cc[]
  3. vgl. z.B. die BFH, Ent­schei­dun­gen vom 03.02.2010 – IV R 26/​07, BFHE 228, 365, BStBl II 2010, 751 zum sog. Treu­hand­mo­dell; in BFHE 163, 1, BStBl II 1991, 691[]
  4. zutref­fend Patt in Herrmann/​Heuer/​Raupach ‑HHR‑, § 16 EStG Rz 285[]