Über­tra­gung von GmbH-Antei­len unter Vor­be­halts­nieß­brauch – und die bestehen­de Betriebs­auf­spal­tung

Wer­den Antei­le an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft wie vor­lie­gend unter Vor­be­halts­nieß­brauch über­tra­gen und ver­pflich­tet sich der Erwer­ber der Antei­le, sein Recht auf Teil­nah­me an Gesell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen sowie sein Stimm­recht dem Ver­äu­ße­rer für die Dau­er des Nieß­brauch­rechts zu über­las­sen, und bevoll­mäch­tigt er die­sen unwi­der­ruf­lich, nicht nur die mit dem Geschäfts­an­teil ver­bun­de­nen Ladun­gen zu Gesell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen ent­ge­gen­zu­neh­men, son­dern auch die Stimm­rech­te ohne Beschrän­kun­gen in Gesell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen aus­zu­üben, bleibt die per­so­nel­le Ver­flech­tung zwi­schen Besitz- und Betriebs­un­ter­neh­men bestehen.

Über­tra­gung von GmbH-Antei­len unter Vor­be­halts­nieß­brauch – und die bestehen­de Betriebs­auf­spal­tung

Eine Betriebs­auf­spal­tung setzt nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs vor­aus, dass das ver­mie­ten­de Besitz­un­ter­neh­men mit dem mie­ten­den Betriebs­un­ter­neh­men sach­lich und per­so­nell ver­floch­ten ist 1. Eine per­so­nel­le Ver­flech­tung ist gege­ben, wenn eine Per­son oder Per­so­nen­grup­pe bei­de Unter­neh­men in der Wei­se beherrscht, dass sie in der Lage ist, in bei­den Unter­neh­men einen ein­heit­li­chen Geschäfts- und Betä­ti­gungs­wil­len durch­zu­set­zen 2.

Besteht die per­so­nel­le Ver­flech­tung nicht mehr, endet die Betriebs­auf­spal­tung. Auch bei der Über­tra­gung von GmbH-Gesell­schafts­an­tei­len unter Vor­be­halts­nieß­brauch bleibt die­se per­so­nel­le Ver­flech­tung erhal­ten, wenn der bis­he­ri­ge Gesell­schaf­ter wei­ter­hin sei­nen Geschäfts- und Betä­ti­gungs­wil­len im Betriebs­un­ter­neh­men durch­set­zen kann. Dies ist der Fall, wenn dem bis­he­ri­gen Gesell­schaf­ter auch nach der Über­tra­gung der Antei­le sämt­li­che Stimm- und Ver­wal­tungs­rech­te zustan­den und das Stimm­recht kei­ner­lei Beschrän­kun­gen oder Wei­sun­gen unter­lag und der bis­he­ri­ge Gesell­schaf­ter folg­lich dort – ggfs. in Ver­bin­dung mit sei­ner ver­blei­ben­den Betei­li­gung – die Stimm­rechts­mehr­heit behält. Auf­grund die­ser Stimm­rechts­mehr­heit des bis­he­ri­gen Gesell­schaf­ters bleibt die per­so­nel­le Ver­flech­tung bestehen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 25. Janu­ar 2017 – X R 45/​14

  1. vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 21.01.1999 – IV R 96/​96, BFHE 187, 570, BSt­Bl II 2002, 771, m.w.N.; vom 12.10.1988 – X R 5/​86, BFHE 154, 566, BSt­Bl II 1989, 152[]
  2. vgl. BFH, Urteil in BFHE 187, 570, BSt­Bl II 2002, 771; Beschluss des Gro­ßen Bun­des­fi­nanz­hofs des BFH vom 08.11.1971 – GrS 2/​71, BFHE 103, 440, BSt­Bl II 1972, 63[]