Über­tra­gun­gen an die Schwes­ter­per­so­nen­ge­sell­schaft III

Auch nach Erge­hen des Urteils des I. Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 25. Novem­ber 2009 [1] ist es für den IV. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs im Rah­men eines Ver­fah­rens zur Aus­set­zung der Voll­zie­hung immer noch „ernst­lich zwei­fel­haft“, ob die Über­tra­gung eines Wirt­schafts­guts des Gesamt­hand­s­ver­mö­gens einer Per­so­nen­ge­sell­schaft auf eine betei­li­gungs­iden­ti­sche Schwes­ter­per­so­nen­ge­sell­schaft zur Auf­de­ckung stil­ler Reser­ven führt [2].

Über­tra­gun­gen an die Schwes­ter­per­so­nen­ge­sell­schaft III

Auf die­sen Streit im Bun­des­fi­nanz­hof reagiert nun das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um: Das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um hält dar­in zwar an sei­ner Rechts­an­sicht – ent­spre­chend dem Urteil des I. Senats des BFH – fest, will jedoch im Hin­blick auf den Beschluss des IV. Senats im Wider­spruchs- und Kla­ge­ver­fah­ren auf Antrag Aus­set­zung der Voll­zie­hung gewäh­ren.

Unter die Über­tra­gung von Wirt­schafts­gü­tern nach § 6 Absatz 5 Satz 3 Num­mer 2 EStG fällt nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums aus­schließ­lich die Über­tra­gung zwi­schen dem Son­der­be­triebs­ver­mö­gen eines Mit­un­ter­neh­mers in das Gesamt­hand­s­ver­mö­gen der­sel­ben oder einer ande­ren Mit­un­ter­neh­mer­schaft, an der der Mit­un­ter­neh­mer betei­ligt ist, oder die umge­kehr­te Über­tra­gung. Die unmit­tel­ba­re Über­tra­gung von ein­zel­nen Wirt­schafts­gü­tern zwi­schen den Gesamt­hand­s­ver­mö­gen von Schwes­ter­per­so­nen­ge­sell­schaf­ten stellt hin­ge­gen kei­nen Anwen­dungs­fall des § 6 Absatz 5 Satz 3 Num­mer 2 EStG dar und ist somit nicht zu Buch­wer­ten zuläs­sig. Ein Ana­lo­gie­schluss dahin­ge­hend, dass eine steu­erneu­tra­le Über­tra­gung von Wirt­schafts­gü­tern auch in die­sem Fall mög­lich sein müs­se, weil die stil­len Reser­ven auch in die­sem Fall in einem inlän­di­schen Betriebs­ver­mö­gen ver­blei­ben, ist für die Über­tra­gung von ein­zel­nen Wirt­schafts­gü­tern zwi­schen den Gesamt­hand­s­ver­mö­gen von Schwes­ter­per­so­nen­ge­sell­schaf­ten nicht zuläs­sig, da dies eine plan­wid­ri­ge Unvoll­stän­dig­keit des Geset­zes vor­aus­set­zen wür­de, die nach dem Wil­len des his­to­ri­schen Gesetz­ge­bers nicht gege­ben ist. Dies gilt auch für betei­li­gungs­iden­ti­sche Schwes­ter­per­so­nen­ge­sell­schaf­ten.

Der Gleich­heits­grund­satz ist nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums eben­falls nicht ver­letzt, da es im deut­schen Steu­er­recht kei­nen all­ge­mei­nen Grund­satz gibt, der eine gewinn­neu­tra­le Über­tra­gung zulässt oder vor­schreibt, soweit die Besteue­rung der stil­len Reser­ven im Inland sicher­ge­stellt ist.

Bei Erlass von Fest­stel­lungs­be­schei­den ist nach dem aktu­el­len Rund­erlass des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums daher wei­ter­hin dar­an fest­zu­hal­ten, dass die Über­tra­gung eines Wirt­schafts­guts des Gesamt­hand­s­ver­mö­gens einer Per­so­nen­ge­sell­schaft auf eine betei­li­gungs­iden­ti­sche Schwes­ter­per­so­nen­ge­sell­schaft zur Auf­de­ckung stil­ler Reser­ven führt.

Auf­grund des BFH-Beschlus­ses vom 15. April 2010 ist aller­dings auf Antrag des Steu­er­pflich­ti­gen Aus­set­zung der Voll­zie­hung zu gewäh­ren (§ 361 Absatz 2 und 3 AO).

Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen, Schrei­ben vom 29. Okto­ber 2010 – IV C 6 – S 2241/​10/​10002 :001 – DOK 2010/​0823164

  1. BFH, Urteil vom 25.11.2009 – I R 72/​08, BStBl 2010 II S. 471 = DStR 2010, 269[]
  2. BFH, Beschluss vom 15.04.2010 – IV B 105/​09[]