Unent­gelt­li­che Zuwen­dung einer aty­pisch stil­len Betei­li­gung – und der Voll­zug der Schen­kung

Die unent­gelt­li­che Zuwen­dung einer aty­pisch stil­len Betei­li­gung ist mit dem Abschluss des Gesell­schafts­ver­trags zivil­recht­lich wirk­sam voll­zo­gen 1.

Unent­gelt­li­che Zuwen­dung einer aty­pisch stil­len Betei­li­gung – und der Voll­zug der Schen­kung

Gemäß § 179 Abs. 1 i.V.m. § 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AO wer­den ein­kom­men- und kör­per­schaft­steu­er­pflich­ti­ge Ein­künf­te geson­dert und ein­heit­lich fest­ge­stellt, wenn an den Ein­künf­ten meh­re­re Per­so­nen betei­ligt und die Ein­künf­te die­sen Per­so­nen steu­er­lich zuzu­rech­nen sind. Bei einem Gewer­be­be­trieb ist die­se Vor­aus­set­zung erfüllt, wenn meh­re­re Per­so­nen den Betrieb als Unter­neh­mer (Mit­un­ter­neh­mer) füh­ren (§ 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG). Mit­un­ter­neh­mer in die­sem Sin­ne ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH auch, wer sich am Betrieb eines ande­ren als aty­pisch stil­ler Gesell­schaf­ter betei­ligt 2. Mit­un­ter­neh­mer ist ein stil­ler Gesell­schaf­ter regel­mä­ßig, wenn er nicht nur am lau­fen­den Gewinn und Ver­lust des vom täti­gen Teil­ha­ber betrie­be­nen Unter­neh­mens teil­hat, son­dern im Innen­ver­hält­nis schuld­recht­lich auch an den stil­len Reser­ven und an einem Geschäfts­wert betei­ligt sein soll, etwa in der Wei­se, dass er bei einer Auf­lö­sung des Gesell­schafts­ver­hält­nis­ses nach Maß­ga­be einer Aus­ein­an­der­set­zungs­bi­lanz und sei­ner pro­zen­tua­len Gewinn­be­tei­li­gung auch einen Anteil an den Wert­stei­ge­run­gen des Betriebs­ver­mö­gens erhal­ten soll 3. Ins­ge­samt muss sich aus der gebo­te­nen Gesamt­wür­di­gung der Umstän­de des Ein­zel­falls erge­ben, dass der Betei­lig­te auf der Grund­la­ge des Gesell­schafts­ver­trags Mit­un­ter­neh­mer­ri­si­ko trägt und Mit­un­ter­neh­mer­initia­ti­ve ent­fal­ten kann 4.

Ver­ein­ba­run­gen unter nahen Ange­hö­ri­gen, ins­be­son­de­re zwi­schen Eltern und Kin­dern, wer­den auf­grund des zwi­schen sol­chen Per­so­nen in der Regel feh­len­den natür­li­chen Inter­es­sen­ge­gen­sat­zes steu­er­lich nur aner­kannt, wenn sie zivil­recht­lich wirk­sam, klar, ein­deu­tig und leicht nach­prüf­bar sind und dem ent­spre­chen, was unter sonst glei­chen Umstän­den auch zwi­schen frem­den Per­so­nen hät­te ver­ein­bart wer­den kön­nen. Zudem muss die tat­säch­li­che Durch­füh­rung des Ver­trags wie unter frem­den Drit­ten erfolgt sein 5. Gesell­schafts­ver­trä­ge zwi­schen nahen Ange­hö­ri­gen kön­nen zwar auch dann aner­kannt wer­den, wenn die Betei­li­gung oder die zum Erwerb der Betei­li­gung auf­zu­wen­den­den Mit­tel dem in die Gesell­schaft auf­ge­nom­me­nen Ange­hö­ri­gen unent­gelt­lich zuge­wen­det wor­den sind, dies aber nur unter der Vor­aus­set­zung, dass die vor­ge­nann­ten Aner­ken­nungs­vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind 6. Die­se Rechts­grund­sät­ze sind auch zu beach­ten, wenn Ver­ein­ba­run­gen nicht unmit­tel­bar zwi­schen Ange­hö­ri­gen, son­dern zwi­schen einer Kapi­tal­ge­sell­schaft und Ange­hö­ri­gen der Gesell­schaf­ter geschlos­sen sind und die Gesell­schaf­ter, mit deren Ange­hö­ri­gen die Ver­trä­ge bestehen, die Gesell­schaft beherr­schen 7. Maß­ge­bend für die Beur­tei­lung, ob Ver­trä­ge zwi­schen nahen Ange­hö­ri­gen steu­er­lich aner­kannt wer­den kön­nen, ist aller­dings seit der Neu­aus­rich­tung der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung im Anschluss an den Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 7. Novem­ber 1995 8 die Gesamt­heit der objek­ti­ven Gege­ben­hei­ten. Zwar ist sonach auch wei­ter­hin Vor­aus­set­zung, dass die ver­trag­li­chen Haupt­pflich­ten klar und ein­deu­tig ver­ein­bart sowie ent­spre­chend dem Ver­ein­bar­ten durch­ge­führt wer­den. Jedoch schließt nicht mehr jede gering­fü­gi­ge Abwei­chung ein­zel­ner Sach­ver­halts­merk­ma­le vom Übli­chen die steu­er­recht­li­che Aner­ken­nung des Ver­trags­ver­hält­nis­ses aus. Viel­mehr sind ein­zel­ne Kri­te­ri­en des Fremd­ver­gleichs im Rah­men der gebo­te­nen Gesamt­be­trach­tung unter dem Gesichts­punkt zu wür­di­gen, ob sie den Rück­schluss auf eine pri­vat ver­an­lass­te Ver­ein­ba­rung zulas­sen 9.

All­ge­mei­nes Erfor­der­nis der steu­er­li­chen Berück­sich­ti­gung von Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen ist es inso­weit, dass die Ver­ein­ba­run­gen, die Grund­la­ge der Besteue­rung wer­den sol­len, ernst­haft gemeint sind und damit die Gewähr ihrer tat­säch­li­chen Durch­füh­rung für die Zeit­dau­er ihrer Gül­tig­keit bie­ten 10. Dar­aus ergibt sich, dass die Ernst­haf­tig­keit der Ver­ein­ba­rung z.B. eines Gesell­schafts­ver­trags zwi­schen Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen Tat­be­stands­ele­ment der auf der Grund­la­ge die­ses Gesell­schafts­ver­trags begehr­ten steu­er­recht­li­chen Gewinn­zu­rech­nung ist. Maß­geb­li­ches Beweis­an­zei­chen für die Ernst­haf­tig­keit der Ver­ein­ba­rung ist inso­weit der Abschluss der Ver­ein­ba­rung in einer Form, die Zwei­fel an ihrer zivil­recht­li­chen Rechts­wirk­sam­keit nicht auf­kom­men lässt 11.

Ein Ver­trag über die Grün­dung einer stil­len Gesell­schaft ist zwar grund­sätz­lich nicht form­be­dürf­tig. Eine Beur­kun­dungs­pflicht kann sich jedoch aus der Kop­pe­lung mit einem form­be­dürf­ti­gen Schen­kungs­ver­spre­chen erge­ben. Ist Gegen­stand des Schen­kungs­ver­spre­chens die Ein­la­ge in eine stil­le Gesell­schaft, so erstreckt sich die Form­be­dürf­tig­keit des Schen­kungs­ver­spre­chens (§ 518 Abs. 1 Satz 1 BGB) auch auf den Gesell­schafts­ver­trag 12. Nichts ande­res kann aber dann gel­ten, wenn ‑wie im Streit­fall- eine For­de­rung zuge­wen­det wird, mit der der Beschenk­te sei­ne Ein­la­ge­ver­pflich­tung aus einer bereits ein­ge­gan­ge­nen oder aber im Schen­kungs­ver­trag schon avi­sier­ten Betei­li­gung an einer stil­len Gesell­schaft bewir­ken soll.

Sind nach den vor­ste­hen­den Grund­sät­zen der Schen­kungs- und der Gesell­schafts­ver­trag jeweils nach § 518 Abs. 1 Satz 1 BGB form­be­dürf­tig, ist die dort vor­ge­schrie­be­ne nota­ri­el­le Beur­kun­dung aber nicht ein­ge­hal­ten wor­den, so ist zu prü­fen, ob der bestehen­de Form­man­gel nach § 518 Abs. 2 BGB durch die Bewir­kung der ver­spro­che­nen Leis­tung geheilt wor­den ist.

Nach der frü­he­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs stellt aller­dings die ein­fa­che Gut­schrift einer Ein­la­ge noch nicht die Voll­zie­hung der Schen­kung dar, weil danach ein sol­cher Buchungs­vor­gang nur die eine form­lo­se Ver­pflich­tung durch eine ande­re glei­cher Art erset­ze und auf die­sem Wege nicht der Man­gel der Form bei einem der­ar­ti­gen Schen­kungs­ver­spre­chen in einem münd­li­chen oder pri­vat­schrift­li­chen Gesell­schafts­ver­trag nach § 518 Abs. 2 BGB als geheilt ange­se­hen wer­den kön­ne 13. Die blo­ße Ein­bu­chung eines Anteils am Geschäfts­ver­mö­gen stel­le kei­ne Bewir­kung der ver­spro­che­nen Leis­tung dar, denn der Anteil an einem Geschäfts­ver­mö­gen sei nicht durch eine in den Geschäfts­bü­chern vor­zu­neh­men­de Umbu­chung über­trag­bar. Das gel­te auch dann, wenn die Umbu­chung auf einem Ver­trag beru­he, durch den eine Innen­ge­sell­schaft begrün­det wer­de. Das Wesen der Innen­ge­sell­schaft ohne Gesell­schafts­ver­mö­gen bestehe dar­in, dass nur ein Gesell­schaf­ter das Ver­mö­gen des betrie­be­nen Geschäfts inne­ha­be und dass er dem ande­ren nach Maß­ga­be des Gesell­schafts­ver­trags ledig­lich schuld­recht­lich ver­pflich­tet sei. Gehe sei­ne Ver­pflich­tung dahin, den ande­ren an sei­nem Ver­mö­gen zu betei­li­gen, so sol­le es nach dem Par­tei­wil­len gera­de nicht zu einer Ver­mö­gens­über­tra­gung kom­men; die Zusa­ge sol­le sich viel­mehr in einer schuld­recht­li­chen Ver­pflich­tung erschöp­fen und bedür­fe dar­um, wenn sie unent­gelt­lich erteilt wer­de, zu ihrer Wirk­sam­keit der gericht­li­chen oder nota­ri­el­len Beur­kun­dung. Der Form­man­gel kön­ne nicht dadurch geheilt wer­den, dass der Geschäfts­in­ha­ber den ver­ein­bar­ten Anteil buch­mä­ßig, steu­er­lich oder sonst­wie als Ver­mö­gen des ande­ren Betei­lig­ten füh­re, denn auch durch eine der­ar­ti­ge Hand­ha­bung wer­de der ande­re nicht stär­ker als schuld­recht­lich an dem Ver­mö­gen des Geschäfts­in­ha­bers betei­ligt 14.

Die vor­ge­nann­te Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs hat in der zivil­recht­li­chen Lite­ra­tur zwar teil­wei­se Unter­stüt­zung erfah­ren, sie ist aber über­wie­gend abge­lehnt bzw. für zu undif­fe­ren­ziert gehal­ten wor­den 15. Im Wesent­li­chen rich­tet sich die Kri­tik an der dar­ge­stell­ten BGH-Recht­spre­chung dar­auf, die dort vor­ge­nom­me­ne pau­scha­le Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Außen- und Innen­ge­sell­schaft sei im Hin­blick auf die Anfor­de­run­gen an den Schen­kungs­voll­zug i.S. des § 518 Abs. 2 BGB abzu­leh­nen, weil auch die Betei­li­gung an einer Innen­ge­sell­schaft typi­scher­wei­se über die blo­ße Ein­räu­mung einer schuld­recht­li­chen For­de­rung auf Ver­mö­gens­leis­tun­gen (Gewinn und Aus­ein­an­der­set­zungs­gut­ha­ben) hin­aus­ge­he, indem sich mit der Ein­räu­mung der Betei­li­gung auch eine Rei­he von mit­glied­schaft­li­chen Ver­wal­tungs­rech­ten und ‑pflich­ten ver­bän­den. Außer­dem unter­schie­den sich die "Voll­zugs­ak­te" einer unent­gelt­li­chen Betei­li­gung an einer Außen- bzw. Innen­ge­sell­schaft nicht grund­le­gend von­ein­an­der 16. Der stil­le Gesell­schaf­ter erhal­te inso­weit mit dem Abschluss des Gesell­schafts­ver­trags alles, was ihm ver­spro­chen wor­den sei, näm­lich die Gesell­schaf­ter­stel­lung, die über die blo­ße ver­mö­gens­recht­li­che Posi­ti­on hin­aus­rei­che und einen über­trag­ba­ren Ver­mö­gens­wert dar­stel­le 17. Zumin­dest die ver­bands­recht­lich gestal­te­te stil­le Betei­li­gung, rich­ti­ger­wei­se aber jede aty­pisch stil­le Betei­li­gung las­se über die blo­ße For­de­rungs­zu­wen­dung hin­aus eine Rechts­po­si­ti­on ent­ste­hen, die sich als taug­li­cher Zuwen­dungs­ge­gen­stand dar­stel­le 18.

Soweit der Bun­des­fi­nanz­hof sich mit der dar­ge­stell­ten älte­ren BGH-Recht­spre­chung zu befas­sen hat­te, ergibt sich kein ein­heit­li­ches Bild: Teil­wei­se ist der Bun­des­fi­nanz­hof näm­lich der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gefolgt 19, teil­wei­se konn­te er aller­dings die Fra­ge auch offen­las­sen, ob er den zivil­recht­li­chen Lehr­mei­nun­gen fol­gen wür­de, wenn er über die Rechts­fra­ge selbst abschlie­ßend zu ent­schei­den hät­te 20. Dies begrün­de­te er damit, dass der­je­ni­ge, der steu­er­recht­lich gel­tend machen wol­le, die schenk­wei­se Ein­räu­mung einer stil­len Betei­li­gung oder einer Unter­be­tei­li­gung sei ernst­haft gemeint, für die Schen­kung die Form der nota­ri­el­len Beur­kun­dung schon des­halb wäh­len müs­se, weil der stil­le Gesell­schaf­ter oder der Unter­be­tei­lig­te nach dem Stand der BGH-Recht­spre­chung bei einer etwai­gen Auf­lö­sung der Gesell­schaft sei­nen Anspruch auf Aus­zah­lung des Aus­ein­an­der­set­zungs­gut­ha­bens gegen den Wil­len des Inha­bers des Han­dels­ge­wer­bes bzw. des Haupt­ge­sell­schaf­ters nicht gericht­lich durch­set­zen kön­ne. Der II. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs hat sich dem­ge­gen­über im Urteil in BFHE 220, 513, BSt­Bl II 2008, 631 der in der Lite­ra­tur geäu­ßer­ten Kri­tik an der älte­ren BGH-Recht­spre­chung ange­schlos­sen, ohne dass dies für den von ihm zu ent­schei­den­den Fall ent­schei­dungs­er­heb­lich gewe­sen wäre. Er ent­schied, bei der Zuwen­dung einer aty­pi­schen Unter­be­tei­li­gung sei ‑anders als bei der­je­ni­gen einer typi­schen Unter­be­tei­li­gung- die Schen­kung bereits mit Abschluss des Gesell­schafts­ver­trags oder doch spä­tes­tens mit der Ein­bu­chung der aty­pi­schen Unter­be­tei­li­gung voll­zo­gen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te sich mit der genann­ten Kri­tik zwar zunächst nicht aus­ein­an­der­zu­set­zen 21. In sei­nem ‑von den Betei­lig­ten noch nicht berück­sich­tig­ten- Urteil in BGHZ 191, 354 hat er aller­dings nun­mehr ent­schie­den, dass die unent­gelt­li­che Zuwen­dung einer durch den Abschluss eines Gesell­schafts­ver­trags ent­ste­hen­den Unter­be­tei­li­gung, mit der dem Unter­be­tei­lig­ten über eine schuld­recht­li­che Mit­be­rech­ti­gung an den Ver­mö­gens­rech­ten des dem Haupt­be­tei­lig­ten zuste­hen­den Gesell­schafts­an­teils hin­aus mit­glied­schaft­li­che Rech­te in der Unter­be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft ein­ge­räumt wer­den, mit dem Abschluss des Gesell­schafts­ver­trags i.S. des § 518 Abs. 2 BGB voll­zo­gen ist. Zwar sah sich der BGH nicht gehal­ten, sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung grund­sätz­lich zu über­den­ken. Aller­dings hat er für den Fall der unent­gelt­li­chen Ein­räu­mung einer Unter­be­tei­li­gung, die nicht nur schuld­recht­li­che Ansprü­che auf Betei­li­gung am Gewinn und auf eine Abfin­dung bei Auf­lö­sung der Innen­ge­sell­schaft begrün­de­te, son­dern auch mit­glied­schaft­li­che Mit­wir­kungs­rech­te an der Geschäfts­füh­rung der Innen­ge­sell­schaft ‑näm­lich in Form eines Zustim­mungs­er­for­der­nis­ses des Unter­be­tei­lig­ten für Hand­lun­gen, die über gewöhn­li­che Ent­schei­dun­gen i.S. des § 116 Abs. 1, 2 des Han­dels­ge­setz­buchs in den Betei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten hin­aus­gin­gen- begrün­de­ten, sei­ne Recht­spre­chung ein­ge­schränkt und in die­sem Fall die Schen­kung bereits mit Abschluss des Gesell­schafts­ver­trags als voll­zo­gen betrach­tet. Zwar kom­me es auch bei der Zuwen­dung einer sol­chen Unter­be­tei­li­gung ‑anders als bei der Zuwen­dung einer Betei­li­gung an einer Außen­ge­sell­schaft- nicht zu einer ding­li­chen Mit­be­rech­ti­gung an der Haupt­ge­sell­schaft, da die Innen­ge­sell­schaft ‑wie bei einer sol­chen Fall­ge­stal­tung regel­mä­ßig- über kein Gesamt­hands­ver­mö­gen ver­fü­ge. Beschrän­ke sich aber die Unter­be­tei­li­gung nicht nur auf schuld­recht­li­che Ansprü­che gegen den zuwen­den­den Haupt­be­tei­lig­ten auf Betei­li­gung am Gewinn und am Liqui­da­ti­ons­er­lös, son­dern wür­den dem Unter­be­tei­lig­ten in der Innen­ge­sell­schaft dar­über hin­aus mit­glied­schaft­li­che Rech­te ein­ge­räumt, durch die er Ein­fluss auf die Innen­ge­sell­schaft neh­men kön­ne, so erhal­te er nicht nur die Stel­lung eines schuld­recht­li­chen Gläu­bi­gers, son­dern eine in dem Anteil an der Innen­ge­sell­schaft ver­kör­per­te mit­glied­schaft­li­che Rechts­po­si­ti­on. Das recht­fer­ti­ge die Annah­me, dass die unent­gelt­li­che Zuwen­dung einer der­ar­ti­gen Betei­li­gung an einer Innen­ge­sell­schaft eben­so wie die unent­gelt­li­che Ein­räu­mung einer Betei­li­gung an einer Außen­ge­sell­schaft mit dem Abschluss des Gesell­schafts­ver­trags voll­zo­gen sei.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat­te sich mit der dar­ge­stell­ten neue­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs bis­lang noch nicht zu befas­sen. Der Bun­des­fi­nanz­hof schließt sich ihr an und geht davon aus, dass die dort dar­ge­stell­ten Recht­spre­chungs­grund­sät­ze nicht nur für den Fall einer aty­pi­schen Unter­be­tei­li­gung, son­dern eben­so für den Fall einer aty­pisch stil­len Gesell­schaft gel­ten 22. Die Über­zeu­gung, dass für bei­de Gesell­schafts­for­men als Innen­ge­sell­schaf­ten die glei­chen Vor­ga­ben gel­ten müs­sen, hat er bereits in sei­nem Urteil in BFHE 113, 558, BSt­Bl II 1975, 141 geäu­ßert.

Ange­sichts des heu­ti­gen Stan­des der zivil­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung und der Tat­sa­che, dass die an der aty­pisch stil­len Gesell­schaft Betei­lig­ten die Ver­trä­ge wie ver­ein­bart durch­ge­führt haben, kann ihnen nicht ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, sie hät­ten die Ver­trä­ge nicht ernst­haft durch­füh­ren wol­len. Dies gilt auch inso­weit, als der BGH sein Urteil in BGHZ 191, 354 erst nach der Ver­ein­ba­rung der hier streit­be­fan­ge­nen Ver­trä­ge gefällt hat, weil er die an sei­ner Recht­spre­chung geäu­ßer­te Kri­tik bereits im Urteil in BGHZ 112, 40 auf­ge­nom­men hat­te, ohne dazu ent­schei­den zu müs­sen.

Die aty­pisch stil­le Betei­li­gung begrün­det damit steu­er­recht­lich eine Mit­un­ter­neh­merstel­lung i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG im Ver­hält­nis zur Klä­ge­rin mit der Fol­ge, dass die Beschenk­te rechts­wirk­sam Inha­be­rin einer eige­nen Ein­kunfts­quel­le in Gestalt einer aty­pisch stil­len Betei­li­gung gewor­den ist und ihr des­halb ent­spre­chen­de Gewinn- bzw. Ver­lust­an­tei­le als eige­ne Ein­künf­te zuzu­rech­nen waren.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Juli 2014 – IV R 52/​11

  1. Bestä­ti­gung und Fort­ent­wick­lung vpm BGH, Urteil vom 29.11.2011 – II ZR 306/​09, BGHZ 191, 354[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 27.05.1993 – IV R 1/​92, BFHE 171, 510, BSt­Bl II 1994, 700[]
  3. vgl. BFH, Urtei­le vom 25.06.1981 – IV R 61/​78, BFHE 134, 261, BSt­Bl II 1982, 59; in BFHE 171, 510, BSt­Bl II 1994, 700; vom 22.08.2002 – IV R 6/​01, BFH/​NV 2003, 36; vom 16.12 2003 – VIII R 6/​93, BFH/​NV 2004, 1080[]
  4. vgl. BFH, Urteil in BFHE 171, 510, BSt­Bl II 1994, 700[]
  5. BFH, Urteil vom 14.04.1983 – IV R 198/​80, BFHE 138, 359, BSt­Bl II 1983, 555, m.w.N.[]
  6. vgl. BFH, Urtei­le vom 21.02.1991 – IV R 35/​89, BFHE 164, 238, BSt­Bl II 1995, 449; vom 27.01.1994 – IV R 114/​91, BFHE 174, 219, BSt­Bl II 1994, 635[]
  7. vgl. Urtei­le des Finanz­ge­richt Müns­ter vom 14.08.2013 2 K 2483/​11 F, EFG 2014, 29, und des Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg vom 31.10.2013 7 K 3633/​10, EFG 2014, 909[]
  8. BVerfG, Beschluss vom 07.11.1995 – 2 BvR 802/​90, BSt­Bl II 1996, 34, unter B.I. 2.[]
  9. zum Gan­zen BFH, Urtei­le vom 16.12 1998 – X R 139/​95, BFH/​NV 1999, 780, unter II. 1.; vom 13.07.1999 – VIII R 29/​97, BFHE 191, 250, BSt­Bl II 2000, 386, unter 2.a; vom 17.07.2013 – X R 31/​12, BFHE 242, 209, BSt­Bl II 2013, 1015, Rz 24[]
  10. vgl. zuletzt BFH, Urteil vom 22.10.2013 – X R 26/​11, BFHE 242, 516, BSt­Bl II 2014, 374, Rz 71[]
  11. BFH, Urteil vom 19.09.1974 – IV R 95/​73, BFHE 113, 558, BSt­Bl II 1975, 141; für die indi­zi­el­le Bedeu­tung der zivil­recht­li­chen Unwirk­sam­keit auch BFH, Urtei­le in BFHE 191, 250, BSt­Bl II 2000, 386; vom 07.06.2006 – IX R 4/​04, BFHE 214, 173, BSt­Bl II 2007, 294; in BFHE 242, 516, BSt­Bl II 2014, 374, Rz 68[]
  12. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 113, 558, BSt­Bl II 1975, 141; vom 14.05.2003 – X R 14/​99, BFH/​NV 2003, 1547[]
  13. BGH, Urteil vom 24.09.1952 – II ZR 136/​51, BGHZ 7, 174[]
  14. BGH, Urteil vom 29.10.1952 – II ZR 16/​52, BGHZ 7, 378[]
  15. vgl. die umfang­rei­chen Nach­wei­se dazu im BGH, Urteil vom 29.11.2011 – II ZR 306/​09, BGHZ 191, 354[]
  16. vgl. Münch­Komm-BGB/Ul­mer/­Schä­fer, 6. Aufl., § 705 Rz 45, m.w.N.[]
  17. vgl. Münch­Komm-BGB/J. Koch, a.a.O., § 518 Rz 29[]
  18. MünchKommHGB/​Karsten Schmidt, 3. Aufl., § 230 Rz 103[]
  19. vgl. BFH, Urtei­le vom 01.07.1982 – IV R 152/​79, BFHE 136, 244, BSt­Bl II 1982, 646; in BFH/​NV 2003, 1547[]
  20. BFH, Urteil in BFHE 113, 558, BSt­Bl II 1975, 141[]
  21. vgl. BGH, Urteil vom 02.07.1990 – II ZR 243/​89, BGHZ 112, 40[]
  22. eben­so Schmidt/​Wacker, EStG, 33. Aufl., § 15 Rz 773; noch wei­ter gehend für den Fall einer typisch stil­len Unter­be­tei­li­gung Urteil des Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz vom 31.01.2013 5 K 2009/​10, EFG 2013, 835[]