Ver­äu­ße­rungs­ge­winn am GmbH-Anteil

Der Gewinn­an­teil des Ver­äu­ße­rers einer rele­van­ten GmbH-Betei­li­gung im Sin­ne von § 17 Abs. 1 EStG ist preis­bil­den­der Bestand­teil des ver­äu­ßer­ten Anteils.

Ver­äu­ße­rungs­ge­winn am GmbH-Anteil

Ver­äu­ße­rungs­ge­winn ist gemäß § 17 Abs. 2 Satz 1 EStG der Betrag, um den der Ver­äu­ße­rungs­preis nach Abzug der Ver­äu­ße­rungs­kos­ten die Anschaf­fungs­kos­ten über­steigt. Ver­äu­ße­rungs­kos­ten sind die durch die Ver­äu­ße­rung wirt­schaft­lich ver­an­lass­ten Auf­wen­dun­gen.

Anschaf­fungs­kos­ten sind nach § 255 Abs. 1 Satz 1 HGB Auf­wen­dun­gen, die geleis­tet wer­den, um einen Ver­mö­gens­ge­gen­stand zu erwer­ben. Dazu gehö­ren nach § 255 Abs. 1 Satz 2 HGB auch die nach­träg­li­chen Anschaf­fungs­kos­ten. Zu den nach­träg­li­chen Anschaf­fungs­kos­ten einer Betei­li­gung zäh­len neben (ver­deck­ten) Ein­la­gen auch nach­träg­li­che Auf­wen­dun­gen auf die Betei­li­gung, wenn sie durch das Gesell­schafts­ver­hält­nis ver­an­lasst sind und weder Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen noch Ver­äu­ße­rungs- oder Auf­lö­sungs­kos­ten sind 1.

Nach die­sen Grund­sät­zen min­dern der antei­li­ge Gewinn­vor­trag und Jah­res­über­schuss im Streit­fall den Ver­äu­ße­rungs­ge­winn des Klä­gers nicht. Viel­mehr decken die ursprüng­li­chen Anschaf­fungs­kos­ten des Klä­gers (ein­ge­zahl­tes Stamm­ka­pi­tal plus Notar­kos­ten) sein Mit­glied­schafts­recht mit allen sei­nen Bestand­tei­len –auch den strei­ti­gen Gewinn­an­teil (antei­li­ger Gewinn­vor­trag und Jah­res­über­schuss)– ab. Es han­delt sich bei dem strei­ti­gen Gewinn­an­teil um unselb­stän­di­ge, preis­bil­den­de Bestand­tei­le des ver­äu­ßer­ten Anteils. Dass dem Klä­ger gera­de im Hin­blick auf die­se Bestand­tei­le beson­de­re nach­träg­li­che Anschaf­fungs­kos­ten ent­stan­den wären, ist nicht ersicht­lich. Viel­mehr hat der Erwer­ber der Antei­le den unstrei­ti­gen Ver­äu­ße­rungs­preis gera­de auch dafür bezahlt, dass mit dem erwor­be­nen Anteil der streit­be­fan­ge­ne antei­li­ge Gewinn­vor­trag und Jah­res­über­schuss ver­bun­den ist. Die Rea­li­sie­rung die­ser Wert­hal­tig­keit sei­nes Anteils soll aber gemäß § 17 EStG beim Ver­äu­ße­rer besteu­ert wer­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 8. Febru­ar 2011, IX R 15/​10

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH, Urtei­le vom 09.06.2010 – IX R 52/​09, BFHE 230, 326, BSt­Bl II 2010, 1102; vom 04.03.2008 – IX R 78/​06, BFHE 220, 446, BSt­Bl II 2008, 575, m.w.N., und vom 04.03.2008 – IX R 80/​06, BFHE 220, 451, BSt­Bl II 2008, 577, m.w.N.[]
  2. AG Eus­kir­chen, Urteil vom 19.03.2013 – 17 C 160/​12[]